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Suizide: Experten fordern verstärkte Prävention Empfehlungen zur Medienberichterstattung über Suizid
Selbstmord: Kleine Schmerzmittelpackungen senken Rate EU-Kommissar: Mehr Aufmerksamkeit für psychische Gesundheit
Antidepressiva: Beschleuniger für Suizidgefahr bei Kindern Selbstmord: Alle 47 Minuten ein Fall in Deutschland
"Suizide im Netz angezettelt"   Selbstmord: Sehr häufige Todesursache bei Jugendlichen
Alle vier Minuten ein Suizidversuch Studie: Suizidversuche bei Homosexuellen häufiger
Psychiater warnen vor Suizidforen im Internet Berlin: Seminare für Trauernde nach Suizid
Neues Programm gegen Suizid Suizid von Prominenten führt häufig zu Nachahmung
Suizidforen im Internet: Mehr Abschreckung als Ansporn Internet und Suizidgefährdung

Nach Suizidversuch bleibt das Risiko

Programm für mehr Prävention soll Suizidrate senken

Suizidprävention: Positive Zurückhaltung

Selbstmord im Web

Psychiater warnen vor Suizidforen im Internet

Ärzte besorgt über "Internet-Suizid": Hilfsange- bote online ausbauen

Veranlagung für Suizid offenbar nachgewiesen

Nebeneffekt: Weniger Selbstmorde wegen Katalysator

Suizidprävention: Positive Zurückhaltung

(naps/rh). Nach einer Meldung des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV, in Journalist 7/02) zufolge ziehen die Verkehrsbetriebe der Stadtwerke München GmbH (MVG) nach einem zweijährigen Pilotprojekt zur Suizidprävention eine positive Bilanz. Die lokalen Medien waren gebeten worden, während des Pilotprojektes unter Umgehung der Wörter "Selbstmord" und "Suizid" zu berichten. Stattdessen hatte man sich auf die Sprachregelung "Notarzteinsatz" geeinigt, um etwaige Nachahmungstaten zu verhindern. Ergebnis: Die Anzahl der Folgesuizide sank im Untersuchungszeitraum auf 25 Prozent von zuvor 40 Prozent.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 05.07.2002

Selbstmord im Web

Rund 12.000 Menschen bringen sich in Deutschland jedes Jahr um. Besonders in der Altersgruppe bis 25 Jahren nimmt dabei die Zahl der "Internet-Suizide" zu. Dabei kündigen die Betroffenen ihre Selbsttötung online in einem der zahlreichen "Selbstmordforen" im WWW an, von denen allein im deutschen Teil des Webs rund 30 existieren.

Experten der Psychiatrischen Klinik München, die diese Foren untersuchten, stellten fest, dass die hier gegebene Anonymität es den Suizidgefährdeten erleichtert, sich zu informieren und Kontakt zu anderen Betroffenen aufzunehmen. Schlagzeilen machten dabei in der Vergangenheit Fälle, in denen Suizidgefährdete in derartigen Foren von Gleichgesinnten in ihren Vorhaben bestärkt wurden.

Doch gleichzeitig eignet sich das WWW auch für niedrigschwellige Angebote zu Hilfe und Selbsthilfe. Einer Studie der Universität München zufolge haben bereits 42 Prozent der psychiatrischen Patienten das Internet genutzt. Das Kompetenznetz Depression betreibt deshalb ein Diskussionsforum für Patienten. Eine Auswertung von rund 10.000 Beiträgen von etwa 1.000 Teilnehmern zeigt die Bedeutung der Online-Hilfe.
Hilfe statt Absprung:

gesundheit-newsletter 19.04.2002

Veranlagung für Suizid offenbar nachgewiesen

Chicago (ddp). Bei Suizidversuchen spielt offensichtlich auch die genetische Veranlagung eine Rolle. Das berichten amerikanische Zwillingsforscher im «Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry» (Ausg. 40, Nr. 6). Begehe ein Mädchen aus einem eineiigen Zwillingspaar einen Suizidversuch, sei im Vergleich zu zweieiigen Zwillingsschwestern die Gefahr deutlich größer, dass auch die Schwester diesen Schritt vollziehen wolle. Eineiige Zwillinge haben die gleichen Gene, während bei zweieiigen Zwillingen nur etwa die Hälfte des Erbguts identisch ist. Die Forscher um Anne Glowinski von der Universität Washington St. Louis befragten über 3.000 weibliche Zwillinge im Teenageralter. Hatte ein befragtes Mädchen einen Suizidversuch begangen, wollte sich bei jedem fünften eineiigen Zwillingspaar auch die Schwester das Leben nehmen. Bei zweieiigen Zwillingen war dies nur bei jedem siebten Paar der Fall.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 30.10.2001

Psychiater warnen vor Suizidforen im Internet

München (ddp). Suizidforen im Internet können nach Expertenmeinung einen gefährlichen Nachahmungseffekt haben. Häufig würden in solchen Foren Gedanken niedergeschrieben, die zwar nicht so gemeint seien, bei den anderen Nutzern jedoch schlimme Effekte hervorrufen können, sagte Professor Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. In diesen hauptsächlich anonymen Internetforen diskutieren Suizidgefährdete offen über ihre Todeswünsche und Suizidpläne. Die Zahl dieser Foren sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen, erklärte Hegerl. Weltweit schätzen die Experten die Zahl solcher Suizidforen auf 100 000, in Deutschland vermuten sie etwa 30. Die Einrichtung solcher Formen erfolge meist anonym und häufig vom Ausland aus. Im Internet suchten die Gefährdeten nicht nur mögliche Hilfsorganisationen oder tauschten sich über medikamentöse Behandlungen oder Therapiefortschritte aus, sondern fühlten sich im Schutze der Anonymität auch animiert, offen über die Todeswünsche zu sprechen. Etwa 12 000 Suizidopfer werden in Deutschland durchschnittlich im Jahr registriert, im Jahr 2000 sei es allein in Bayern zu 1950 Selbstmorden gekommen.
http://www.kompetenznetz-depression.de
http://www.psynet-congress.de
Weiterführende Infos: http://www.religio.de/dialog/300/22_16-19.htm


Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 03.05.2002

Ärzte besorgt über "Internet-Suizid": Hilfsangebote online ausbauen

München (dpa) - Suizid-Foren im Internet werden für gefährdete Menschen nach Auffassung von Fachleuten zu einer zunehmenden Gefahr. In Deutschland gebe es nach Schätzungen rund 30 derartiger Foren, in denen Menschen Möglichkeiten zur Selbsttötung austauschten, ihren eigenen Suizid ankündigten oder Abschiedsbriefe veröffentlichten, berichtete am Freitag Psychiater Ulrich Hegerl von der Ludwig- Maximilians-Universität-München (LMU). Weltweit dürften es mehrere 100 Foren sein, Tendenz steigend. Zugleich nutzten Betroffene aber auch verstärkt professionelle Hilfsangebote sowie Selbsthilfeforen im Internet, sagte Hegerl. Diese Angebote müssten ausgebaut werden. Allein im Jahr 2000 seien ein Dutzend "Internet-Suizide" in Deutschland registriert worden. Das Phänomen gebe es aber auch in anderen europäischen Ländern und in den USA. Vor allem Jugendliche seien gefährdet, sagte der Münchner Psychiater Patrick Bussfeld. Vor zwei Jahren etwa sorgte der gemeinsame Suizid einer 17 Jahre alten Österreicherin und eines 24 Jahre alten Norwegers für Schlagzeilen, die sich über Internet zu der Tat verabredet hatten. Es handele sich um eine Subkultur, in der Selbsttötung teilweise verherrlicht und überhöht werde. "Viele reizt der Tabubruch", sagte Bussfeld. "Was für manche nur ein Spiel mit dem Feuer ist, wird für andere zur akuten Lebensgefahr." Dabei spiele auch der Nachahmungseffekt eine Rolle. Die strafrechtlichen Möglichkeiten gegen die Betreiber derartiger Suizid-Foren seien begrenzt, sagte LMU-Professor Hegerl. Es handele sich um juristisches Neuland. Unterdessen steigt auch die Nachfrage nach qualifizierter Information im Internet. Allein die Homepage des Forschungsprojekts Kompetenznetz Depression werde von mehr als 1000 Nutzern täglich besucht, betonte Hegerl, der das Projekt an der LMU betreut. Jährlich begehen etwa 12 000 Menschen in Deutschland Suizid. In 90 Prozent der Fälle handele es sich aber nicht um eine freie Entscheidung. "Den Freitod gibt es in der Belletristik", sagte Hegerl. "In der Realität stehen dahinter meist ernste Erkrankungen wie Süchte oder Depression."

Quelle: Netdoktor.de vom 27.04.2002

Nebeneffekt: Weniger Selbstmorde wegen Katalysator

Berlin – Katalysatoren nutzen nicht nur der Umwelt, sie sorgen auch dafür, dass weniger Selbstmorde begangen werden. Nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" konnten der Forscher der Universität Atlanta nun feststellen, dass sich die Suizide durch Kohlenmonoxid-Abgase der Autos in den USA seit 1975 halbiert haben. Statistisch bedeutet dies, dass sich von einer Millionen Bürgern fünf mit Autoabgasen umbringen, vor 25 Jahren waren es noch zehn. Nach Meinung der Wissenschaftler hängt diese Phänomen mit der Entwicklung der Katalysatoren zusammen. Der Kat reduziert den Ausstoß giftiger Gase wie Kohlenmonoxid nachhaltig. Deswegen eignen sich diese Fahrzeuge nicht mehr für einen Selbstmord.

Quelle: Netdoktor.de vom 10.09.2002


Nach Suizidversuch bleibt das Risiko

London (ddp). Nach einem Suizidversuch nimmt in den folgenden Jahren das Risiko eines erneuten Suizids nicht ab. Die Rate weiterer Versuche scheint sogar leicht zu steigen. Das berichten britische Psychologen im "British Medical Journal" (Bd. 325, S. 1155). In ihrer Studie hatten die Forscher das Schicksal zahlreicher Briten verfolgt, die sich in den 70er Jahren das Leben nehmen wollten. Aus den gewonnenen Daten errechneten die Wissenschaftler, dass von tausend Menschen nach einem Suizidversuch jedes Jahr etwa sechs erneut versuchen, sich das Leben zu nehmen. Diese Rate steigt sogar etwas an, so dass nach zwei Jahrzehnten innerhalb eines Jahres etwa 7 von 1000 Betroffenen erneut Hand an sich legen. Die Forscher raten daher dazu, nicht auf die Einsicht der Gefährdeten zu hoffen. Statt dessen empfehlen sie, das Leben der Betroffenen durch eine intensive und weitsichtige Betreuung zu schützen.

Quelle: Lichtblick-newsletter.devom 18.11.2002


Experten: Selbstmordzahlen bei Jugendlichen "erschreckend konstant"

Düsseldorf (dpa) - Die Zahl der Selbstmorde von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist nach Expertenangaben langfristig "erschreckend konstant". Wenn es auch aktuell seit den 70er Jahren einen leichten Rückgang gebe, kämen Untersuchungen über mehrere Generationen hinweg zu annähernd gleichen Zahlen, sagte der Würzburger Jugendpsychiater Prof. Gerhardt Nissen am Mittwoch auf dem Kongress der Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf. Von den über 11 000 Suizid-Toten im Jahr 2000 seien 33 Kinder 10 bis 14 Jahre alt gewesen, 272 Jugendliche 15 bis 19 Jahre. Grundsätzlich schwankten die ermittelten Zahlen über die Jahre hinweg sehr stark. Nach Einschätzung Nissens "muss jeder, auch ein spielerisch angelegter Selbstmordversuch" bei Kindern und Jugendlichen als ernstes Notsignal angesehen werden. Wegen der "dynamischen und diskontinuierlichen Entwicklung" junger Menschen sei das Selbstmordrisiko bei ihnen viel schwerer einschätzbar als bei Erwachsenen, erklärte der Jugendpsychiater. Rund 80 Prozent der jungen Selbstmörder stammten aus "chaotischen häuslichen Verhältnissen" mit zu wenig Geborgenheit und Zuwendung, sagte Nissen. Leichte Irritierbarkeit, Kritik-Überempfindlichkeit, Impulsivität, eingeschränkte Kommunikation und Perfektionsdrang gehören nach Angaben des Psychiaters zu den warnenden Charaktereigenschaften Selbstmord gefährdeter junger Menschen. Eine weitere Ursache für den Freitod in ganz jungen Jahren bestehe offenbar darin, dass erst ab etwa 12 Jahren die Erkenntnis reife, "dass der Tod endgültig ist". Seelische Erkrankungen seien bei jungen Menschen nicht so deutlich als Selbstmordgrund auszumachen wie bei Erwachsenen.

Quelle: Netdoktor.de vom 21.11.2002


Programm für mehr Prävention soll Suizidrate senken

Von Christine Xuân Müller
Berlin (ddp). Mit dem bisher größten Suizidpräventionsprogramm machen sich 30 Institutionen und Organisationen in Deutschland für die Senkung der Suizidrate stark. Eine groß angelegte Aufklärungskampagne soll helfen, die Zahl der Suizidfälle um 20 bis 40 Prozent zu senken. Mehr als 11 000 Bundesbürger nehmen sich jährlich das Leben. Die Anzahl der Suizidversuche werde auf über 100 000 pro Jahr geschätzt, sagte der Initiator des Programms, Professor Armin Schmidtke von der Universität Würzburg, am Dienstag in Berlin.
So sollen unter anderem die Medien davon überzeugt werden, weniger "verherrlichend" über Selbstmorde zu berichten. Schmidtke verwies auf das Beispiel des Musikers Kurt Cobain, der sich 1994 tötete. Durch schnelle aufklärende Berichterstattung sei damals die Nachahmerquote geringer als befürchtet ausgefallen.
Die Initiatoren wollen außerdem erreichen, dass die Deutsche Bahn Zäune an den Strecken errichtet, damit suizidgefährdete Menschen nicht die Gleise betreten können. Außerdem sollen Loks mit hellen Scheinwerfern ausgestattet werden. "Suizidale stehen nicht gerne im Licht", begründete Schmidtke den Vorstoß.
Angedacht ist auch - wie etwa in den USA - an Brücken Schilder anzubringen mit Aufschriften wie: "Wenn Sie überlegen sich umzubringen, rufen Sie vorher diese Nummer an ....!" Bestimmte Medikamente sollen nur noch in kleineren Packungsgrößen verkauft werden. Und in Schulen seien Ausbildungs- und Aufklärungsprogramme für Lehrer geplant, mit denen sie besser erkennen können, ob ein Schüler suizidgefährdet ist und interveniert werden muss. "Viele Pädagogen wundern sich, wenn bei einem Jugendlichen plötzlich die Schulleistungen rapide abfallen - sie fragen aber nicht nach den Gründen", sagte Schmidtke.
Statistisch gesehen kommt es in Deutschland alle 45 Minuten zu einem Suizid und alle 4 Minuten zu einem Selbstmordversuch. Suizidversuche kommen bei jungen Frauen dreimal so häufig vor wie bei jungen Männern. Bei den Selbstmorden ist das Verhältnis umgekehrt. So starben im Jahr 2000 im Bundesgebiet 8131 Männer und 2934 Frauen durch Selbsttötung.
Bei Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren ist Selbstmord nach Autounfällen die zweithäufigste Todesursache. Psychische Krankheiten seien der häufigste Grund für Selbstmord, sagte Schmidtke. Zudem komme es in sozial schwächeren Gruppen häufiger zum Freitod.
Zwischen den Bundesländern gibt es beträchtliche Unterschiede. So hatte Sachsen im Jahre 1999 die höchste Suizidrate mit 18 Toten auf 100 000 Einwohner, das Saarland hatte mit 9,2 die niedrigste Quote. Nach Sachsen folgten Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Bayern, Brandenburg, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin, Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen.
An dem "Nationalem Suizidpräventionsprogramm" beteiligen sie unter anderen das Bundesgesundheitsministerium, der Bundestagsausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung, die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) sowie Fachgesellschaften, Psychiatrische Krankenhäuser und die Spitzenverbände der Krankenkassen.

Quelle: Lichtblick-newsletter.devom 26.11.2002


Suizidforen im Internet: Mehr Abschreckung als Ansporn

Berlin (dpa) - Ob Ankündigung des eigenen Todes im Internet oder die Diskussion über die effektivste Methode des Selbstmords: Im Internet haben Suizidgefährdete seit Jahren eine Möglichkeit, anonym miteinander zu reden. Angesichts von mehr als 11.000 Selbstmördern jährlich in Deutschland beschäftigte sich der derzeit in Berlin stattfindende Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie mit der Frage, ob die Internetforen eine Gefahr für jüngere Nutzer darstellen. Nach Ansicht von Armin Schmidtke von der Universität Würzburg kann der anonyme Austausch auch eine emotionale Entlastung oder gar eine Abschreckung sein. Für Aufsehen sorgte ein Doppelsuizid eines Norwegers und einer Österreicherin, die in Norwegen von einem Felsen sprangen. Sie hatten sich im Internet verabredet. Ein gemeinsamer Sprung Jugendlicher vom Dortmunder Fernsehturm wurde im letzten Moment von der Polizei verhindert. Laut Schmidtke ist es problematisch, anhand derartiger Einzelfälle generelle Aussagen über Suizidforen im weltweiten Netz zu treffen. Eine Gefahr gehe weniger von der Selbstmordbotschaft, als vielmehr von den darauf gegebenen Antworten aus. Einige Forenbetreiber lehnten jegliche Einmischung ab, andere hingegen platzieren von sich aus Verknüpfungen zu professionellen Hilfsangeboten, berichtete Schmidtke auf dem bis Sonnabend dauernden Kongress. Ein lobenswertes Angebot sei das "Kompetenznetz Depression und Suizidalität". Das von der Bundesregierung geförderte Netz bietet neben Informationen ein Diskussionsforum an. "Durch die fachärztliche Betreuung soll erreicht werden, dass akut Gefährdete von der Notwendigkeit eines Arztbesuches überzeugt werden ", sagte Ulrich Hegerl, Oberarzt an der Universität München und Sprecher des Kompetenznetzes, auf dem Kongress. Ein Hauptgrund für Selbstmord sind unbehandelte Depressionen, sagte Hegerl. Andere Gründe seien Drogen- und familiäre Probleme.
Spiel mit dem Tod: NetDoktor.de-Feature zu Suizidforen im Internet:


Quelle: Netdoktor.de vom 30.11.2002


Internet und Suizidgefährdung

Berlin (naps/rh). "Natürlich hält das Internet Informationen bezüglich der Suizidprävention bereit", erklärte Prof. Dr. Armin Schmidtke, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention, in einem Pressegespräch am Rande des DGPPN-Kongresses in Berlin. Er verwies aber auch auf Angebote, die besonders für labile Menschen Gefahren bergen. So werden Tabellen und Rangreihen über die effektivsten Suizidmethoden angeboten, Foren und Orte vermittelt, die der Suizidpartnersuche dienen.

Verabredung zum Doppelsuizid
"Hätte der Schriftsteller Heinrich von Kleist bereits die technischen Möglichkeiten gehabt, womöglich hätte er Henriette Vogel über das Internet gefunden", beschrieb Armin Schmidtke das heutige Ansteckungsphänomen. Ähnlich wie bei den "alten" Medien können direkte Imitationseffekte über das neue Medium erzeugt werden. Diskutiert wird, so Armin Schmidtke, "ob das Internet sogenannte 'Suizidcluster' fördern kann. Darunter versteht man eine Häufung von Suiziden oder Suizidversuchen oder beidem innerhalb eines kurzen Zeitraumes und in räumlicher Beziehung."
Zur Prüfung dieser Hypothese beobachtete Schmidtke und sein Würzburger Team für den Zeitraum eines Jahres das Archiv eines moderierten "Freitodforums". Dabei zeigen die Ergebnisse, "dass die Verteilung der etwa 3000 in Chatrooms zu findenden Postings mit der Suche nach Suizidpartnern nicht zufällig verteilt ist." Das Hauptproblem: die "Verabredungscluster" fungieren länderübergreifend. Als Spitze des Eisberges dieser Anbahnungen nannte Armin Schmidtke einen 25-jährigen Norweger, der über das Internet nach Gleichgesinnten fahndete. Im Februar 2002 sprang er gemeinsam mit einer 17-jährigen Österreicherin von einem Felsen in den Tod. Ein gemeinsamer Sprung Jugendlicher vom Dortmunder Fernsehturm wurde im letzten Moment von der Polizei verhindert. Ob bestimmte Personen bereits vorher an Suizid denken oder erst der Kontakt mit solchen Foren dies begünstigt, werde diskutiert, so Schmidtke. Sicher ist, bestimmte Inhalte und Antworten in den Chatrooms können Emotionen verstärken, Einstellungen verändern und Imitationseffekte auslösen. Zudem verdeutlichte Armin Schmidtke, wie problematisch das selbst für "Profis" sein kann: "Zwei meiner Mitarbeiter musste ich von dieser Aufgabe abziehen:
Sie waren nach zwei Wochen zu stark emotional betroffen." Das ist die belastende Seite. Doch gefährdet sind vor allem Jugendliche, "da sie in den Foren viel Modelle finden, mit denen sie sich leicht identifizieren können." Dazu zitierte Schmidtke einen Forenbetreiber: "Die Jugendlichen geraten in einem Sumpf, aus dem sie oft nicht wieder herauskommen." Besonderes Augenmerk sollte daher auf die Motive und Beiträge der Betreiber solcher Foren gelegt werden. Immerhin, einige Forenbetreiber platzieren von sich aus Verweise zu professionellen Hilfsangeboten, berichtete Schmidtke.

Auch präventive Wirkung möglich
Laut Prof. Schmidtke ist es aber problematisch, anhand von Einzelfällen generelle Aussagen über die Gefahr der Suizidforen zu treffen. Zudem ist in der bisherigen Berichterstattung über die Foren der Hinweis auf eine mögliche präventive Wirkung zu kurz gekommen: "Da Suizid noch immer ein gesellschaftliches Tabu darstellt, müssen Gefährdete, die sich im realen Leben persönlich offenbaren, mit Unverständnis und Stigmatisierung rechnen. Der anonyme Austausch von Suizidphantasien im Internet kann deshalb eine emotionale Entlastung sein." Inwieweit die Teilnahme an einer Onlinediskussion dazu führen kann, dass sich der Betroffene irgendwann auch professioneller Hilfe zuwendet, ist allerdings noch nicht untersucht.

Kompetenznetz "Depression" bietet ein Internetforum
Eines dieser Angebote ist das Kompetenznetz "Depression, Suizidalität", ein bundesweites Forschungsprojekt, zu dem sich unter anderem führende Forschungseinrichtungen und Universitätskliniken, Bezirks- und Landeskrankenhäuser, niedergelassene Ärzte und Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen haben. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt bietet im Internet neben breiter Information ein Diskussionsforum für Betroffene an, das von professioneller Seite betreut wird. Prof. Ulrich Hegerl, Sprecher des Kompetenznetzes "Depression, Suizidalität" und Oberarzt der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, erklärte: "Auf diese Weise ist es möglich, Betroffenen eine Kommunikationsplattform zur Verfügung zu stellen. Durch die fachärztliche Betreuung soll erreicht werden, dass akut Suizidgefährdete von der Notwendigkeit eines Arztbesuches überzeugt werden. In Notfällen wird über die Polizei versucht, akut gefährdeten Personen Hilfe zu bringen."

Risikogruppen kommen aus allen Altersschichten
Zu den Gruppen mit einem erhöhten Risiko für eine Suizidgefährdung zählen Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depression, Alkoholsucht und Schizophrenie, außerdem alte Menschen, die an Vereinsamung oder chronischen Krankheiten leiden. Auch junge Erwachsene und Jugendliche, die Drogen-, Familien- und Ausbildungsprobleme haben oder sich in Entwicklungs- und Beziehungskrisen befinden, sind suizidgefährdet. Menschen, die sich mit einschneidenden Veränderungen wie Partnerverlust und Arbeitslosigkeit konfrontiert sehen, können ebenso betroffen sein wie Menschen, deren Lebensqualität durch chronische Schmerzen beeinträchtigt wird.Prof. Manfred Wolfersdorf, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Bezirkskrankenhauses Bayreuth, stellte fest: "Uns ist deutlich geworden, dass Suizid meist nicht Ausdruck von Freiheit und Wahlmöglichkeit ist, wie es der Begriff Freitod suggeriert. Statt dessen fühlt sich der Suizidgefährdete durch objektive oder subjektiv erlebte Notlagen sowie psychische oder körperliche Erkrankungen eingeengt."

Aufklärungskampagne hat Suizidrate gesenkt
Ein Hauptgrund für die jährlich über 11.000 Suizide in Deutschland sind unbehandelte Depressionen. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation ist nicht Diabetes oder Herzinfarkt, sondern Depression die Volkskrankheit Nr. 1 in den Industrieländern. Doch obwohl gute therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung stehen, erhalten nur zehn Prozent aller Betroffenen in Deutschland eine Therapie, die dem aktuellen Forschungsstand entspricht. "Eine verbesserte Versorgung depressiver Patienten ist ein wichtiger Beitrag zur Suizidprävention", so Prof. Hegerl. So gelang es dem Kompetenznetz "Depression, Suizidalität" durch eine Informations- und Aufklärungskampagne im Rahmen des "Nürnberger Bündnisses gegen Depression'', die Rate an Suiziden und Suizidversuchen in Nürnberg deutlich zu senken.

Suizidprävention durch Depressionsstationen
Ein wirksamer Ansatz für eine bessere Versorgung sind laut Prof. Wolfersdorf so genannte Depressionsstationen. Hier können schwer depressive Patienten eine familiäre Gemeinschaft bilden und gezielter betreut werden als auf gemischten Stationen. In den letzten Jahren hat die Gründung von Depressionsstationen im Zuge der Patientenorientierung und Qualitätssicherung sowie der ökonomischen Anforderungen an psychiatrische Fachkrankenhäuser stark zugenommen. Da die intensive therapeutische Beziehung neben der medikamentösen Behandlung und der Schaffung eines beschützenden Rahmens ein wesentlicher Bestandteil der stationären Suizidprävention ist, ist ein zahlenmäßig ausreichendes und gut qualifiziertes Personal unverzichtbar. "Werden die in der Psychiatrie-Personalverordnung aufgestellten Mindestnormen aufgegeben, könnte dies meines Erachtens wieder zu mehr Patientensuiziden führen", befürchtet Prof. Wolfersdorf.

Weiterführende Informationen:
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/3408/
http://www.kompetenznetz-depression.de
http://www.buendnis-depression.de
http://www.dgppn.de

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 20.12.2002


 

Neues Programm gegen Suizid

Wernheim (ddp). Mit einem neuen Programm will die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention die Zahl von Suiziden und Suizidversuchen langfristig verringern. Nach einem Bericht der Zeitschrift «Psychologie heute» (Ausgabe
3/2003) soll gleichzeitig die Einstellung zum Tabuthema Suizid in der Gesellschaft verändert werden. Der Vorsitzende der Initiativgruppe, Armin Schmidtke, sieht in dem Programm «einen längst überfälligen Anstoß zur Anerkennung der Suizidproblematik». Studien haben dem Bericht nach belegt, dass Menschen in den Wochen vor ihrem Suizid häufiger zum Arzt gingen, dass der jedoch die Suizidgefahr nicht erkenne.

In Deutschland nehmen sich nach Angaben der Zeitschrift jährlich 11 000 bis 13 000 Menschen das Leben. Im Jahr 2000 waren es über 8000 Männer und fast 3000 Frauen. Über 100 000 Menschen versuchen Schätzungen zufolge, Suizid zu begehen. Dabei steigt mit zunehmendem Alter die Suizidhäufigkeit: Fast jede zweite Frau, die sich das Leben nimmt, ist über 60 Jahre alt. http://www.suizidprophylaxe.de

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 20.02.2003


Suizid von Prominenten führt häufig zu Nachahmung

London (ddp). Der Suizid einer berühmten Persönlichkeit aus Politik oder Unterhaltung führt deutlich häufiger zu einem Nachahmungseffekt als die Selbsttötung eines unbekannten Menschen, über den die Medien berichten. Zu diesem Schluss kommt Simon Stack von der Universität in Detroit in der Fachzeitschrift "Journal of Epidemiology and Community Health" (Bd. 57, S. 238). Der Kriminalrechtler hatte fast 300 Befunde aus 42 bereits veröffentlichten Studien ausgewertet.

Zu den prominentesten Beispielen dieses Nachahmungseffekts gehört der noch immer umstrittene Tod von Marilyn Monroe im August 1962: Im folgenden Monat stieg die Suizidrate um zwölf Prozent an. Angesichts solch einer trotz Ruhm und Erfolg gescheiterten Persönlichkeit zweifelten viele Menschen in schweren Lebenskrisen erst recht an ihrer eigenen Fähigkeit zum Weiterleben, erklärt Stack den Effekt.

Doch auch Medienberichte über Suizide unbekannter Menschen können zur Nachahmung verleiten, fand Stack heraus. Das Fernsehen wirkt sich dabei weniger aus als die Printmedien. Dies könne daran liegen, dass Zeitungen über die Selbsttötung detaillierter berichteten und dass sie aufgehoben und erneut gelesen werden können, nimmt der Kriminalwissenschaftler an. Erste Studien in Österreich und der Schweiz hätten jedoch auch gezeigt, dass die Zahl der Nachahmungstaten reduziert werden kann, wenn die Medien sich an bestimmte Richtlinien halten, schreibt Stack. Diese Richtlinien betreffen die Häufigkeit und die Art, mit denen über Suizide berichtet wird.

Quelle: Lichtblick-newsletter.devom 21.03.2003


Psychiater warnen vor Suizidforen im Internet

München (ddp). Suizidforen im Internet können nach Expertenmeinung einen gefährlichen Nachahmungseffekt haben. Häufig würden in solchen Foren Gedanken niedergeschrieben, die zwar nicht so gemeint seien, bei den anderen Nutzern jedoch schlimme Effekte hervorrufen können, sagte Professor Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. In diesen hauptsächlich anonymen Internetforen diskutieren Suizidgefährdete offen über ihre Todeswünsche und Suizidpläne. Die Zahl dieser Foren sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen, erklärte Hegerl. Weltweit schätzen die Experten die Zahl solcher Suizidforen auf 100 000, in Deutschland vermuten sie etwa 30. Die Einrichtung solcher Formen erfolge meist anonym und häufig vom Ausland aus. Im Internet suchten die Gefährdeten nicht nur mögliche Hilfsorganisationen oder tauschten sich über medikamentöse Behandlungen oder Therapiefortschritte aus, sondern fühlten sich im Schutze der Anonymität auch animiert, offen über die Todeswünsche zu sprechen. Etwa 12 000 Suizidopfer werden in Deutschland durchschnittlich im Jahr registriert, im Jahr 2000 sei es allein in Bayern zu 1950 Selbstmorden gekommen. http://www.kompetenznetz-depression.de
http://www.psynet-congress.de


Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 03.05.2003


Berlin: Seminare für Trauernde nach Suizid

(pm). Nach dem Suizid eines vertrauten Menschen wird das Leben der Zurückbleibenden oft zu einem mühsamen Kampf um den eigenen Lebenswillen. Schuldzuweisungen von aussen, eigene Schuldgefühle, das Bewusstsein von Ohnmacht und Wertlosigkeit, grausame Vorstellungen vom Sterben selbst und die Tabuisierung der Todesursache Suizid können den Trauerprozess erheblich erschweren. In dem Wochenendseminar werden wir in einem geschützten Rahmen neuen Lebensmut und neue Perspektiven entwickeln können. Gesprächsrunde und kreative Gestaltungsangebote beschäftigen sich mit bestimmten Aspekten des Trauerprozesses, z.B. dem Umgang mit Erinnerungen und Jahrestagen, mit Schuldgefühlen oder mit Wegen, die Tote / den Toten gehen zu lassen. Teilnehmen können Trauernde nach einem Suizid, dabei ist es unerheblich, wie lange dieser zurückliegt. Innerhalb der ersten drei Monate nach dem Tod bitte vor der Anmeldung mit der Referentin Kontakt aufnehmen: Chris Paul, Trauerbegleiterin und Autorin des Buches "Warum hast du uns das angetan?"
E-Mail: chrpaul@aol.com Anmeldung: Berliner Selbsthilfe-Zentrum Neukölln-Rixdorf, Tel. 030 - 681 60 64, Einführungsseminar: 14. bis 16.11.2003 (Fr. 17.30 – So. 14.00 Uhr, Gebühren 60 Euro)

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 13.10.2003


Alle vier Minuten ein Suizidversuch

Hamburg (ddp). Alle 47 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben. Statistisch alle vier Minuten gibt es einen Suizidversuch. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Therapiezentrums für Suizidgefährdete (TZS) im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hervor. "Selbstmord ist ein in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich unterschätztes Problem", sagte der stellvertretende TZS-Leiter, Georg Fiedler, bei der Vorstellung der Ergebnisse in Hamburg.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts starben 2001 in Deutschland 11 156 Menschen durch Suizid - mehr als durch Verkehrsunfälle, Aids, Drogen und Gewalttaten zusammen. Mit der Dunkelziffer liegt die Zahl der Suizide laut Fiedler mindestens 25 Prozent höher. Die Zahl der Suizidversuche schätzt der Experte auf weit mehr als 100 000.

Besonders ältere Menschen sind der Studie zufolge gefährdet. "Je älter man wird, desto höher ist das Suizidrisiko", sagte Fiedler. Jede zweite Frau und jeder dritte Mann, die sich das Leben nehmen, seien älter als 60 Jahre.

"Wir wissen weltweit mehr über Suizid von Menschen in mittlerem Alter als von Personen ab 60 Jahren", sagte TZS-Leiter Paul Götze. Daher startet das TZS ein Forschungsprojekt zur Erfassung der inneren Welt und Lebenssituation suizidgefährdeter älterer Menschen. Laut Götze suchen ältere Menschen nur selten Hilfe in Therapiezentren. Außerdem seien sie häufig krank, eingeschränkt beweglich und weniger im sozialen Leben integriert.

Das TZS behandelt akut suizidgefährdete Menschen. Sie erhalten eine drei- bis neunmonatige Psychotherapie. Seit Gründung des TZS vor zwölf Jahren wurden bereits mehr als 3000 Patienten behandelt und etwa 1000 telefonische Kriseninterventionen vorgenommen.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 09.11..2003



Studie: Suizidversuche bei Homosexuellen häufiger

Salzburg (dpa) - Selbstmordversuche sind einer Untersuchung zufolge bei Homosexuellen häufiger als bei Heterosexuellen. Fast jeder dritte Versuch, sich das Leben zu nehmen, betrifft in Österreich einen Menschen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung. Im Vergleich zu Heterosexuellen sei die Zahl der Selbstmordversuche damit sieben Mal höher, schreibt Martin Pöderl von der Universität Salzburg in einer am Dienstag vorgestellten Studie. Als Grund nannte Pöderl den oft mangelnden Rückhalt Homosexueller durch das Elternhaus. 30 Prozent der Väter und 20 Prozent der Mütter hätten zum Zeitpunkt der Befragung eine negative Einstellung zur Homosexualität ihres Kindes gehabt. Oft hätten die Befragten selbst eine schwierige Einstellung zu ihrer Homosexualität. Sie neigten aus diesen Gründen weit stärker zu Hoffnungslosigkeit und Depressionen. Plöderl hatte 358 schwule, lesbische oder bisexuelle erwachsene Österreicher befragt. Ähnliche Ergebnisse hatte auch bereits eine Befragung jugendlicher Homo- und Bisexueller für die Berliner Senatsverwaltung für Jugend und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erbracht. (Internet: Auszüge aus der Studie: www.online-club.de/~rp10524/abstract2004/ploederl-d.htm)

Quelle: Netdoktor.de vom 28.04.2004



"Suizide im Netz angezettelt"
von Ingrid Müller


Suizid-Foren im Netz betreiben ein Spiel mit dem Tod. Die einen reizt der Tabubruch, für andere ist es tödlicher Ernst. Professionelle Hilfe? Fehlanzeige

Suizid-Foren im Web: Spiel mit dem Tod

Todeswünsche, Suizidpläne, Bezugsquellen für Waffen, Pillen, Gifte, letzte Gedanken, virtuelle Anschlagbretter für Abschiedsbriefe. Einer sucht "eine Partnerin für den gemeinsamen Abgang", ein anderer fragt nach einer "schmerzlosen Variante, die wie ein Unfall aussieht" - für die Versicherung. Auf der homepage das Schwarz-Weiß-Bild einer Frau, die übers Brückengeländer auf dem Weg nach unten ist. "Suizid-Foren im Internet können für psychisch labile Menschen gefährlich werden", warnt der Psychiater Patrick Bussfeld von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München auf einer Pressekonferenz. Mehr als 30 solcher Foren gebe es mittlerweile in Deutschland, schätzt Bussfeld, weltweit seien es sogar mehrere Tausend. Gefährlich, weil dahinter eine Subkultur steckt, der Austausch in den Foren im Verborgenen und abgeschirmt stattfindet, weil der Suizid verherrlicht wird und professionelle Hilfe Fehlanzeige ist. Gefährlich auch, weil es für manche nur ein Spaß ist - die Anleitung zum Suizid. Weil sie der Tabubruch reizt und sie keine Ahnung haben, dass es für andere tödlicher Ernst sein kann. "Mit dem Tod wird gespielt", kritisiert Ulrich Hegerl, Professor an der Psychiatrischen Klinik der LMU München.

Ankündigung übers Web

In Deutschland beenden jährlich rund 12.000 Menschen ihr Leben selbst. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes tun es mehr Männer als Frauen, in den neuen Bundesländern mehr als in den alten. Suizid-Versuche wurden dagegen rund zehnmal so viele registriert. Und hier sind es mehr Frauen als Männer. Als besonders gefährdet gelten depressive, alkoholkranke, drogen- und medikamentenabhängige, alte und einsame Menschen, berichtet die Forschungsgruppe Suizidalität und Psychotherapie am Universitätsklinkum Hamburg Eppendorf.

Welche Rolle das Internet beim Suizid spielt, ist schwer zu sagen. Aber im Jahr 2000 wurden zumindest "zwölf Suizide im Internet angekündigt und angezettelt", weiß Bussfeld. Eine kleine Zahl zwar, aber "jeder Suizid ist einer zuviel", betont er. Wie der 24-jährige Norweger Daniel und Eva, 17, aus Österreich, die sich über das Internet zum gemeinsamen Freitod verabredet hatten.

Nachahmungs-Effekt

Es gibt keine genauen Zahlen, wer eigentlich die Nutzer der Suizid-Foren sind. Klar ist, dass das Internet nach wie ein Medium der Jüngeren ist. Wie eine Studie von ARD/ZDF-Online 2001 zeigte, sind die 14- bis 19-Jährigen am stärksten im Netz vertreten. Und junge Leute, die z.B. in einer Krise stecken oder unter psychiatrischen Erkrankungen leiden, sind vermutlich auch die häufigsten Nutzer der Suizid-Foren. Etwa 800 Suizidopfer in Deutschland sind jünger als 25.

Auch der Nachahmungs-Effekt sei nicht zu unterschätzen, erklärt der Psychologe David Althaus. "Die Gefahr ist im Internet besonders groß." Für manche habe die Anleitung zum Suizid Modellcharakter und bringe schließlich "das Fass zum Überlaufen." Eine rechtliche Handhabe, um gegen die Betreiber solcher Suizid-Foren vorzugehen, gibt es derzeit nicht. In Deutschland sei dies noch juristisches Neuland, sagt Hegerl. Die Server stehen in Rumänien oder Georgien, die Foren sind schwer zu finden. "Glücklicherweise", meint Bussfeld.

"Freitod nur in der Belletristik"

Einen Suizid zu verhindern ist schon in der Realität schwierig, im Internet ist es fast unmöglich. Auch deshalb, weil die meisten anonym im Web surfen, "nicknames" benutzen und nicht zu identifizieren sind. "Wir können zwar sagen, dass jemand Probleme hat", erklärt Bussfeld, "aber nicht, ob jemand suizidgefährdet ist."

Dennoch ist das Internet im Bereich der Psychiatrie wichtig geworden. Laut einer Umfrage unter 600 Patienten nutzen 40 Prozent regelmäßig professionelle Hilfsangebote, rund 23 Prozent gaben an, davon profitiert zu haben. Das Kompetenznetz Depression beispielsweise beschäftigt einen Facharzt, der die Diskussionsforen moderiert. Ist jemand nach Einschätzung von Experten tatsächlich suizidgefährdet, schicken sie Ratschläge per E-mail, stellen den Kontakt zu einem Arzt her oder versuchen, über die Polizei Kontakt mit den Betroffenen aufzunehmen. Hegerl fordert: "Diese Angebote müssen ausgebaut werden." Denn in 90 Prozent aller Fälle sei der Suizid überhaupt keine freie Entscheidung, sondern dahinter steckten ernsthafte psychiatrische Erkrankungen wie eine Sucht oder Depression. "Den Freitod", sagt Hegerl, "den gibt es nur in der Belletristik."

Quelle: Netdoktor.de vom 06.09.2004 von Ingrid Müller


Selbstmord: Sehr häufige Todesursache bei Jugendlichen

Berlin (dpa) - Selbstmord ist eine der häufigsten Todesursachen bei Jugendlichen in Deutschland. Durch Suizid sterben bundesweit fast so viele junge Menschen wie im Straßenverkehr, teilte der Verein «Hilfen für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche» am Mittwoch in Berlin mit. Allein in Berlin kamen im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Landesamtes rund 500 Menschen durch Suizid ums Leben, darunter rund 40 Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren. Die Zahl der Selbstmordversuche junger Menschen schätzt der Verein 20 bis 30 Mal höher ein. «Suizid bei Kindern und Jugendlichen ist ein unterschätztes Problem», sagt Michael Witte, Geschäftsführer der deutschen Gesellschaft für Suchtprävention. Gründe für die Selbsttötung junger Menschen seien sowohl negative Lebenserfahrungen wie Gewalt oder sexueller Missbrauch als auch Belastungen wie Liebeskummer oder Schulversagen. «Suizidgedanken sind immer Ausdruck eines schwerwiegenden Problems», erläuterte Psychologin Monika Schnell. Ein Selbstmordversuch solle oft ausdrücken, was sich mit Worten nicht mehr sagen ließe. In Deutschland starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2002 rund 11 000 Menschen durch Suizid. Das seien mehr Todesfälle als durch Aids, Verkehrunfälle und Tötungsdelikte zusammen, ergänzte Witte. In Berlin bietet die Beratungsstelle «Neuhland» Krisenhilfe und Prävention für selbstmordgefährdete junge Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den 10. September als «World Suicide Prevention Day» ausgerufen. (Internet: www.neuhland.de)

Quelle: Netdoktor.de vom 09.09.2004


Selbstmord: Alle 47 Minuten ein Fall in Deutschland

Berlin/Genf (dpa) - In Deutschland nimmt sich alle 47 Minuten ein Mensch das Leben. Im Jahr 2002 habe es 11 163 Selbsttötungen gegeben, sagte der Vorsitzende der Initiativgruppe «Nationales Suizid- Präventions-Programm», Armin Schmidtke, am Donnerstag in Berlin anlässlich des internationalen Tages zur Verhinderung von Suizid (10. September). Weltweit sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund eine Million Menschen jährlich durch Selbsttötung - mehr als durch Krieg und Mord zusammen. Am meisten Selbstmorde verzeichnet die WHO in Osteuropa. Am niedrigsten sei die Suizidrate in Südamerika und den islamischen Ländern. Deutschland liege mit der Gesamtzahl der jährlichen Suizide etwas unter dem europäischen Durchschnitt, sagte Schmidtke. Innerhalb des Landes gebe es große regionale Unterschiede. So stehen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen von den Flächenstaaten bei der Zahl männlicher Selbstmorde an der Spitze. Nordrhein-Westfalen, Saarland und Berlin finden sich am unteren Ende der Skala. In der Geschlechter-Verteilung bringen sich WHO-Angaben zufolge mehr Männer als Frauen um. In Deutschland waren es 2002 rund 8 100 Männer und 3 000 Frauen. Jedoch unternehmen mehr Frauen einen Selbstmordversuch. Die Selbstmordrate steigt weltweit mit zunehmendem Alter. Diese Tatsachen spiegelt auch die deutsche Realität: Nach Daten des Suizid- Präventions-Programm waren 2002 rund 37 Prozent aller männlichen Selbstmordtoten in Deutschland älter als 60 Jahre. Hingegen mache diese Altersgruppe nur etwa 21 Prozent aller in Deutschland lebenden Männer aus. Rund 51 Prozent aller Selbstmörderinnen seien älter als 60 Jahre, obwohl der Anteil dieser Altersgruppe an der weiblichen Gesamtbevölkerung lediglich rund 28 Prozent betrage. Als alarmierend bezeichnete die WHO die Zunahme von Selbsttötungen unter jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. In Deutschland verüben die 15- bis 24-Jährigen 16 Prozent aller Selbsttötungen. Damit sei Suizid in Deutschland die zweithäufigste Todesursache unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, berichtete der Verein «Hilfen für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche» am Mittwoch. Durch Suizid sterben demnach bundesweit fast so viele junge Menschen wie im Straßenverkehr. «Die WHO hält Suizid für ein großes, weltweites aber meist vermeidbares Problem», erklärte die UN-Organisation in Genf. Häufige Beweggründe für Selbsttötungen seien Armut, Arbeitslosigkeit, den Verlust eines nahe stehenden Menschen, Streit sowie Probleme am Arbeitsplatz oder mit der Justiz. Auch Suizidfälle in der Verwandtschaft, Alkohol- und Drogenmissbrauch, sexueller Missbrauch in der Kindheit, Vereinsamung und Krankheiten wie Depressionen oder Schizophrenie spielten eine Rolle. Zu den Faktoren, die vor Suizid schützen, zählt die WHO die eigene Wertschätzung der Menschen und soziale Beziehungen. Die Früherkennung von psychischen Störungen sowie deren angemessene Behandlung sei die wichtigste Präventionsstrategie. Viele Untersuchungen zeigten, dass in den vier Wochen vor dem Suizid Patienten häufiger als sonst ihren Hausarzt aufsuchten, die Neigung zur Selbsttötung aber nicht erkannt werde, sagte Schmidtke. Aufklärungs- und Schulungskampagnen führen zu einer deutlichen Verringerung von Selbstmorden und Selbstmordversuchen.

Quelle: Netdoktor.de vom 10.09.2004


Antidepressiva: Beschleuniger für Suizidgefahr bei Kindern

Washington (dpa) - Die US-Gesundheitsbehörde FDA sieht bei der Einnahme von Medikamenten gegen Depressionen eine erhöhte Selbstmordgefahr bei Kindern und Jugendlichen. FDA-Mitglied Thomas Laughren sagte am Dienstag (Ortszeit), klinische Studien zu neun der neuesten Antidepressiva hätten gezeigt, dass damit behandelte Kinder häufiger Selbstmordgedanken oder -versuche hätten. Nach Laughrens Einschätzung tritt die erhöhte Selbstmordgefahr bei 2 bis 3 von 100 mit Antidepressiva behandelten Kindern und Jugendlichen auf.

Quelle: Netdoktor.de vom 16.09.2004


Selbstmord: Kleine Schmerzmittelpackungen senken Rate

London (dpa) - Seit frei zugängliche Schmerzmittel in Großbritannien in kleineren Packungen verkauft werden müssen, ist die Zahl der Selbstmorde durch solche Medikamente dort um fast ein Viertel gesunken. Nach einer im «British Medical Journal» veröffentlichten Studie gab es seit einer entsprechenden Gesetzesänderung vor sechs Jahren deutlich weniger Fälle von Überdosen. Dadurch sei auch die Zahl der Lebervergiftungen und der dadurch notwendigen Lebertransplantationen um rund 30 Prozent gefallen, berichtete das Fachblatt am Freitag in London. 1998 hatte die britische Regierung ein Gesetz erlassen, das den Verkauf von Schmerzmitteln einschränkte. So darf ein Händler solche Medikamente nur noch in begrenzten Mengen pro Kunde verkaufen. Zwar könne das Gesetz suizidgefährdete Menschen nicht davon abhalten, sich größere Mengen Schmerzmittel bei verschiedenen Händlern zu beschaffen. Häufig würden Überdosen aber spontan eingenommen und Patienten griffen zu Tabletten, die sie ohnehin zu Hause gelagert hätten, heißt es in dem Bericht. Solche Selbsttötungsversuche könnten durch die kleineren Packungsgrößen zum Teil verhindert werden.

Quelle: Netdoktor.de vom 30.10.2004


EU-Kommissar: Mehr Aufmerksamkeit für psychische Gesundheit

(naps/eu). In der EU sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle oder Mord. Angesichts dieser erschreckenden Zahlen bezeichnet der EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou die Förderung der seelischen Gesundheit als eine seiner Prioritäten. Laut einer von der Kommission zitierten Studie der WHO sterben etwa 58 000 Menschen in der EU durch Suizid. Dem stehen etwa 50 700 Todesfälle pro Jahr durch Verkehrsunfälle und etwa 5 350 durch Mord oder Totschlag gegenüber. In einer Pressemitteilung erklärte Markos Kyprianou hierzu: "Dennoch widmet man der psychischen Gesundheit erstaunlich wenig Aufmerksamkeit - man könnte sagen, dass psychische Erkrankungen Europas unsichtbare Todesursachen sind. Ich bin fest entschlossen, dies zu ändern.” Seelische Gesundheit ist einer der Schwerpunkte des Aktionsprogramms der EU im Bereich der öffentlichen Gesundheit 2003 - 2008. Die Gemeinschaft finanziert im Rahmen dieses Programms eine Reihe von Projekten, die zum Verständnis der Ursachen psychischer Erkrankungen und zur Prävention beitragen sollen. Über diese Projekte informiert die neue Broschüre "Action for Mental Health". Außerdem veröffentlichte die Kommission Berichte über den Stand der psychischen Gesundheit und Depressionsbekämpfung in der EU.

Dazu auch: Europäische Ministerielle WHO-Konferenz "Psychische Gesundheit:
Herausforderungen annehmen, Lösungen schaffen"
http://www.euro.who.int/mentalhealth2005?language=German  

Aktuelle EU-Nachrichten zum Thema:
http://www.euractiv.com/Section?idNum=3750616

Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr. 152 vom 26.01.2005



Empfehlungen zur Medienberichterstattung über Suizid


(pm). Nach den jüngsten Suiziden Prominenter weist das Kompetenznetz Depression, Suizidalität auf die besondere Verantwortung der Medien hin, die diese durch die Art und Weise ihrer Berichterstattung innehaben. Bestimmte Formen von Meldungen, Artikeln und Headlines in den Medien können weitere Suizide als Nachahmungstaten hervorrufen - der so genannte "Werther-Effekt"
gilt in der Wissenschaft als gesichert.

Das Kompetenznetz Depression, Suizidalität hat Empfehlungen zur Berichterstattung in den Medien über Suizid herausgegeben. Die Nachahmungsgefahr beispielsweise sinkt, wenn der Suizid als Folge einer Erkrankung (z.B. Depression) dargestellt wird, die erfolgreich hätte behandelt werden können; alternative Problemlösungen und Fälle von Krisenbewältigung aufgezeigt werden; Helplines und Hilfekontakte angegeben werden; Expertenmeinungen eingeholt werden; Hintergrundinformation zum Krankheitsbild Depression gegeben werden und über die Arbeit professioneller Helfer berichtet wird.

Ein spezieller Medien-Guide liefert weitere Informationen und Empfehlungen:
http://www.kompetenznetz-depression.de (Rubrik PRESSE)


Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr. 173 vom 11.11.2005



Suizide: Experten fordern verstärkte Prävention


Berlin (ddp). Mediziner und Psychologen haben größere Anstrengungen zur Vorbeugung von Selbsttötungen gefordert. Es gebe in Deutschland nach wie vor «weit mehr Tote durch Suizide als durch Verkehrsunfälle», sagte Elmar Etzersdorfer, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS), am Freitag in Berlin. Zwar ist die Zahl der Todesopfer durch Suizide laut DGS seit einigen Jahren rückläufig. Vor dem Hintergrund einer möglicherweise steigenden Arbeitslosigkeit in Zeiten der Wirtschaftskrise seien aber verstärkte Präventionsbemühungen notwendig, da die Zahl der Selbsttötungen während ökonomischer Umwälzungen häufig ansteige.

Nach DGS-Angaben tötet sich in Deutschland rein statistisch alle 47 Minuten ein Mensch selbst. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes starben im vergangenen Jahr 9331 Menschen durch Selbsttötungen, 2007 waren es 9402 Personen. Die Zahl der Suizidversuche liegt nach DGS-Schätzungen bei etwa 100.000 pro Jahr. Zu den Risikogruppen gehörten unter anderem psychisch Kranke mit Depressionen, junge Frauen mit Migrationshintergrund sowie ältere Menschen. Zudem brächten sich Männer rund drei Mal häufiger um als Frauen.

Nötig ist laut DGS unter anderem ein weiterer Ausbau des Netzes von Beratungsstellen und Krisendiensten, um Menschen mit Suizidabsichten möglichst früh Behandlungsmöglichkeiten anzubieten. In einigen Bundesländern gebe es keine spezifischen Beratungsangebote für Suizidgefährdete, kritisierte DGS-Geschäftsführer Michael Witte. Deshalb seien bundeseinheitliche Standards notwendig. Ein weiterer wichtiger Punkt zur Vorbeugung von Suiziden sei zudem eine zurückhaltende Medienberichterstattung über Selbsttötungen, um Nachahmungstaten zu verhindern. Außerdem habe die eingeschränkte Zugänglichkeit bestimmter Medikamente und Waffen eine vorbeugende Wirkung.

Quelle: Netdoktor.de vom 25.09.2009

 



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Zuletzt geändert am: 09.12.2009