| Nebeneffekt:
Weniger Selbstmorde wegen Katalysator
Berlin
– Katalysatoren nutzen nicht nur der Umwelt, sie sorgen auch dafür,
dass weniger Selbstmorde begangen werden. Nach einem Bericht der
Tageszeitung "Die Welt" konnten der Forscher der Universität
Atlanta nun feststellen, dass sich die Suizide durch Kohlenmonoxid-Abgase
der Autos in den USA seit 1975 halbiert haben. Statistisch bedeutet
dies, dass sich von einer Millionen Bürgern fünf mit Autoabgasen
umbringen, vor 25 Jahren waren es noch zehn. Nach Meinung der Wissenschaftler
hängt diese Phänomen mit der Entwicklung der Katalysatoren zusammen.
Der Kat reduziert den Ausstoß giftiger Gase wie Kohlenmonoxid nachhaltig.
Deswegen eignen sich diese Fahrzeuge nicht mehr für einen Selbstmord.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 10.09.2002
Nach
Suizidversuch bleibt das Risiko
London
(ddp). Nach einem Suizidversuch nimmt in den folgenden Jahren das
Risiko eines erneuten Suizids nicht ab. Die Rate weiterer Versuche
scheint sogar leicht zu steigen. Das berichten britische Psychologen
im "British Medical Journal" (Bd. 325, S. 1155). In ihrer
Studie hatten die Forscher das Schicksal zahlreicher Briten verfolgt,
die sich in den 70er Jahren das Leben nehmen wollten. Aus den gewonnenen
Daten errechneten die Wissenschaftler, dass von tausend Menschen
nach einem Suizidversuch jedes Jahr etwa sechs erneut versuchen,
sich das Leben zu nehmen. Diese Rate steigt sogar etwas an, so dass
nach zwei Jahrzehnten innerhalb eines Jahres etwa 7 von 1000 Betroffenen
erneut Hand an sich legen. Die Forscher raten daher dazu, nicht
auf die Einsicht der Gefährdeten zu hoffen. Statt dessen empfehlen
sie, das Leben
der Betroffenen durch eine intensive und weitsichtige Betreuung
zu schützen.
Quelle: Lichtblick-newsletter.devom
18.11.2002
Experten:
Selbstmordzahlen bei Jugendlichen "erschreckend konstant"
Düsseldorf
(dpa) - Die Zahl der Selbstmorde von Kindern und Jugendlichen in
Deutschland ist nach Expertenangaben langfristig "erschreckend
konstant". Wenn es auch aktuell seit den 70er Jahren einen
leichten Rückgang gebe, kämen Untersuchungen über
mehrere Generationen hinweg zu annähernd gleichen Zahlen, sagte
der Würzburger Jugendpsychiater Prof. Gerhardt Nissen am Mittwoch
auf dem Kongress der Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf. Von
den über 11 000 Suizid-Toten im Jahr 2000 seien 33 Kinder 10
bis 14 Jahre alt gewesen, 272 Jugendliche 15 bis 19 Jahre. Grundsätzlich
schwankten die ermittelten Zahlen über die Jahre hinweg sehr
stark. Nach Einschätzung Nissens "muss jeder, auch ein
spielerisch angelegter Selbstmordversuch" bei Kindern und Jugendlichen
als ernstes Notsignal angesehen werden. Wegen der "dynamischen
und diskontinuierlichen Entwicklung" junger Menschen sei das
Selbstmordrisiko bei ihnen viel schwerer einschätzbar als bei
Erwachsenen, erklärte der Jugendpsychiater. Rund 80 Prozent
der jungen Selbstmörder stammten aus "chaotischen häuslichen
Verhältnissen" mit zu wenig Geborgenheit und Zuwendung,
sagte Nissen. Leichte Irritierbarkeit, Kritik-Überempfindlichkeit,
Impulsivität, eingeschränkte Kommunikation und Perfektionsdrang
gehören nach Angaben des Psychiaters zu den warnenden Charaktereigenschaften
Selbstmord gefährdeter junger Menschen. Eine weitere Ursache
für den Freitod in ganz jungen Jahren bestehe offenbar darin,
dass erst ab etwa 12 Jahren die Erkenntnis reife, "dass der
Tod endgültig ist". Seelische Erkrankungen seien bei jungen
Menschen nicht so deutlich als Selbstmordgrund auszumachen wie bei
Erwachsenen.
Quelle: Netdoktor.de
vom 21.11.2002
Programm
für mehr Prävention soll Suizidrate senken
Von
Christine Xuân Müller
Berlin
(ddp). Mit dem bisher größten Suizidpräventionsprogramm
machen sich 30 Institutionen und Organisationen in Deutschland für
die Senkung der Suizidrate stark. Eine groß angelegte Aufklärungskampagne
soll helfen, die Zahl der Suizidfälle um 20 bis 40 Prozent
zu senken. Mehr als 11 000 Bundesbürger nehmen sich jährlich
das Leben. Die Anzahl der Suizidversuche werde auf über 100
000 pro Jahr geschätzt, sagte der Initiator des Programms,
Professor Armin Schmidtke von der Universität Würzburg,
am Dienstag in Berlin.
So sollen
unter anderem die Medien davon überzeugt werden, weniger "verherrlichend"
über Selbstmorde zu berichten. Schmidtke verwies auf das Beispiel
des Musikers Kurt Cobain, der sich 1994 tötete. Durch schnelle
aufklärende Berichterstattung sei damals die Nachahmerquote
geringer als befürchtet ausgefallen.
Die Initiatoren
wollen außerdem erreichen, dass die Deutsche Bahn Zäune
an den Strecken errichtet, damit suizidgefährdete Menschen
nicht die Gleise betreten können. Außerdem sollen Loks
mit hellen Scheinwerfern ausgestattet werden. "Suizidale stehen
nicht gerne im Licht", begründete Schmidtke den Vorstoß.
Angedacht
ist auch - wie etwa in den USA - an Brücken Schilder anzubringen
mit Aufschriften wie: "Wenn Sie überlegen sich umzubringen,
rufen Sie vorher diese Nummer an ....!" Bestimmte Medikamente
sollen nur noch in kleineren Packungsgrößen verkauft
werden. Und in Schulen seien Ausbildungs- und Aufklärungsprogramme
für Lehrer geplant, mit denen sie besser erkennen können,
ob ein Schüler suizidgefährdet ist und interveniert werden
muss. "Viele Pädagogen wundern sich, wenn bei einem Jugendlichen
plötzlich die Schulleistungen rapide abfallen - sie fragen
aber nicht nach den Gründen", sagte Schmidtke.
Statistisch
gesehen kommt es in Deutschland alle 45 Minuten zu einem Suizid
und alle 4 Minuten zu einem Selbstmordversuch. Suizidversuche kommen
bei jungen Frauen dreimal so häufig vor wie bei jungen Männern.
Bei den Selbstmorden ist das Verhältnis umgekehrt. So starben
im Jahr 2000 im Bundesgebiet 8131 Männer und 2934 Frauen durch
Selbsttötung.
Bei Jugendlichen
zwischen 15 und 20 Jahren ist Selbstmord nach Autounfällen
die zweithäufigste Todesursache. Psychische Krankheiten seien
der häufigste Grund für Selbstmord, sagte Schmidtke. Zudem
komme es in sozial schwächeren Gruppen häufiger zum Freitod.
Zwischen
den Bundesländern gibt es beträchtliche Unterschiede.
So hatte Sachsen im Jahre 1999 die höchste Suizidrate mit 18
Toten auf 100 000 Einwohner, das Saarland hatte mit 9,2 die niedrigste
Quote. Nach Sachsen folgten Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hamburg,
Bayern, Brandenburg, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin,
Bremen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern
und Nordrhein-Westfalen.
An dem
"Nationalem Suizidpräventionsprogramm" beteiligen
sie unter anderen das Bundesgesundheitsministerium, der Bundestagsausschuss
für Gesundheit und Soziale Sicherung, die Deutsche Gesellschaft
für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)
sowie Fachgesellschaften, Psychiatrische Krankenhäuser und
die Spitzenverbände der Krankenkassen.
Quelle:
Lichtblick-newsletter.devom
26.11.2002
Suizidforen
im Internet: Mehr Abschreckung als Ansporn
Berlin
(dpa) - Ob Ankündigung des eigenen Todes im Internet oder die
Diskussion über die effektivste Methode des Selbstmords: Im
Internet haben Suizidgefährdete seit Jahren eine Möglichkeit,
anonym miteinander zu reden. Angesichts von mehr als 11.000 Selbstmördern
jährlich in Deutschland beschäftigte sich der derzeit
in Berlin stattfindende Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft
für Psychiatrie mit der Frage, ob die Internetforen eine Gefahr
für jüngere Nutzer darstellen. Nach Ansicht von Armin
Schmidtke von der Universität Würzburg kann der anonyme
Austausch auch eine emotionale Entlastung oder gar eine Abschreckung
sein. Für Aufsehen sorgte ein Doppelsuizid eines Norwegers
und einer Österreicherin, die in Norwegen von einem Felsen
sprangen. Sie hatten sich im Internet verabredet. Ein gemeinsamer
Sprung Jugendlicher vom Dortmunder Fernsehturm wurde im letzten
Moment von der Polizei verhindert. Laut Schmidtke ist es problematisch,
anhand derartiger Einzelfälle generelle Aussagen über
Suizidforen im weltweiten Netz zu treffen. Eine Gefahr gehe weniger
von der Selbstmordbotschaft, als vielmehr von den darauf gegebenen
Antworten aus. Einige Forenbetreiber lehnten jegliche Einmischung
ab, andere hingegen platzieren von sich aus Verknüpfungen zu
professionellen Hilfsangeboten, berichtete Schmidtke auf dem bis
Sonnabend dauernden Kongress. Ein lobenswertes Angebot sei das "Kompetenznetz
Depression und Suizidalität". Das von der Bundesregierung
geförderte Netz bietet neben Informationen ein Diskussionsforum
an. "Durch die fachärztliche Betreuung soll erreicht werden,
dass akut Gefährdete von der Notwendigkeit eines Arztbesuches
überzeugt werden ", sagte Ulrich Hegerl, Oberarzt an der
Universität München und Sprecher des Kompetenznetzes,
auf dem Kongress. Ein Hauptgrund für Selbstmord sind unbehandelte
Depressionen, sagte Hegerl. Andere Gründe seien Drogen- und
familiäre Probleme.
Spiel mit dem Tod: NetDoktor.de-Feature zu Suizidforen im Internet:
Quelle:
Netdoktor.de
vom 30.11.2002
Internet
und Suizidgefährdung
Berlin
(naps/rh). "Natürlich hält das Internet Informationen
bezüglich der Suizidprävention
bereit", erklärte Prof. Dr. Armin Schmidtke, stellvertretender
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention,
in einem Pressegespräch am Rande des DGPPN-Kongresses in Berlin.
Er verwies aber auch auf Angebote, die besonders für labile
Menschen Gefahren
bergen. So werden Tabellen und Rangreihen über die effektivsten
Suizidmethoden
angeboten, Foren und Orte vermittelt, die der Suizidpartnersuche
dienen.
Verabredung
zum Doppelsuizid
"Hätte der Schriftsteller Heinrich von Kleist bereits
die technischen Möglichkeiten gehabt, womöglich hätte
er Henriette Vogel über das Internet gefunden", beschrieb
Armin Schmidtke das heutige Ansteckungsphänomen. Ähnlich
wie bei den "alten" Medien können direkte Imitationseffekte
über das neue Medium erzeugt werden. Diskutiert wird, so Armin
Schmidtke, "ob das Internet sogenannte 'Suizidcluster' fördern
kann. Darunter versteht man eine Häufung von Suiziden oder
Suizidversuchen oder beidem innerhalb eines kurzen Zeitraumes und
in räumlicher Beziehung."
Zur Prüfung dieser Hypothese beobachtete Schmidtke und sein
Würzburger Team für den Zeitraum eines Jahres das Archiv
eines moderierten "Freitodforums". Dabei zeigen die Ergebnisse,
"dass die Verteilung der etwa 3000 in Chatrooms zu findenden
Postings mit der Suche nach Suizidpartnern nicht zufällig verteilt
ist." Das Hauptproblem: die "Verabredungscluster"
fungieren länderübergreifend. Als Spitze des Eisberges
dieser Anbahnungen nannte Armin Schmidtke einen 25-jährigen
Norweger, der über das Internet nach Gleichgesinnten fahndete.
Im Februar 2002 sprang er gemeinsam mit einer 17-jährigen Österreicherin
von einem Felsen in den Tod. Ein gemeinsamer Sprung Jugendlicher
vom Dortmunder Fernsehturm wurde im letzten Moment von der Polizei
verhindert. Ob bestimmte Personen bereits vorher an Suizid denken
oder erst der Kontakt mit solchen Foren dies begünstigt, werde
diskutiert, so Schmidtke. Sicher ist, bestimmte Inhalte und Antworten
in den Chatrooms können Emotionen verstärken, Einstellungen
verändern und Imitationseffekte auslösen. Zudem verdeutlichte
Armin Schmidtke, wie problematisch das selbst für "Profis"
sein kann: "Zwei meiner Mitarbeiter musste ich von dieser Aufgabe
abziehen:
Sie waren nach zwei Wochen zu stark emotional betroffen." Das
ist die belastende Seite. Doch gefährdet sind vor allem Jugendliche,
"da sie in den Foren viel Modelle finden, mit denen sie sich
leicht identifizieren können." Dazu zitierte Schmidtke
einen Forenbetreiber: "Die Jugendlichen geraten in einem Sumpf,
aus dem sie oft nicht wieder herauskommen." Besonderes Augenmerk
sollte daher auf die Motive und Beiträge der Betreiber solcher
Foren gelegt werden. Immerhin, einige Forenbetreiber platzieren
von sich aus Verweise zu professionellen Hilfsangeboten, berichtete
Schmidtke.
Auch
präventive Wirkung möglich
Laut
Prof. Schmidtke ist es aber problematisch, anhand von Einzelfällen
generelle
Aussagen über die Gefahr der Suizidforen zu treffen. Zudem
ist in der
bisherigen Berichterstattung über die Foren der Hinweis auf
eine mögliche
präventive Wirkung zu kurz gekommen: "Da Suizid noch immer
ein gesellschaftliches
Tabu darstellt, müssen Gefährdete, die sich im realen
Leben
persönlich offenbaren, mit Unverständnis und Stigmatisierung
rechnen. Der
anonyme Austausch von Suizidphantasien im Internet kann deshalb
eine emotionale
Entlastung sein." Inwieweit die Teilnahme an einer Onlinediskussion
dazu führen kann, dass sich der Betroffene irgendwann auch
professioneller
Hilfe zuwendet, ist allerdings noch nicht untersucht.
Kompetenznetz "Depression" bietet ein Internetforum
Eines
dieser Angebote ist das Kompetenznetz "Depression, Suizidalität",
ein bundesweites
Forschungsprojekt, zu dem sich unter anderem führende Forschungseinrichtungen
und Universitätskliniken, Bezirks- und Landeskrankenhäuser,
niedergelassene Ärzte und Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen
haben. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
geförderte Projekt bietet im Internet neben breiter Information
ein Diskussionsforum
für Betroffene an, das von professioneller Seite betreut
wird. Prof. Ulrich Hegerl, Sprecher des Kompetenznetzes "Depression,
Suizidalität"
und Oberarzt der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität
München, erklärte: "Auf diese Weise ist es möglich,
Betroffenen eine Kommunikationsplattform zur Verfügung zu stellen.
Durch
die fachärztliche Betreuung soll erreicht werden, dass akut
Suizidgefährdete
von der Notwendigkeit eines Arztbesuches überzeugt werden.
In Notfällen
wird über die Polizei versucht, akut gefährdeten Personen
Hilfe zu
bringen."
Risikogruppen kommen aus allen Altersschichten
Zu den
Gruppen mit einem erhöhten Risiko für eine Suizidgefährdung
zählen Menschen
mit psychischen Erkrankungen wie Depression, Alkoholsucht und Schizophrenie,
außerdem alte Menschen, die an Vereinsamung oder chronischen
Krankheiten
leiden. Auch junge Erwachsene und Jugendliche, die Drogen-, Familien-
und Ausbildungsprobleme haben oder sich in Entwicklungs- und Beziehungskrisen
befinden, sind suizidgefährdet. Menschen, die sich mit einschneidenden
Veränderungen wie Partnerverlust und Arbeitslosigkeit konfrontiert
sehen, können ebenso betroffen sein wie Menschen, deren Lebensqualität
durch chronische Schmerzen beeinträchtigt wird.Prof.
Manfred Wolfersdorf, Direktor der Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie
des Bezirkskrankenhauses Bayreuth, stellte fest: "Uns ist deutlich
geworden, dass Suizid meist nicht Ausdruck von Freiheit und Wahlmöglichkeit
ist, wie es der Begriff Freitod suggeriert. Statt dessen fühlt
sich der Suizidgefährdete durch objektive oder subjektiv erlebte
Notlagen
sowie psychische oder körperliche Erkrankungen eingeengt."
Aufklärungskampagne
hat Suizidrate gesenkt
Ein Hauptgrund
für die jährlich über 11.000 Suizide in Deutschland
sind unbehandelte Depressionen. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation
ist nicht Diabetes oder Herzinfarkt, sondern Depression die Volkskrankheit
Nr. 1 in den Industrieländern. Doch obwohl gute therapeutische
Möglichkeiten zur Verfügung stehen, erhalten nur zehn
Prozent aller Betroffenen in Deutschland eine Therapie, die dem
aktuellen Forschungsstand entspricht. "Eine verbesserte Versorgung
depressiver Patienten ist ein wichtiger Beitrag zur Suizidprävention",
so Prof. Hegerl. So gelang es dem Kompetenznetz "Depression,
Suizidalität" durch eine Informations- und Aufklärungskampagne
im Rahmen des "Nürnberger Bündnisses gegen Depression'',
die Rate an Suiziden und Suizidversuchen in Nürnberg deutlich
zu senken.
Suizidprävention
durch Depressionsstationen
Ein wirksamer
Ansatz für eine bessere Versorgung sind laut Prof. Wolfersdorf
so genannte
Depressionsstationen. Hier können schwer depressive Patienten
eine
familiäre Gemeinschaft bilden und gezielter betreut werden
als auf gemischten
Stationen. In den letzten Jahren hat die Gründung von Depressionsstationen
im Zuge der Patientenorientierung und Qualitätssicherung
sowie der ökonomischen Anforderungen an psychiatrische Fachkrankenhäuser
stark zugenommen. Da die intensive therapeutische Beziehung
neben der medikamentösen Behandlung und der Schaffung eines
beschützenden
Rahmens ein wesentlicher Bestandteil der stationären Suizidprävention
ist, ist ein zahlenmäßig ausreichendes und gut qualifiziertes
Personal unverzichtbar. "Werden die in der Psychiatrie-Personalverordnung
aufgestellten Mindestnormen aufgegeben, könnte
dies meines Erachtens wieder zu mehr Patientensuiziden führen",
befürchtet
Prof. Wolfersdorf.
Weiterführende
Informationen:
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/3408/
http://www.kompetenznetz-depression.de
http://www.buendnis-depression.de
http://www.dgppn.de
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 20.12.2002
Neues
Programm gegen Suizid
Wernheim (ddp).
Mit einem neuen Programm will die Deutsche Gesellschaft für
Suizidprävention die Zahl von Suiziden und Suizidversuchen
langfristig verringern. Nach einem Bericht der Zeitschrift «Psychologie
heute» (Ausgabe
3/2003) soll gleichzeitig die Einstellung zum Tabuthema Suizid in
der Gesellschaft verändert werden. Der Vorsitzende der Initiativgruppe,
Armin Schmidtke, sieht in dem Programm «einen längst
überfälligen Anstoß zur Anerkennung der Suizidproblematik».
Studien haben dem Bericht nach belegt, dass Menschen in den Wochen
vor ihrem Suizid häufiger zum Arzt gingen, dass der jedoch
die Suizidgefahr nicht erkenne.
In
Deutschland nehmen sich nach Angaben der Zeitschrift jährlich
11 000 bis 13 000 Menschen das Leben. Im Jahr 2000 waren es über
8000 Männer und fast 3000 Frauen. Über 100 000 Menschen
versuchen Schätzungen zufolge, Suizid zu begehen. Dabei steigt
mit zunehmendem Alter die Suizidhäufigkeit: Fast jede zweite
Frau, die sich das Leben nimmt, ist über 60 Jahre alt. http://www.suizidprophylaxe.de
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 20.02.2003
Suizid
von Prominenten führt häufig zu Nachahmung
London (ddp). Der Suizid einer berühmten Persönlichkeit
aus Politik oder Unterhaltung führt deutlich häufiger
zu einem Nachahmungseffekt als die Selbsttötung eines unbekannten
Menschen, über den die Medien berichten. Zu diesem Schluss
kommt Simon Stack von der Universität in Detroit in der Fachzeitschrift
"Journal of Epidemiology and Community Health" (Bd. 57,
S. 238). Der Kriminalrechtler hatte fast 300 Befunde aus 42 bereits
veröffentlichten Studien ausgewertet.
Zu
den prominentesten Beispielen dieses Nachahmungseffekts gehört
der noch immer umstrittene Tod von Marilyn Monroe im August 1962:
Im folgenden Monat stieg die Suizidrate um zwölf Prozent an.
Angesichts solch einer trotz Ruhm und Erfolg gescheiterten Persönlichkeit
zweifelten viele Menschen in schweren Lebenskrisen erst recht an
ihrer eigenen Fähigkeit zum Weiterleben, erklärt Stack
den Effekt.
Doch
auch Medienberichte über Suizide unbekannter Menschen können
zur Nachahmung verleiten, fand Stack heraus. Das Fernsehen wirkt
sich dabei weniger aus als die Printmedien. Dies könne daran
liegen, dass Zeitungen über die Selbsttötung detaillierter
berichteten und dass sie aufgehoben und erneut gelesen werden können,
nimmt der Kriminalwissenschaftler an. Erste Studien in Österreich
und der Schweiz hätten jedoch auch gezeigt, dass die Zahl der
Nachahmungstaten reduziert werden kann, wenn die Medien sich an
bestimmte Richtlinien halten, schreibt Stack. Diese Richtlinien
betreffen die Häufigkeit und die Art, mit denen über Suizide
berichtet wird.
Quelle:
Lichtblick-newsletter.devom
21.03.2003
Psychiater
warnen vor Suizidforen im Internet
München (ddp). Suizidforen im Internet können nach Expertenmeinung
einen gefährlichen Nachahmungseffekt haben. Häufig würden
in solchen Foren Gedanken niedergeschrieben, die zwar nicht so gemeint
seien, bei den anderen Nutzern jedoch schlimme Effekte hervorrufen
können, sagte Professor Ulrich Hegerl von der Psychiatrischen
Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
In diesen hauptsächlich anonymen Internetforen diskutieren
Suizidgefährdete offen über ihre Todeswünsche und
Suizidpläne. Die Zahl dieser Foren sei in den vergangenen Jahren
stark gewachsen, erklärte Hegerl. Weltweit schätzen die
Experten die Zahl solcher Suizidforen auf 100 000, in Deutschland
vermuten sie etwa 30. Die Einrichtung solcher Formen erfolge meist
anonym und häufig vom Ausland aus. Im Internet suchten die
Gefährdeten nicht nur mögliche Hilfsorganisationen oder
tauschten sich über medikamentöse Behandlungen oder Therapiefortschritte
aus, sondern fühlten sich im Schutze der Anonymität auch
animiert, offen über die Todeswünsche zu sprechen. Etwa
12 000 Suizidopfer werden in Deutschland durchschnittlich im Jahr
registriert, im Jahr 2000 sei es allein in Bayern zu 1950 Selbstmorden
gekommen. http://www.kompetenznetz-depression.de
http://www.psynet-congress.de
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 03.05.2003
Berlin:
Seminare für Trauernde nach Suizid
(pm). Nach dem Suizid eines vertrauten Menschen wird das Leben der
Zurückbleibenden oft zu einem mühsamen Kampf um den eigenen
Lebenswillen. Schuldzuweisungen von aussen, eigene Schuldgefühle,
das Bewusstsein von Ohnmacht und Wertlosigkeit, grausame Vorstellungen
vom Sterben selbst und die Tabuisierung der Todesursache Suizid
können den Trauerprozess erheblich erschweren. In dem Wochenendseminar
werden wir in einem geschützten Rahmen neuen Lebensmut und
neue Perspektiven entwickeln können. Gesprächsrunde und
kreative Gestaltungsangebote beschäftigen sich mit bestimmten
Aspekten des Trauerprozesses, z.B. dem Umgang mit Erinnerungen und
Jahrestagen, mit Schuldgefühlen oder mit Wegen, die Tote /
den Toten gehen zu lassen. Teilnehmen können Trauernde nach
einem Suizid, dabei ist es unerheblich, wie lange dieser zurückliegt.
Innerhalb der ersten drei Monate nach dem Tod bitte vor der Anmeldung
mit der Referentin Kontakt aufnehmen: Chris Paul, Trauerbegleiterin
und Autorin des Buches "Warum hast du uns das angetan?"
E-Mail: chrpaul@aol.com Anmeldung: Berliner Selbsthilfe-Zentrum
Neukölln-Rixdorf, Tel. 030 - 681 60 64, Einführungsseminar:
14. bis 16.11.2003 (Fr. 17.30 – So. 14.00 Uhr, Gebühren
60 Euro)
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 13.10.2003
Alle
vier Minuten ein Suizidversuch
Hamburg
(ddp). Alle 47 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das
Leben. Statistisch alle vier Minuten gibt es einen Suizidversuch.
Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des
Therapiezentrums für Suizidgefährdete (TZS) im Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf hervor. "Selbstmord ist ein in der öffentlichen
Wahrnehmung deutlich unterschätztes Problem", sagte der
stellvertretende TZS-Leiter, Georg Fiedler, bei der Vorstellung
der Ergebnisse in Hamburg.
Nach
Angaben des Statistischen Bundesamts starben 2001 in Deutschland
11 156 Menschen durch Suizid - mehr als durch Verkehrsunfälle,
Aids, Drogen und Gewalttaten zusammen. Mit der Dunkelziffer liegt
die Zahl der Suizide laut Fiedler mindestens 25 Prozent höher.
Die Zahl der Suizidversuche schätzt der Experte auf weit mehr
als 100 000.
Besonders
ältere Menschen sind der Studie zufolge gefährdet. "Je
älter man wird, desto höher ist das Suizidrisiko",
sagte Fiedler. Jede zweite Frau und jeder dritte Mann, die sich
das Leben nehmen, seien älter als 60 Jahre.
"Wir
wissen weltweit mehr über Suizid von Menschen in mittlerem
Alter als von Personen ab 60 Jahren", sagte TZS-Leiter Paul
Götze. Daher startet das TZS ein Forschungsprojekt zur Erfassung
der inneren Welt und Lebenssituation suizidgefährdeter älterer
Menschen. Laut Götze suchen ältere Menschen nur selten
Hilfe in Therapiezentren. Außerdem seien sie häufig krank,
eingeschränkt beweglich und weniger im sozialen Leben integriert.
Das
TZS behandelt akut suizidgefährdete Menschen. Sie erhalten
eine drei- bis neunmonatige Psychotherapie. Seit Gründung des
TZS vor zwölf Jahren wurden bereits mehr als 3000 Patienten
behandelt und etwa 1000 telefonische Kriseninterventionen vorgenommen.
Quelle: Lichtblick-newsletter.de
vom 09.11..2003
Studie: Suizidversuche
bei Homosexuellen häufiger Salzburg
(dpa) - Selbstmordversuche sind einer Untersuchung zufolge bei Homosexuellen
häufiger als bei Heterosexuellen. Fast jeder dritte Versuch,
sich das Leben zu nehmen, betrifft in Österreich einen Menschen
mit gleichgeschlechtlicher Orientierung. Im Vergleich zu Heterosexuellen
sei die Zahl der Selbstmordversuche damit sieben Mal höher,
schreibt Martin Pöderl von der Universität Salzburg in
einer am Dienstag vorgestellten Studie. Als Grund nannte Pöderl
den oft mangelnden Rückhalt Homosexueller durch das Elternhaus.
30 Prozent der Väter und 20 Prozent der Mütter hätten
zum Zeitpunkt der Befragung eine negative Einstellung zur Homosexualität
ihres Kindes gehabt. Oft hätten die Befragten selbst eine schwierige
Einstellung zu ihrer Homosexualität. Sie neigten aus diesen
Gründen weit stärker zu Hoffnungslosigkeit und Depressionen.
Plöderl hatte 358 schwule, lesbische oder bisexuelle erwachsene
Österreicher befragt. Ähnliche Ergebnisse hatte auch bereits
eine Befragung jugendlicher Homo- und Bisexueller für die Berliner
Senatsverwaltung für Jugend und die Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft (GEW) erbracht. (Internet: Auszüge aus der
Studie: www.online-club.de/~rp10524/abstract2004/ploederl-d.htm)
Quelle:
Netdoktor.de
vom 28.04.2004
"Suizide
im Netz angezettelt"
von Ingrid Müller
Suizid-Foren im Netz betreiben ein Spiel mit dem Tod. Die einen
reizt der Tabubruch, für andere ist es tödlicher Ernst.
Professionelle Hilfe? Fehlanzeige
Suizid-Foren im Web: Spiel mit dem Tod
Todeswünsche, Suizidpläne, Bezugsquellen für Waffen,
Pillen, Gifte, letzte Gedanken, virtuelle Anschlagbretter für
Abschiedsbriefe. Einer sucht "eine Partnerin für den gemeinsamen
Abgang", ein anderer fragt nach einer "schmerzlosen Variante,
die wie ein Unfall aussieht" - für die Versicherung. Auf
der homepage das Schwarz-Weiß-Bild einer Frau, die übers
Brückengeländer auf dem Weg nach unten ist. "Suizid-Foren
im Internet können für psychisch labile Menschen gefährlich
werden", warnt der Psychiater Patrick Bussfeld von der Ludwig-Maximilians-Universität
(LMU) in München auf einer Pressekonferenz. Mehr als 30 solcher
Foren gebe es mittlerweile in Deutschland, schätzt Bussfeld,
weltweit seien es sogar mehrere Tausend. Gefährlich, weil dahinter
eine Subkultur steckt, der Austausch in den Foren im Verborgenen
und abgeschirmt stattfindet, weil der Suizid verherrlicht wird und
professionelle Hilfe Fehlanzeige ist. Gefährlich auch, weil
es für manche nur ein Spaß ist - die Anleitung zum Suizid.
Weil sie der Tabubruch reizt und sie keine Ahnung haben, dass es
für andere tödlicher Ernst sein kann. "Mit dem Tod
wird gespielt", kritisiert Ulrich Hegerl, Professor an der
Psychiatrischen Klinik der LMU München.
Ankündigung
übers Web
In
Deutschland beenden jährlich rund 12.000 Menschen ihr Leben
selbst. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes tun es mehr Männer
als Frauen, in den neuen Bundesländern mehr als in den alten.
Suizid-Versuche wurden dagegen rund zehnmal so viele registriert.
Und hier sind es mehr Frauen als Männer. Als besonders gefährdet
gelten depressive, alkoholkranke, drogen- und medikamentenabhängige,
alte und einsame Menschen, berichtet die Forschungsgruppe Suizidalität
und Psychotherapie am Universitätsklinkum Hamburg Eppendorf.
Welche
Rolle das Internet beim Suizid spielt, ist schwer zu sagen. Aber
im Jahr 2000 wurden zumindest "zwölf Suizide im Internet
angekündigt und angezettelt", weiß Bussfeld. Eine
kleine Zahl zwar, aber "jeder Suizid ist einer zuviel",
betont er. Wie der 24-jährige Norweger Daniel und Eva, 17,
aus Österreich, die sich über das Internet zum gemeinsamen
Freitod verabredet hatten.
Nachahmungs-Effekt
Es
gibt keine genauen Zahlen, wer eigentlich die Nutzer der Suizid-Foren
sind. Klar ist, dass das Internet nach wie ein Medium der Jüngeren
ist. Wie eine Studie von ARD/ZDF-Online 2001 zeigte, sind die 14-
bis 19-Jährigen am stärksten im Netz vertreten. Und junge
Leute, die z.B. in einer Krise stecken oder unter psychiatrischen
Erkrankungen leiden, sind vermutlich auch die häufigsten Nutzer
der Suizid-Foren. Etwa 800 Suizidopfer in Deutschland sind jünger
als 25.
Auch
der Nachahmungs-Effekt sei nicht zu unterschätzen, erklärt
der Psychologe David Althaus. "Die Gefahr ist im Internet besonders
groß." Für manche habe die Anleitung zum Suizid
Modellcharakter und bringe schließlich "das Fass zum
Überlaufen." Eine rechtliche Handhabe, um gegen die Betreiber
solcher Suizid-Foren vorzugehen, gibt es derzeit nicht. In Deutschland
sei dies noch juristisches Neuland, sagt Hegerl. Die Server stehen
in Rumänien oder Georgien, die Foren sind schwer zu finden.
"Glücklicherweise", meint Bussfeld.
"Freitod
nur in der Belletristik"
Einen
Suizid zu verhindern ist schon in der Realität schwierig, im
Internet ist es fast unmöglich. Auch deshalb, weil die meisten
anonym im Web surfen, "nicknames" benutzen und nicht zu
identifizieren sind. "Wir können zwar sagen, dass jemand
Probleme hat", erklärt Bussfeld, "aber nicht, ob
jemand suizidgefährdet ist."
Dennoch
ist das Internet im Bereich der Psychiatrie wichtig geworden. Laut
einer Umfrage unter 600 Patienten nutzen 40 Prozent regelmäßig
professionelle Hilfsangebote, rund 23 Prozent gaben an, davon profitiert
zu haben. Das Kompetenznetz Depression beispielsweise beschäftigt
einen Facharzt, der die Diskussionsforen moderiert. Ist jemand nach
Einschätzung von Experten tatsächlich suizidgefährdet,
schicken sie Ratschläge per E-mail, stellen den Kontakt zu
einem Arzt her oder versuchen, über die Polizei Kontakt mit
den Betroffenen aufzunehmen. Hegerl fordert: "Diese Angebote
müssen ausgebaut werden." Denn in 90 Prozent aller Fälle
sei der Suizid überhaupt keine freie Entscheidung, sondern
dahinter steckten ernsthafte psychiatrische Erkrankungen wie eine
Sucht oder Depression. "Den Freitod", sagt Hegerl, "den
gibt es nur in der Belletristik."
Quelle:
Netdoktor.de
vom 06.09.2004 von Ingrid Müller
Selbstmord:
Sehr häufige Todesursache bei Jugendlichen
Berlin
(dpa) - Selbstmord ist eine der häufigsten Todesursachen bei
Jugendlichen in Deutschland. Durch Suizid sterben bundesweit fast
so viele junge Menschen wie im Straßenverkehr, teilte der
Verein «Hilfen für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche»
am Mittwoch in Berlin mit. Allein in Berlin kamen im vergangenen
Jahr nach Angaben des Statistischen Landesamtes rund 500 Menschen
durch Suizid ums Leben, darunter rund 40 Jugendliche und junge Erwachsene
unter 25 Jahren. Die Zahl der Selbstmordversuche junger Menschen
schätzt der Verein 20 bis 30 Mal höher ein. «Suizid
bei Kindern und Jugendlichen ist ein unterschätztes Problem»,
sagt Michael Witte, Geschäftsführer der deutschen Gesellschaft
für Suchtprävention. Gründe für die Selbsttötung
junger Menschen seien sowohl negative Lebenserfahrungen wie Gewalt
oder sexueller Missbrauch als auch Belastungen wie Liebeskummer
oder Schulversagen. «Suizidgedanken sind immer Ausdruck eines
schwerwiegenden Problems», erläuterte Psychologin Monika
Schnell. Ein Selbstmordversuch solle oft ausdrücken, was sich
mit Worten nicht mehr sagen ließe. In Deutschland starben
nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2002 rund 11
000 Menschen durch Suizid. Das seien mehr Todesfälle als durch
Aids, Verkehrunfälle und Tötungsdelikte zusammen, ergänzte
Witte. In Berlin bietet die Beratungsstelle «Neuhland»
Krisenhilfe und Prävention für selbstmordgefährdete
junge Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den 10.
September als «World Suicide Prevention Day» ausgerufen.
(Internet: www.neuhland.de)
Quelle:
Netdoktor.de
vom 09.09.2004
Selbstmord:
Alle 47 Minuten ein Fall in Deutschland
Berlin/Genf
(dpa) - In Deutschland nimmt sich alle 47 Minuten ein Mensch das
Leben. Im Jahr 2002 habe es 11 163 Selbsttötungen gegeben,
sagte der Vorsitzende der Initiativgruppe «Nationales Suizid-
Präventions-Programm», Armin Schmidtke, am Donnerstag
in Berlin anlässlich des internationalen Tages zur Verhinderung
von Suizid (10. September). Weltweit sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) rund eine Million Menschen jährlich durch Selbsttötung
- mehr als durch Krieg und Mord zusammen. Am meisten Selbstmorde
verzeichnet die WHO in Osteuropa. Am niedrigsten sei die Suizidrate
in Südamerika und den islamischen Ländern. Deutschland
liege mit der Gesamtzahl der jährlichen Suizide etwas unter
dem europäischen Durchschnitt, sagte Schmidtke. Innerhalb des
Landes gebe es große regionale Unterschiede. So stehen Sachsen,
Sachsen-Anhalt und Thüringen von den Flächenstaaten bei
der Zahl männlicher Selbstmorde an der Spitze. Nordrhein-Westfalen,
Saarland und Berlin finden sich am unteren Ende der Skala. In der
Geschlechter-Verteilung bringen sich WHO-Angaben zufolge mehr Männer
als Frauen um. In Deutschland waren es 2002 rund 8 100 Männer
und 3 000 Frauen. Jedoch unternehmen mehr Frauen einen Selbstmordversuch.
Die Selbstmordrate steigt weltweit mit zunehmendem Alter. Diese
Tatsachen spiegelt auch die deutsche Realität: Nach Daten des
Suizid- Präventions-Programm waren 2002 rund 37 Prozent aller
männlichen Selbstmordtoten in Deutschland älter als 60
Jahre. Hingegen mache diese Altersgruppe nur etwa 21 Prozent aller
in Deutschland lebenden Männer aus. Rund 51 Prozent aller Selbstmörderinnen
seien älter als 60 Jahre, obwohl der Anteil dieser Altersgruppe
an der weiblichen Gesamtbevölkerung lediglich rund 28 Prozent
betrage. Als alarmierend bezeichnete die WHO die Zunahme von Selbsttötungen
unter jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren. In Deutschland
verüben die 15- bis 24-Jährigen 16 Prozent aller Selbsttötungen.
Damit sei Suizid in Deutschland die zweithäufigste Todesursache
unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen, berichtete der Verein
«Hilfen für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche»
am Mittwoch. Durch Suizid sterben demnach bundesweit fast so viele
junge Menschen wie im Straßenverkehr. «Die WHO hält
Suizid für ein großes, weltweites aber meist vermeidbares
Problem», erklärte die UN-Organisation in Genf. Häufige
Beweggründe für Selbsttötungen seien Armut, Arbeitslosigkeit,
den Verlust eines nahe stehenden Menschen, Streit sowie Probleme
am Arbeitsplatz oder mit der Justiz. Auch Suizidfälle in der
Verwandtschaft, Alkohol- und Drogenmissbrauch, sexueller Missbrauch
in der Kindheit, Vereinsamung und Krankheiten wie Depressionen oder
Schizophrenie spielten eine Rolle. Zu den Faktoren, die vor Suizid
schützen, zählt die WHO die eigene Wertschätzung
der Menschen und soziale Beziehungen. Die Früherkennung von
psychischen Störungen sowie deren angemessene Behandlung sei
die wichtigste Präventionsstrategie. Viele Untersuchungen zeigten,
dass in den vier Wochen vor dem Suizid Patienten häufiger als
sonst ihren Hausarzt aufsuchten, die Neigung zur Selbsttötung
aber nicht erkannt werde, sagte Schmidtke. Aufklärungs- und
Schulungskampagnen führen zu einer deutlichen Verringerung
von Selbstmorden und Selbstmordversuchen.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 10.09.2004
Antidepressiva:
Beschleuniger für Suizidgefahr bei Kindern
Washington
(dpa) - Die US-Gesundheitsbehörde FDA sieht bei der Einnahme
von Medikamenten gegen Depressionen eine erhöhte Selbstmordgefahr
bei Kindern und Jugendlichen. FDA-Mitglied Thomas Laughren sagte
am Dienstag (Ortszeit), klinische Studien zu neun der neuesten Antidepressiva
hätten gezeigt, dass damit behandelte Kinder häufiger
Selbstmordgedanken oder -versuche hätten. Nach Laughrens Einschätzung
tritt die erhöhte Selbstmordgefahr bei 2 bis 3 von 100 mit
Antidepressiva behandelten Kindern und Jugendlichen auf.
Quelle: Netdoktor.de
vom 16.09.2004
Selbstmord:
Kleine Schmerzmittelpackungen senken Rate
London
(dpa) - Seit frei zugängliche Schmerzmittel in Großbritannien
in kleineren Packungen verkauft werden müssen, ist die Zahl
der Selbstmorde durch solche Medikamente dort um fast ein Viertel
gesunken. Nach einer im «British Medical Journal» veröffentlichten
Studie gab es seit einer entsprechenden Gesetzesänderung vor
sechs Jahren deutlich weniger Fälle von Überdosen. Dadurch
sei auch die Zahl der Lebervergiftungen und der dadurch notwendigen
Lebertransplantationen um rund 30 Prozent gefallen, berichtete das
Fachblatt am Freitag in London. 1998 hatte die britische Regierung
ein Gesetz erlassen, das den Verkauf von Schmerzmitteln einschränkte.
So darf ein Händler solche Medikamente nur noch in begrenzten
Mengen pro Kunde verkaufen. Zwar könne das Gesetz suizidgefährdete
Menschen nicht davon abhalten, sich größere Mengen Schmerzmittel
bei verschiedenen Händlern zu beschaffen. Häufig würden
Überdosen aber spontan eingenommen und Patienten griffen zu
Tabletten, die sie ohnehin zu Hause gelagert hätten, heißt
es in dem Bericht. Solche Selbsttötungsversuche könnten
durch die kleineren Packungsgrößen zum Teil verhindert
werden.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 30.10.2004
EU-Kommissar:
Mehr Aufmerksamkeit für psychische Gesundheit
(naps/eu). In der EU sterben mehr Menschen durch Suizid als durch
Verkehrsunfälle oder Mord. Angesichts dieser erschreckenden
Zahlen bezeichnet der EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou die
Förderung der seelischen Gesundheit als eine seiner Prioritäten.
Laut einer von der Kommission zitierten Studie der WHO sterben etwa
58 000 Menschen in der EU durch Suizid. Dem stehen etwa 50 700 Todesfälle
pro Jahr durch Verkehrsunfälle und etwa 5 350 durch Mord oder
Totschlag gegenüber. In einer Pressemitteilung erklärte
Markos Kyprianou hierzu: "Dennoch widmet man der psychischen
Gesundheit erstaunlich wenig Aufmerksamkeit - man könnte sagen,
dass psychische Erkrankungen Europas unsichtbare Todesursachen sind.
Ich bin fest entschlossen, dies zu ändern.” Seelische
Gesundheit ist einer der Schwerpunkte des Aktionsprogramms der EU
im Bereich der öffentlichen Gesundheit 2003 - 2008. Die Gemeinschaft
finanziert im Rahmen dieses Programms eine Reihe von Projekten,
die zum Verständnis der Ursachen psychischer Erkrankungen und
zur Prävention beitragen sollen. Über diese Projekte informiert
die neue Broschüre "Action for Mental Health". Außerdem
veröffentlichte die Kommission Berichte über den Stand
der psychischen Gesundheit und Depressionsbekämpfung in der
EU.
Dazu
auch: Europäische Ministerielle WHO-Konferenz "Psychische
Gesundheit:
Herausforderungen annehmen, Lösungen schaffen"
http://www.euro.who.int/mentalhealth2005?language=German
Aktuelle
EU-Nachrichten zum Thema:
http://www.euractiv.com/Section?idNum=3750616
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
Nr. 152 vom 26.01.2005
Empfehlungen zur Medienberichterstattung über
Suizid
(pm). Nach den jüngsten Suiziden Prominenter weist das Kompetenznetz
Depression, Suizidalität auf die besondere Verantwortung der
Medien hin, die diese durch die Art und Weise ihrer Berichterstattung
innehaben. Bestimmte Formen von Meldungen, Artikeln und Headlines
in den Medien können weitere Suizide als Nachahmungstaten hervorrufen
- der so genannte "Werther-Effekt"
gilt in der Wissenschaft als gesichert.
Das Kompetenznetz
Depression, Suizidalität hat Empfehlungen zur Berichterstattung
in den Medien über Suizid herausgegeben. Die Nachahmungsgefahr
beispielsweise sinkt, wenn der Suizid als Folge einer Erkrankung
(z.B. Depression) dargestellt wird, die erfolgreich hätte behandelt
werden können; alternative Problemlösungen und Fälle
von Krisenbewältigung aufgezeigt werden; Helplines und Hilfekontakte
angegeben werden; Expertenmeinungen eingeholt werden; Hintergrundinformation
zum Krankheitsbild Depression gegeben werden und über die Arbeit
professioneller Helfer berichtet wird.
Ein
spezieller Medien-Guide liefert weitere Informationen und Empfehlungen:
http://www.kompetenznetz-depression.de (Rubrik PRESSE)
Quelle: Lichtblick-newsletter.de
Nr. 173 vom 11.11.2005
Suizide: Experten fordern verstärkte Prävention
Berlin (ddp). Mediziner und Psychologen haben größere Anstrengungen zur Vorbeugung von Selbsttötungen gefordert. Es gebe in Deutschland nach wie vor «weit mehr Tote durch Suizide als durch Verkehrsunfälle», sagte Elmar Etzersdorfer, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention (DGS), am Freitag in Berlin. Zwar ist die Zahl der Todesopfer durch Suizide laut DGS seit einigen Jahren rückläufig. Vor dem Hintergrund einer möglicherweise steigenden Arbeitslosigkeit in Zeiten der Wirtschaftskrise seien aber verstärkte Präventionsbemühungen notwendig, da die Zahl der Selbsttötungen während ökonomischer Umwälzungen häufig ansteige.
Nach DGS-Angaben tötet sich in Deutschland rein statistisch alle 47 Minuten ein Mensch selbst. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes starben im vergangenen Jahr 9331 Menschen durch Selbsttötungen, 2007 waren es 9402 Personen. Die Zahl der Suizidversuche liegt nach DGS-Schätzungen bei etwa 100.000 pro Jahr. Zu den Risikogruppen gehörten unter anderem psychisch Kranke mit Depressionen, junge Frauen mit Migrationshintergrund sowie ältere Menschen. Zudem brächten sich Männer rund drei Mal häufiger um als Frauen.
Nötig ist laut DGS unter anderem ein weiterer Ausbau des Netzes von Beratungsstellen und Krisendiensten, um Menschen mit Suizidabsichten möglichst früh Behandlungsmöglichkeiten anzubieten. In einigen Bundesländern gebe es keine spezifischen Beratungsangebote für Suizidgefährdete, kritisierte DGS-Geschäftsführer Michael Witte. Deshalb seien bundeseinheitliche Standards notwendig. Ein weiterer wichtiger Punkt zur Vorbeugung von Suiziden sei zudem eine zurückhaltende Medienberichterstattung über Selbsttötungen, um Nachahmungstaten zu verhindern. Außerdem habe die eingeschränkte Zugänglichkeit bestimmter Medikamente und Waffen eine vorbeugende Wirkung.
Quelle: Netdoktor.de vom 25.09.2009
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