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Psychisch Kranke: Bündnis wehrt sich gegen Diskriminierung

Psychologen deuten aus Handschrift psychische Erkrankungen

Schizophrenie im Kino: Oscars gut fürs Verständnis

Wohlfahrtsverbände: Sparmaßnahmen gefährden Patienten

Mit wenig Geld sinnvolle Psychotherapie nicht möglich

"Psychomarkt": Therapieangebote genau prüfen

"Drehtürpsychiatrie" gefährdet Therapieerfolge

Psychische Erkrankungen werden unter- schätzt

DAK: Psychische Erkrankungen nehmen in Berufswelt zu

WHO: Großteil psychischer Krankheiten heilbar

Ersatzkassen: Alarmierender Anstieg bei psychischen Erkrankungen

Immer mehr psychisch kranke Menschen werden ambulant behandelt

Krankenkasse: Psychische Störungen nehmen alarmierend zu

Psychisch Kranke: Bayerns Gesundheits- minister fordert mehr Prävention

Gesundheitssystem kaum auf seelische Erkrankungen eingestellt

Weltgesundheitstag - Jeder Vierte erkrankt einmal psychisch

Rund 20 000 Sachsen wegen psychischer Krankheit in Behandlung

WHO: Psychische Erkrankungen werden zu selten behandelt

Weltgesundheitstag - Jeder Vierte erkrankt einmal psychisch

Genf/Köln (dpa) - Jeder vierte Mensch weltweit ist nach Studien der Weltgesundheits- organisation (WHO) irgendwann im Leben von einer psychischen Krankheit betroffen. Bis zu 20 Millionen Menschen unternehmen jedes Jahr einen Selbstmordversuch, eine Million sterben - etwa so viele wie an Malaria. Sowohl UN-Generalsekretär Kofi Annan wie auch WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland rufen zu einer Art globaler Mobilmachung im Kampf gegen psychische Krankheiten auf. "Früher hat man nicht über Aids, davor nicht über Krebs gesprochen - aber Stück für Stück brechen die Tabus weg", so Brundtland. Die Liste der psychischen Krankheiten ist lang: Schizophrenie, Depressionen, Alzheimer, Epilepsie, geistige Unterentwicklung, Sucht. Nach Auskunft der WHO haben 43 Prozent aller Länder keine Gesundheitspolitik, die geistige Krankheiten einschließt. In fast einem Viertel (23 Prozent) werden geistige Krankheiten rechtlich gar nicht erfasst. Nach Auskunft   von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sind in Deutschland psychische Störungen wie etwa Depressionen, Angstzustände oder Schizophrenie inzwischen die zweithäufigste Erkrankungsursache - Tendenz steigend. Der Tag steht in Deutschland unter dem Motto "Psychische Gesundheit - erhalten und wiederherstellen". Hierzulande leiden laut Experten-Schätzungen vier Millionen Menschen unter Depressionen, die als Hauptgrund für jährlich über 100 000 Selbstmordversuche angesehen werden. Nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention nimmt sich in Deutschland alle 45 Minuten ein Mensch das Leben. "Es gibt keine bahnbrechenden neuen Therapien; aber es gibt für viele psychische Erkrankungen Therapien, deren Wirksamkeit inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen ist", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), Max Schmauß auf einem DGPPN -Kongress in Lübeck. Eine Chance für psychisch Kranke sehen Experten im Internet. Die    Anonymität dieses Mediums ermögliche Patienten die leichtere Kontaktaufnahme zu Beratungsstellen und anderen Betroffenen, sagte der Psychiater Prof. Ulrich Hegerl in München. Allein im deutschsprachigen Internet seien auf bis zu 20 000 Seiten psychiatrische Themen zu finden. Mit der Einführung eines Gütesiegels sollen künftig seriöse Anbieter und Wunderheiler unterscheidbar gemacht werden, hieß es. Das gestaffelte Gütezeichen soll ab Ende des Jahres vergeben werden, erklärte Gunther Eysenbach von der Universität Heidelberg, der dieses europäische Projekt "MedCERTAIN" leitet. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 07.04.2001

WHO: Psychische Erkrankungen werden zu selten behandelt

Köln (dpa) - Psychische Erkrankungen werden nach Ansicht der Weltgesundheitsorgani- sation (WHO) in Deutschland zu selten behandelt. Weil beispielsweise Depression immer noch ein Tabu seien, wage ein Betroffener oft nicht, sich Hilfe zu suchen, sagte der euro- päische WHO-Regionalbeauftragte für Psychische Gesundheit, Wolfgang Rutz, in einem dpa-Gespräch vor der Eröffnungsveranstaltung des Weltgesundheitstages am Freitag in Köln. Zudem seien viele Hausärzte nicht ausreichend für den Umgang geistiger Störungen     geschult. "Allgemeinmediziner erkennen nur etwa 50 Prozent der Fälle", sagte Rutz. Dabei seien die nötigen Kenntnisse relativ schnell und gut vermittelbar. Um das gesellschaftliche Bewusstsein in der gesamten Gesellschaft zu ändern, stehe der Weltgesundheitstag dieses Jahr ganz im Zeichen psychischer Erkrankungen. "Die Leute müssen begreifen, dass es heutzutage ganz normal ist, Angstzustände zu haben", meinte Rutz. Rund ein Viertel aller Menschen hätten im Laufe ihres Lebens schwerwiegende psychische Probleme. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 06.04.2001

Rund 20 000 Sachsen wegen psychischer Krankheit in Behandlung

Dresden (dpa) - Etwa 20 000 Menschen im Freistaat müssen wegen ernsthafter seelischer Störungen dauerhaft betreut werden. Rund eine Viertelmillion Sachsen muss sich zumindest einmal im Leben auf Grund psychischer Probleme behandeln lassen. Das teilte das                Gesundheitsministerium in Dresden anlässlich des Weltgesundheitstages an diesem Samstag mit. Der Aufbau der Versorgung psychisch Kranker in Sachsen sei nach zehn Jahren nahezu  abgeschlossen, hieß es. Inzwischen bieten 25 psychiatrische Abteilungen von Kranken- häusern eine Behandlung an. Bis Ende 1999 wurden rund 325 Millionen Mark an Landes- mitteln investiert. Weitere 150 Millionen Mark flossen in die Beratungsstellen, Arbeits- angebote und Wohnstätten. Den Angaben nach leiden weltweit etwa 400 Millionen Menschen an psychischen Krankheiten. Zu ihnen zählen altersbedingte Demenzen, Neurosen wie Platzangst und Psychosen wie Schizophrenie. (bs)

Quelle: Netdoktor.de vom 0.04.2001

Gesundheitssystem kaum auf seelische Erkrankungen eingestellt

Erfurt (dpa) - Das deutsche Gesundheitssystem ist nach Ansicht von Experten zu wenig auf seelische Erkrankungen eingestellt. Psychische Störungen würden von Ärzten oftmals nicht erkannt oder als rein körperliche Krankheiten behandelt, sagte Michael Geyer, Chefarzt der
Leipziger Universitätsklinik für Psychotherapie und Psychosomatik und Leiter der Akademie für Psychotherapie Erfurt, in einem dpa-Gespräch. "Die Folge sind mitunter jahrelanges Leiden der Betroffenen und hohe volkswirtschaftliche Kosten", sagte er. Die seelische Gesundheit steht im Mittelpunkt der bis Sonntag dauernden Thüringer Gesundheitswoche mit 400 Informations- veranstaltungen. Fehldiagnosen und -behandlungen   seelischer Krankheiten über zwei Jahre hinweg kosten nach Expertenberechnungen bis zu 25 000 Mark je Patient. "Dazu kommen Folgekosten wie Krankschreibungen", sagte Geyer. Nach seinen Schätzungen fallen seelisch kranke Patienten bei nicht fachgerechter       Behandlung innerhalb von zwei Jahren bis zu 140 Tagen am Arbeitsplatz aus. 30 Prozent der Bevölkerung werden im Laufe des Lebens mindestens einmal ernstlich psychisch krank. Häufigste Leiden sind Depressionen und psychosomatische Störungen wie Rücken- schmerzen oder Herzleiden. Immer häufiger treten Essstörungen wie Bulimie (Ess-Brech-Sucht) auf. Die Mängel in der Behandlung seelisch kranker Menschen hängen laut Geyers nicht zuletzt mit dem unausgewogenen Vergütungssystem der Ärzte zusammen. "Das kommt eher der Pharma- und Apparatemedizin zugute", kritisierte er. Weil das Honorarsystem für Hausärzte und Internisten kaum Anreiz für zeitaufwendige therapeutische Gespräche biete, verzichteten viele Praxen darauf. "Das Arzt-Patienten-Gespräch muss sich aber finanziell genauso lohnen wie die Röntgenaufnahme oder der Labortest", forderte der Experte. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 05.04.2001

Psychisch Kranke: Bayerns Gesundheitsminister fordert mehr Prävention

Würzburg (dpa/lby) - Auch bei psychischen Erkrankungen gilt der Grundsatz "Vorbeugen ist besser als Heilen". Bayerns Gesundheitsminister Eberhard Sinner (CSU) warnte am Samstag vor einer Diskriminierung und Stigmatisierung psychisch kranker Menschen. "Wir müssen weg von der Reparatur und hin zu mehr Vorsorge", sagte Sinner auf einer Veranstaltung des Europäischen Netzwerks für Suizid-Prävention zum Weltgesundheitstag in Würzburg. Auch auf dem Gebiet psychischer Erkrankungen sei eine konsequente Vorsorge von der Jugend bis ins hohe Alter nötig. Laut Sinner leiden weltweit rund 800         Millionen Menschen an Depressionen, Schizophrenie und anderen psychischen Krankheiten. Im vergangenen Jahr hätten fast eine Million Menschen Selbstmord begangen. Deshalb müssten die noch immer existierenden Barrieren bei der Behandlung und Wiedereingliederung von Menschen mit psychischen Krankheiten beseitigt werden. (pd)

Quelle: Netdoktor.de vom 08.04.2001

Immer mehr psychisch kranke Menschen werden ambulant behandelt

Lüneburg (dpa) - Die Psychiatrischen Krankenhäuser in Deutschland haben in den letzten drei Jahrzehnten die Anzahl ihrer Betten um die Hälfte reduziert. "Immer mehr psychisch kranke Menschen werden jedoch ambulant behandelt", sagte Prof. Manfred Wolfersdorf am Freitag in Lüneburg. Die Leiter der 220 Krankenhäuser sehen die zunehmende ambu- lante Versorgung psychisch Kranker grundsätzlich positiv. Über die Hälfte der wegen chronischer Erkrankungen früher stationär aufgenommenen Patienten würden heute gemeindenah in Heimen oder betreuten Wohnungen untergebracht. Damit fördere man ihre  Selbstständigkeit, sagte Wolfersdorf. Die Kranken könnten bei ihrer Familie leben und tagsüber ein breites therapeutisches Angebot wahrnehmen. "Auch das Bild der Patienten hat sich enorm verändert", sagte Wolfersdorf. Die größte Patientengruppe sei inzwischen die der Suchtkranken. Sie stellten bis zu 40 Prozent der stationären Aufnahmen im Jahr. Danach käme mit rund 20 Prozent die Gruppe der depressiven Patienten und dann die Gruppe der an akuter Schizophrenie erkrankten Menschen. (bs)

Quelle: Netdoktor.de vom 28.04.2001

Krankenkasse: Psychische Störungen nehmen alarmierend zu

Wiesbaden (dpa) - Immer mehr Menschen in Deutschland erkranken an  psychischen Störungen. Im Jahr 2000 gab es wegen solcher Leiden im Schnitt 1,32 Fehltage pro Versicherungsnehmer. Das waren 0,46 Tage mehr als 1991. Auch die Zeit des Klinikaufenthalts wegen psychischer Störungen ist gestiegen: Von 0,175 Tage im Jahr 1991 pro Versichertem auf 0,220 im Jahr 2000. Die Daten stammen aus dem “GEK-Gesundheitsreport 2001", den das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG, Hannover) und die Gmündner Ersatzkasse zusammenstellte. Bei den Klinikeinweisungen von Männern hatte Alkoholmissbrauch die größte Bedeutung. Bei Frauen dominierten Depressionen, heißt es in dem Report, der am Montag auf dem Internistenkongress in Wiesbaden vorgestellt wurde. Schizophrene und wahnhafte Störungen waren bei Männern und Frauen mit je 0,043 bzw. 0,045 Krankenhaustagen pro Versichertem im Jahr 2000 etwa gleich häufig. Der Anteil psychischer Störungen an den allen Krankheitsfehltagen ist laut Studie in den vergangenen zehn Jahren um 62,5 Prozent und bei Klinikaufenthalten um 40,3 Prozent gestiegen. "Psychische Störungen werden zwar nur in 3,2 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitsfälle als Grund genannt, doch die Patienten mit dieser Diagnose sind 33,5 Tage und damit mehr als    doppelt so lang wie andere Patienten (13,4 Tage je Fall) arbeitsunfähig", sagte der GEK-Vorstandsvorsitzende Dieter Hebel. In Akutkliniken entfielen sogar mehr Behandlungstage auf psychische Störungen als auf Krebserkrankungen, erläuterte der Vorstandsvorsitzende des ISEG, Prof. Friedrich Wilhelm Schwartz. 4,4 Prozent aller Krankenhausaufenthalte beträfen psychische Störungen. Diese Patienten müssten 27,4 Tage im Krankenhaus bleiben. Die durchschnittliche Liegezeit im Krankenhaus läge dagegen bei 10,3 Tagen. Den größten Anteil an allen Arbeitsausfallzeiten hatten nach Auskunft der Ersatzkasse Menschen mit Beschwerden im Muskel-Skelett-System. Allein zehn Prozent aller Krankheitstage entfiel auf die Diagnose Rückenschmerzen. Die durchschnittliche Verweildauer aller Patienten in Kliniken ist in den vergangenen zehn Jahren laut GEK von 13,4 auf 10,3 Tage pro Jahr gesunken. Auch die Zahl der gesamten Arbeitsunfähigkeitstage pro Versichertem verringerte sich und zwar von jährlich 17,6 auf 16,7 Tage. Hebel erläuterte eine Behandlungsvergütung, die seine Kasse entwickelt habe: "In der Fachklinik Waren (Müritz) wird künftig auch die Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen wirkungs- und qualitätsorientiert vergütet." Als Indikatoren würden beispielsweise die Reduktion von Krankenhaus- oder Arbeitsunfähigkeitstage sowie des Medikamentenverbrauches um 35 Prozent im Vergleich zu einer herkömmlichen Therapie herangezogen. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 24.04.2001

Ersatzkassen: Alarmierender Anstieg bei psychischen Erkrankungen

Kiel (dpa) - Bei psychischen Erkrankungen hat es nach Angaben der schleswig-holsteini- schen Ersatzkassen in Deutschland eine alarmierende Zunahme gegeben. "Nicht nur bei den  Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, sondern auch bei den Krankenhausaufenthalten und bei der Inanspruchnahme von Reha-Maßnahmen ist die Zahl der Patienten gestiegen, die psychische Störungen haben", sagte Ersatzkassensprecher Lothar Thormählen. Die Gründe für diese Erkrankungen sind nach Meinung der Ersatzkassen vielfältig, liegen aber in erster Linie in der veränderten Arbeitswelt. Stress sei ein wesentlicher Auslöser, aber auch Arbeitsplatzunsicherheit und die Flexibilisierung der Arbeit etwa durch mehr Schichtarbeit verkrafteten viele Arbeitnehmer nicht mehr. Auch die Arbeit am Computer bringe gesund- heitliche Probleme mit sich. (pg)

Quelle: Netdoktor.de vom 14.05.2001

DAK: Psychische Erkrankungen nehmen in Berufswelt zu

Darmstadt (dpa) - Psychische Probleme sind immer häufiger Ursache für Fehlzeiten im Beruf. Wie aus dem neuen Gesundheitsreport für Hessen der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) hervorgeht, sind psychische Erkrankungen in den Angestellten- berufen inzwischen hinter Muskel- und Skeletterkrankungen, Erkrankungen der Atem- organe und Verletzungen vierthäufigster Grund für Krankenstand. Fast 8 von 100 Fehl- tagen seien mittlerweile auf eine psychische Krankheit zurückzuführen, teilte die DAK am Dienstag bei der Vorstellung des Gesundheitsreports 2001 in Darmstadt mit. Mit einem Krankenstand von durchschnittlich 3,5 Prozent der Beschäftigten pro Tag lag Hessen vergangenes Jahr im Vergleich der Bundesländer im Mittelfeld. Im Vergleich zu 1999 blieb die Quote unverändert. Damit sei die steigenden Tendenz der vergangenen Jahre vorerst gestoppt, sagte der der DAK-Gebietsleiter für Hessen, Gerhard Wohner. Für den  Gesundheitsreport lässt die DAK jährlich die Krankmeldungen ihrer rund 330 000 erwerbstätigen Mitglieder in Hessen auswerten. Die Sozialwissenschaftlerin Judith Berger vom Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung, das den Bericht für die DAK erstellt hat, begründete den Anstieg der psychischen Erkrankungen mit dem wachsenden Stress und Druck, dem sich viele Beschäftigte ausgesetzt fühlten. Außerdem seien psychische Krankheiten wie Depressionen inzwischen eher gesellschaftlich akzeptiert und müssten nicht länger vom Arzt hinter einer anderen Diagnose versteckt werden. Dem Gesundheitsreport zufolge ist der Krankenstand bei Frauen höher als bei Männern, auch dann, wenn er um Schwangerschaftszeiten bereinigt wird. Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass Frauen Krankheitszeichen ernster nähmen als Männer und damit eher zum Arzt gingen, sagte Berger. Ein anderer Grund sei die oft vorhandene zusätzliche Belastung in Form von Arbeit im Haushalt. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 04.07.2001

WHO: Großteil psychischer Krankheiten heilbar

Genf (dpa) - Psychische Krankheiten sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zum großen Teil heilbar. Sechs von zehn Patienten, die unter Depressionen leiden, könnten wieder gesund werden. 77 Prozent der Patienten mit Schizophrenie könnten bei erfolgreicher Behandlung ohne Rückfälle leben. Es gebe ein neues Verstehen von psychischen Störungen, heißt es im WHO-Jahresbericht über psychische Gesundheit, den Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland am Donnerstag in Genf vorlegte. Leider suchten derzeit nur 35 von 100 Erkrankten professionelle medizinische Hilfe. Pro Jahr begehen laut WHO rund eine Million Menschen mit psychischen Krankheiten Selbstmord. Weitere zehn bis 20 Millionen versuchten eine Selbsttötung. Insbesondere in den Industrieländern sei die wachsende Selbstmordrate unter Jugendlichen und Frauen ein immer weiter um sich greifendes Problem. Vorbeugende Maßnahmen müssten daher verstärkt werden. So sollten etwa Gift und Waffen schwerer zugänglich sein. Wie die WHO weiter mitteilte, leiden derzeit weltweit 450 Millionen Menschen an psychischen Krankheiten. An der Spitze stehen mit 121 Millionen Betroffenen die verschiedenen Formen von Depressionen. Der WHO-Bericht geht unter anderem auch auf wissenschaftliche Beweise für die "fundamentale Verbindung zwischen psychischer und körperlicher Gesundheit" ein. Beispielsweise könnten Depressionen Herzkrankheiten ankündigen, heißt es. Ängstliche und depressive Stimmungen erhöhten die Anfälligkeit für eine Reihe körperlicher Krankheiten. Jüngste Ergebnisse hätten auch gezeigt, dass junge Menschen mit psychischen Störungen wie Depressionen oder Suchtabhängigkeit eher mit dem Rauchen anfingen oder riskante Sexual-Praktiken verfolgen. Zum Risikofaktoren gehörten auch unkontrollierter Städtebau, Armut sowie der rasante Wechsel in der Technologie. Aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation sollte das medizinische Personal besser für den Umgang mit geistig Kranken geschult werden. Wichtige Medikamente sollten für alle bereitgestellt werden. Statt die Erkrankten in Krankenhäusern "wegzuschließen", sollte sich die Gemeinschaft um sie kümmern. Notwendig seien deshalb auch Aufklärungskampagnen und mehr Informationen über geistige Erkrankungen. Jedes Land müsse eine eigenständige Politik für den Umgang mit diesen Krankheitsformen formulieren. (hk)

Q
uelle: Netdoktor.de vom 07.10.2001

Psychische Erkrankungen werden unterschätzt

Berlin (ddp). Psychische Erkrankungen werden im deutschen Gesundheitswesen nach wie vor unterschätzt. Dabei seien sie inzwischen die sechsthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Naturheilkunde (DGPPN), Jürgen Fritze, am Mittwoch auf einem Kongress der Gesellschaft in Berlin. Bis Sonntag diskutieren mehr als 1.500 Mediziner und Wissenschaftler über Themen wie Alzheimer-Forschung und genetische Ursachen von Alkoholsucht. Bei den Gründen für eine frühzeitige Verrentung haben die psychischen Krankheiten die Muskel- und Gelenkerkrankungen vom ersten Platz verdrängt, wie der Experte hinzufügte. An Schizophrenie, die auf dem Kongress eine große Rolle spielen werde, erkranke in Deutschland rund ein Prozent der Bevölkerung. Diese Krankheit sei aus Kostensicht auf eine Stufe mit den Volksleiden Rückenschmerz und Diabetes zu stellen. Außerdem werden sich die Experten mit Aufmerksamkeitsstörungen im Erwachsenenalter beschäftigen, wie DGPPN-Vizepräsident Mathias Berger ankündigte. Die Erkenntnis, dass darunter leidende Kinder diese Krankheit mit in das Erwachsenenalter nehmen, sei relativ jung. Wissenschaftler gingen davon aus, dass es sich um eine stark genetisch bedingte Erkrankung handele, sagte Berger. Dank intensiver Forschungen gebe es inzwischen vielversprechende Ansätze in der Therapie. Weltweit leiden internationalen Schätzungen zufolge 25 bis 30 Prozent der Menschen unter behandlungsbedürftigen psychischen Störungen. Davon werden jedoch lediglich 30 Prozent therapiert. Die Hausärzte erkennen in einem Drittel bis hin zur Hälfte der Fälle psychische Erkrankungen nicht.
http://www.dgppn.de

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 20.11.2001

"Drehtürpsychiatrie" gefährdet Therapieerfolge

naps: "Die Schmerzgrenze ist beim Bettenabbau in der Psychiatrie für Beschäftigte, Patientinnen und Patienten erreicht. Wir erwarten, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung diese Entwicklung mit ihrem neuen Krankenhausplan stoppt." Das sagte Jan-Hendrik Heudtlass, Vorsitzender des ver.di-Fachbereichs Gesundheit in Nordrhein-Westfalen während einer Fachtagung seiner Organisation zum Thema "25 Jahre Psychiatriereform - was nun?" in Lengerich. In den letzten 25 Jahren sei allein in Westfalen-Lippe die Zahl der Klinikbetten in der Psychiatrie von 8600 auf 3400 abgebaut worden, ohne entsprechend ausreichende ambulante und teilstationäre Angebote zu schaffen. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Patientinnen und Patienten von 24 200 auf mehr als 40 000 gestiegen. Dadurch habe die Arbeitsbelastung der Beschäftigten enorm zugenommen. Landesfachbereichsleiterin Gesundheit (ver.di) Sylvia Bühler warnte vor einer "Drehtürpsychiatrie". Habe die Verweildauer vor wenigen Jahren noch bei 70 Tagen gelegen, so seien heute psychisch Kranke durchschnittlich nicht länger als 28 Tage in der Klinik. Das gefährde Therapieerfolge. Von der Landesregierung erwartet sie Initiativen zur "integrierten psychiatrischen Versorgung" mit allen Leistungsanbietern und einen Schub für die Nachwuchsförderung. "Sonst droht ein neuer Personalnotstand wie in den achtziger Jahren," befürchtet sie. Bei Arztstellen und in Krankenpflegschulen gingen die Bewerbungszahlen dramatisch zurück. Das Krankenhauspersonal in der Psychiatrie sei in den vergangenen 25 Jahren offen gewesen für die Reformbemühungen in der Psychiatrie, erinnerte die ver.di-Gesundheitsexpertin. Dieser Prozess - verbunden mit dem Strukturwandel in den Kliniken - dürfe nicht unterbrochen werden mit dem Hinweis auf knappe Kassen. Während der ver.di-Fachtagung in der Westfälischen Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie zogen Gesundheitsexperten, Psychiatrieerfahrene und ihre Angehörigen eine kritische Bilanz der Psychiatriereform. Zugleich diskutierten sie Perspektiven und über die Verbesserung von Kooperationen in ihrem Bereich.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 30.10.2001

Mit wenig Geld sinnvolle Psychotherapie nicht möglich

Berlin (ddp). Eine private Krankenversicherung, die psychotherapeutische Leistungen anbietet, darf diese nicht auf einen Höchstbetrag von 2.500 Mark begrenzen. Das entschieden die Richter des Oberlandesgerichts München (AZ: 29 U 4946/00), wie die Zeitschrift "Test" berichtet. In ihrer Begründung verwiesen sie darauf, dass mit so wenig Geld eine sinnvolle Therapie nicht möglich sei.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 03.12.2001

"Psychomarkt": Therapieangebote genau prüfen

Düsseldorf (dpa) - Wer psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen will, sollte die Angebote genau prüfen und sich vor unseriösen Therapeuten in Acht nehmen. Zwar sei die Mehrheit der auf dem "Psychomarkt" angebotenen Dienstleistungen nicht zweifelhaft, heißt es in dem jetzt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf veröffentlichten Ratgeber "Chance Psychotherapie". Dennoch könnten einige Psychotechniken seelische Schäden hervorrufen. Eher gegen die Seriosität eines Anbieters sprächen esoterisch-spirituelle oder von Sekten angebotene Praktiken, warnen die Experten. Skepsis sei angebracht, wenn schon vor der Behandlung große Versprechungen über die Wirksamkeit der Therapie gemacht würden. Zudem sollten hohe Kosten für die Behandlung kritisch hinterfragt werden. Der Ratgeber "Chance Psychotherapie" ist für 9,80 Euro (19,17 Mark) bei allen Verbraucherzentralen erhältlich. Er kann auch für zusätzlich 2 Euro (3,91 Mark) auch bestellt werden bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Zentralversand, Adersstraße 78, 40215 Düsseldorf (Tel.: 0180/500 14 33, Fax: 0211/380 92 35, E-Mail: publikationen@vz-nrw.de).

Quelle: Netdoktor.de vom 12.02.2002

Wohlfahrtsverbände: Sparmaßnahmen gefährden Patienten

Kassel (dpa) - Pflegedienste und Wohlfahrtsverbände sehen die Gesundheit ihrer Patienten gefährdet, weil die Krankenkassen immer weniger Geld für häusliche Pflege ausgeben. "Die Behandlungsdauer in den Krankenhäusern wird verkürzt, ohne das mit einer ausreichenden ambulanten Versorgung nach der Entlassung aufzufangen", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands privater Alten- und Pflegeheime und ambulanter Dienste, Bernd Tews, in einem dpa-Gespräch in Kassel. Seit 1995 seien die Pro-Kopf-Ausgaben der Kassen für die häusliche Krankenpflege um 70 Prozent zurückgegangen. Nach den im Mai 2000 verabschiedeten Richtlinien des Bundesausschusses Ärzte und Krankenkassen könnten zudem wichtige Maßnahmen von den Ärzten nicht mehr verschrieben werden, erklärte Tews. So werde etwa die Vorbeugung gegen Druckgeschwüre wegen des so genannten Durchliegens (Dekubitus) bei langer Bettruhe nicht mehr bezahlt. "Im Stadium, in dem das Durchliegen verhindert werden könnte, darf der Arzt keine Verordnung ausstellen - er muss so lange warten, bis das Schlimmste bereits passiert ist." Behinderte Kinder, die nicht alleine zur Toilette gehen können, seien früher mehrmals täglich ambulant mit Kathetern versorgt worden, um ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen. Auch das sei nach den neuen Richtlinien nicht mehr möglich, sagte Tews. Solche Einsparungen gefährdeten jedoch nicht nur die Gesundheit der Pflegebedürftigen, sondern auch das System der häuslichen Krankenpflege insgesamt. "Es gibt einen Trend, dass viele Einrichtungen schließen, weil sie sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben lassen." Damit stehe die flächendeckende Versorgung der Patienten auf dem Spiel. In den kürzlich ausgesetzten Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Pflegediensten über eine Bundesrahmenempfehlung für die häusliche Krankenpflege seien die Kassen zu keinen Zugeständnissen bereit gewesen. "Die haben alle Vorschläge unserer Spitzenverbände abgebügelt", berichtete Tews. "Wir fordern deshalb die Schaffung einer Schiedsstelle." Über die Probleme der häuslichen Pflege wollen die Bundesverbände der privaten Pflegedienste und freien Wohlfahrtspflege heute (Mittwoch) in Kassel beraten. Die Tagung ist die erste gemeinsame Veranstaltung der Verbände, die insgesamt rund 9000 Pflegedienste mit 450 000 Beschäftigten vertreten, zu diesem Thema. Beteiligt sind neben dem Bundesverband privater Alten- und Pflegeheime unter anderem die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz und das Diakonische Werk. (hk)

Quelle: Netdoktor.de vom 13.03.2002

Schizophrenie im Kino: Oscars gut fürs Verständnis

Frankfurt/Main (dpa) - Vier Oscars für den Hollywoodfilm "A Beautiful Mind" freuen nicht nur Filmfans, sondern auch Patienten und Mediziner. Filme wie dieser und "Das weiße Rauschen" - ein Film über einen schizophrenen Jugendlichen - könnten helfen, das falsche Bild von dieser Krankheit in der Gesellschaft ein wenig zu korrigieren, glauben Fachleute. Der Publikumszuspruch stimmt Betroffene und Behandelnde hoffnungsvoll: "Das ist ein gutes Signal", sagt Prof. Wolfgang Gaebel, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Düsseldorf und Vorsitzender des bundesweiten "Kompetenznetzes Schizophrenie". Wie realistisch diese Filme sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. "Sehr realistisch" sei das "Weiße Rauschen", lautete das Votum eines Schizophrenie-Patienten am Sonntag bei der Frankfurter Veranstaltung. "Zu stark überspitzt", fand ihn Achim K. aus München, der für den Bundesverband Psychiatrie- Erfahrener spricht. "Feinfühlig und kenntnisreich", urteilt Prof. Gaebel, auch wenn er als Arzt nicht ganz zufrieden ist: "Die Institution Psychiatrie kommt ja eher schlecht weg." Ebenso kontrovers fällt das Urteil zu "A Beautiful Mind" aus: Der Fachmann ist skeptisch: Um der Dramaturgie des Films Willen wurde zu viel harmonisiert und geschönt, sagt Prof. Gaebel. Der Düsseldorfer Schizophreniepatient Kalle lobte den Streifen. Auch die Mitglieder von Kalles Selbsthilfegruppe haben den Film "insgesamt als Ermutigung" erlebt. Trotz allen Gemäkels am Detail finden die Fachleute im Prinzip beide Filme gut: "Das ist schon ein Fortschritt, dass psychisch Kranke nicht immer Monster und Mörder sind", sagt Prof. Gaebel. "Das meiste, was der Volksmund über Schizophrenie weiß, ist falsch", sagt sein Ulmer Kollege Prof. Manfred Spitzer.

Quelle: Netdoktor.de vom 26.03.2002

Selbstbestimmte Vorsorge für den Krankheitsfall
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Düsseldorf (ddp-nrw). Nordrhein-Westfalens Justizminister Jochen Dieckmann (SPD) rät den Bürgern zu einer "Vorsorgevollmacht". Damit könne man entscheiden, wer von den Verwandten oder sonstigen Vertrauenspersonen im Krankheitsfall die eigenen Rechte wahrnehmen soll. Folgende Fragen sollte sich dem Ratschlag Dieckmanns zufolge jeder rechtzeitig stellen: Wer soll mein Vermögen verwalten und meine Bankgeschäfte erledigen? - Wer kümmert sich um meine persönlichen Wünsche und Bedürfnisse? - Wer soll für mich nötige ambulante Hilfen organisieren? - Wer sucht für mich gegebenenfalls einen Platz in einem Senioren- oder Pflegeheim und kündigt meine Wohnung? - Wer entscheidet bei Operationen und medizinischen Maßnahmen? - Welche Vorstellungen habe ich dazu? Die Vorsorgevollmacht sollte schriftlich abgefasst sein, die persönlichen Daten des Vollmachtgebers und des Bevollmächtigten sowie die Erklärung enthalten, für welche Angelegenheiten sie erteilt wird. Auch Anweisungen und Wünsche sollten darin enthalten sein.
http://www.justiz.nrw.de


Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 15.04.2002

Psychologen deuten aus Handschrift psychische Erkrankungen

Von den ddp-Korrespondenten Doris Marszk und Marcel Falk

Stuttgart (ddp). Als völligen Humbug und Kaffeeleserei pflegen Wissenschaftler die Graphologie zu beschimpfen. Sie verweisen dabei auf über 200 Studien, dass aus dem Schriftbild in keinster Weise die Persönlichkeit abgeleitet werden könne. Jetzt aber könnte sich die Lehre vom Handschriftendeuten auf einem neuen Gebiet wissenschaftliche Lorbeeren verdienen: in der Diagnose von psychischen Erkrankungen. In einem Forschungsprojekt an der Psychiatrischen Klinik der Universität München versuchen der Psychologe Roland Mergl und seine Kollegen aus der Handschrift den Stand psychischer Erkrankungen bei Depressiven oder Schizophrenen zu bestimmen. In den Tests müssen Patienten auf einem elektronischen Schreibtablett, das an einen Computer angeschlossen ist, verschiedene Zeichen- und Schreibaufgaben bewältigen. Die Schreibbewegungen werden dann mit einer speziellen Software analysiert.
Dieses Verfahren sei sehr sensitiv, sagte Mergl dem Stuttgarter Nachrichtendienst Wissen- schaft.de. Es registriere auch Bewegungsstörungen, die einem Menschen normalerweise nicht auffallen. Mit den Tests könnten etwa psychotische Schübe bei Depressiven erkannt werden. Die Forscher fanden heraus, dass Patienten in depressiven Phasen motorisch gehemmt sind und deshalb langsamer schreiben. In den fröhlicheren Lebensabschnitten dagegen führen Depressive den Stift so flink wie andere Menschen auch. Bei Schizophrenen aber sei das anders, erläutert Mergl. Ihr Schreiben ist durch auffallend repetitive Handbewegungen ständig von der Krankheit gezeichnet.
Auch Zwangsstörungen könnten sich über Schreibtests diagnostizieren lassen. Das Forscherteam um Paraskevi Mavrogiorgou, ebenfalls von der Universität München, fand bei Patienten mit Zwangsstörungen typische Handschriftenmuster. Diese schreiben demnach langsam, auffallend klein und mit gleichmäßigen Bewegungen. Die Merkmale eigneten sich sehr gut für eine Diagnose der Krankheit, sagen die Forscher. Das Schreiben sei für Patienten mit Zwangsstörungen gar typischer als die Symptome, die zurzeit für eine Diagnose verwendet würden. All diese Arbeiten seien aber keine Persönlichkeitsforschung, unterstreichen die Psychologen. Deuter von Charaktereigenschaften aus der Handschrift gelten in der Wissenschaft nämlich als Scharlatane. Argumente für diese Behauptung fanden Forscher in neuen Studien sogar im Gehirn.
Die Wissenschaftler um Michel Rijntjes am Universitätskrankenhaus Eppendorf in Hamburg etwa entdeckten im Denkorgan die Region des Schreibens, den so genannten posterioren parietalen Kortex. Diese Hirnregion ganz oben am Kopf steuert die Bewegungen beim Schreiben, egal ob man den Stift mit der Hand oder den Zehen führt. Aus dieser zentralen Steuerung der Schrift ist verständlich, warum jeder Mensch ein typisches, kaum veränderliches Schriftbild hat.
Das heißt aber noch lange nicht, dass sich aus der Schrift allgemeine Charaktereigenschaften ableiten lassen. Ganz im Gegenteil: Der posteriore parietale Kortex sei nämlich nur sehr locker mit den persönlichkeitsbildenden Regionen im Gehirn verbunden, sagen die Wissenschaftler. Im Schriftbild seien deshalb auch keine Charakterzüge versteckt. Damit bestätigen die Forschungen in Hamburg mehrere vorhergehende Studien, die gezeigt hatten, dass die in graphologischen Gutachten erörterten Eigenschaften kaum mit dem tatsächlichen Charakter der getesteten Person übereinstimmen. Dennoch ist die Graphologie nach wie vor weit verbreitet: Nicht wenige Unternehmen bitten etwa Bewerber um einen handschriftlichen Text, den sie dann vom Graphologen analysieren lassen. Und auch Volkes Meinung ist es, dass an der Graphologie was dran ist. Die Gründe für den Glauben vermuten kanadische Psychologen nun zu kennen. In Experimenten mit willkürlich verteilten Schriftproben und Charakterdeutungen fanden sie heraus, dass Probanden die Begriffe wie "klein", "gerade", "schwungvoll", "ausladend" oder "fahrig", mit denen man Schriftmerkmale bezeichnet, direkt auf Personen übertragen. So standen aufstrebende Schlaufen für Optimismus. Eine unregelmäßige Handschrift dagegen brachten die Probanden mit Depressionen in Verbindung. Große Schriften nahmen sie für Ichbezogenheit und aus kleinen Zeichen leiteten sie Bescheidenheit ab.
--> Literaturtipps zur Graphologie

Teut Wallner: Lehrbuch der Schriftpsychologie. Grundlegung einer systematisierten Handschriftendiagnostik. Taschenbuch, 136 Seiten, R. Asanger, Heidelberg 1998, ISBN: 3893343466

Bernhard Fetz, Klaus Kastberger, Wilhelm Hemecker: Handschrift. Profile, Bd.4, Taschenbuch, 138 Seiten, Zsolnay, Wien 1999, ISBN: 3552049479

Jochen Meyer: Dichterhandschriften. Von Martin Luther bis Sarah Kirsch. Gebundene Ausgabe, 235 Seiten, Reclam, Ditzingen 1999, ISBN: 3150104521

Manfred R. Hecker: Forensische Handschriftenuntersuchung. Gebundene Ausgabe, 399 Seiten, Kriminalistik, Heidelberg 1993, ISBN: 3783207924

Berufsverband geprüfter Graphologen/Psychologen e.V.
http://www.graphologie.de


Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 15.04.2002

Psychisch Kranke: Bündnis wehrt sich gegen Diskriminierung

München (dpa) - Ein breites Bündnis von Ärzten, Patienten und Angehörigen wehrt sich mit einer "Anti-Stigma-Kampagne" gegen die Diskriminierung psychisch kranker Menschen. Vor allem Schizophrenie-Patienten hätten mit erheblichen Vorurteilen in der Gesellschaft zu kämpfen, sagte Prof. Hans-Jürgen Möller, Direktor der psychiatrischen Klinik der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, am Mittwoch in München. Nach seinen Angaben erkranken in Deutschland rund 800 000 Menschen einmal in ihrem Leben an Schizophrenie, meist zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr. Fristlose Kündigungen oder Bürgerinitiativen gegen den Bau von Wohnungseinrichtung für psychisch Kranke wie in Starnberg seien häufige Formen der "grundgesetzwidrigen Diskriminierung", sagte Werner Kissling, Oberarzt der psychiatrischen Klinik der Technischen Universität München. Er ist Koordinator der bayerischen Aktionen des Anti-Stigma-Bündnisses, das einen "Stigma-Alarm" im Internet eingerichtet hat. Mit Hilfe dieses Instruments könne gegen die Diskriminierung psychisch Kranker vorgegangen werden. Eine Umfrage der Münchner Anti-Stigma-Aktion unter rund 1100 Privathaushalten ergab, dass sich 95 Prozent der Bevölkerung mehr Aufklärung über psychische Erkrankungen wünscht. Über 63 Prozent der jungen Männer und Frauen gaben an, keinen ehemaligen psychiatrischen Patienten zum Freund haben zu wollen. Dagegen wies Prof. Möller darauf hin, dass vor allem Schizophrene mit medikamentöser Behandlung und psycho-sozialer Betreuung wieder in die Gesellschaft und das Arbeitsleben integriert werden könnten. (ee)
Quelle: Netdoktor.de vom 03.04.2002

Ministerin: Psychisch Kranke nicht diskriminieren

München (dpa) - Ein Ende der Diskriminierung psychisch Kranker hat Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) gefordert. Sie begrüßte am Sonntag die Gründung der Bayerischen Anti-Stigma-Aktion (BASTA) und der Anti-Stigma-Aktion München (ASAM), die über die Schizophrenie aufklären wollen. Psychisch Kranke hätten nicht nur mit ihrer Erkrankung zu kämpfen, sondern würden auch im Privat- und Berufsleben ausgegrenzt, so Stewens. Damit werde die soziale Rehabilitation erschwert und die Rückfallwahrscheinlichkeit erhöht.

Quelle: Netdoktor.de vom 15.04.2002

Hirnscans sollen psychische Probleme verraten

Edinburgh (ddp). Zukünftig werden Menschen mit Verdacht auf Depressionen, Schizophrenie oder Altersvergesslichkeit möglicherweise nicht mehr zunächst einen Psychiater oder Psychologen aufsuchen, sondern einen Radiologen. Englische Forscher haben bei der Eröffnung eines Zentrums für "E-Wissenschaft" in Edinburgh Pläne für ein Diagnosesystem vorgestellt, das die Aussagekraft von Hirnscans soweit steigern soll, dass damit eine Vielzahl psychischer Krankheiten erkannt werden kann. Das System soll das Ergebnis eines Hirnscans mit dem Tomographen innerhalb von Sekunden mit weltweit gesammelten Daten vergleichen. Es teilt dem Arzt unter anderem mit, wie das Gehirn seines Patienten idealerweise aussehen sollte. Das ermögliche es Radiologen, selbst kleinste krankhafte Veränderungen am Gehirn zu bemerken, berichteten die Forscher.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 03.05.2002

Junge Spaßgesellschaft: Psychische Erkrankungen klettern

Hamburg (dpa) - Psychische Erkrankungen nehmen nach Auskunft der Krankenkasse DAK vor allem bei jungen Menschen dramatisch zu. Bei den 15 bis 29-Jährigen sei die Entwicklung alarmierend, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK), Eckard Schupeta, am Dienstag bei der Präsentation des DAK-Gesundheitsreports 2002 in Hamburg. Insgesamt sei die Zahl der Krankheitstage auf Grund psychischer Probleme wie Depressionen, Angst und Essstörungen von 1997 bis 2001 um mehr als die Hälfte (51 Prozent) gestiegen. Besonders ausgeprägt zeige sich dieser Trend bei den jungen Männern und Frauen. "Die Häufigkeit der Fälle weist hier ein überproportionales und alarmierendes Wachstum zwischen 70 und 90 Prozent auf", erklärte Schupeta. "Immer mehr junge Menschen reagieren offensichtlich mit psychischen Problemen auf Anforderungen im beruflichen und privaten Umfeld. Das ist die Schattenseite der Spaßgesellschaft." Daraus folge, dass die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen künftig "hohe gesundheitspolitische Priorität" haben müsse. "Die Analysen zeigen, dass seit 1997 sowohl die Krankheitsfälle als auch die Krankheitstage kontinuierlich zugenommen haben", erläuterte Schupeta. Nach Auskunft des Gesundheitsreports blieb der Krankenstand 2001 insgesamt unverändert. Er lag wie in den beiden Vorjahren bei 3,5 Prozent. Nach wie vor fallen regionale und branchenbezogene Unterschiede auf, hieß es weiter: Baden-Württemberg habe den niedrigsten Krankenstand (2,9 Prozent) und Berlin den höchsten (4,8 Prozent). Insgesamt liege der Krankenstand in den neuen Bundesländern über den Werten im Westen. Bei den Branchen gibt es nach wie vor in der öffentlichen Verwaltung den höchsten Krankenstand (4,1 Prozent). Wirtschaftsprüfer und Rechtsberater hätten dagegen mit 2,2 Prozent die wenigsten Fehltage wegen Krankheit.

Quelle: Netdoktor.de vom 05.06.2002

Soziotherapie soll psychisch Kranke motivieren

(naps/rh/sp). Schwer psychisch Kranke sind häufig nicht in der Lage, die erforderlichen medizinischen Hilfen zu akzeptieren und selbständig in Anspruch zu nehmen. Soziotherapie nach § 37a SGB V soll hier den Betroffenen entgegenkommen. Die Durchführung im ambulanten Bereich regelt seit Januar 2002 ein Papier des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen unter dem Titel "Soziotherapie-Richtlinien", veröffentlicht im Bundesanzeiger Nr. 217 (S. 23735) vom 21.11.2001.
Demnach kann eine durch die Krankenkasse genehmigte Soziotherapie verordnet werden, "wenn dadurch Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt wird oder wenn diese nicht ausführbar ist". Die Verordnung dürfen nur Ärzte vornehmen, die "die Gebietsbezeichnung Psychiatrie oder Nervenheilkunde" führen. Notwendig ist deren Erklärung über "die Kooperation in einem gemeindepsychiatrischen Verbund oder in vergleichbaren Versorgungsstrukturen".
Zweifelsfrei können andere Vertragsärzte den Patienten überweisen. Nimmt der Patient diese Überweisung nicht selbständig in Anspruch, kann der überweisende Arzt einen soziotherapeutischen Leistungserbringer per Verordnung hinzuziehen. Ziel ist die Motivierung des Patienten, die Überweisung wahrzunehmen.
Das Gesamtkontingent der Soziotherapie beträgt bis zu 120 Stunden je Krankheitsfall innerhalb eines Zeitraumes von drei Jahren. Anspruchsberechtigt sind vor allem Personen mit einer schweren Erkrankung aus den Bereichen des schizophrenen Formenkreises oder einer depressiven Episode mit psychotischen Symptomen. Hinzukommen als besonderes Kennzeichen der Erkrankungen die "Fähigkeitstörungen", wie z.B. die "Beeinträchtigung durch Störung des Antriebs, der Ausdauer und der Belastbarkeit, oder die "mangelnde Compliance im Sinne eines krankheitsbedingt unzureichenden Zugangs zur eigenen Krankheitssymtomatik und zum Erkennen von Konfliktsituationen und Krisen".
Soziotherapie findet im sozialen Umfeld der Betroffenen statt und unterstützt einen Prozess zur Förderung von sozialer Kompetenz und einen besseren Umgang mit der Erkrankung. Dabei analysiert der Leistungserbringer nicht nur die häusliche, soziale und berufliche Situation des Patienten, er kann auch Familienangehörige, Freunde und Bekannte zur Unterstützung einbeziehen. Außerdem soll der Leistungserbringer nach einem soziotherapeutischen Betreuungsplan die Inanspruchnahme ärztlicher Behandlung und verordneter Leistungen für den Patienten koordinieren. Um die Therapieziele zu erreichen, kann Soziotherapie auch den Patienten an komplementäre Dienste heranführen. Außerdem soll sie Patienten motivieren, diese Leistungen überhaupt in Anspruch zu nehmen.
Besonders wichtig: Soziotherapie leistet aufsuchende Hilfe in Krisen- und Notsituationen. Sie umfasst sowohl aktive Hilfe und Begleitung als auch Anleitung zur Selbsthilfe. Dabei soll Soziotherapie den Patienten zur Selbständigkeit anleiten und ihn so von der soziotherapeutischen Betreuung unabhängig machen.

Anmerkung
Suchtkranke und gerontopsychiatrische Patienten, aber auch Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen werden in den Richtlinien nicht berücksichtigt. Zudem vermindere die Festlegung eines Schweregrades der Fähigkeitsstörungen von höchstens 40 Prozent die Zahl potentieller Klienten um mehr als die Hälfte, so Experten. Nach dem Dokument "Gemeinsame Empfehlungen der Spitzenverbände der Krankenkassen gemäß § 132b Abs. 2 SGB V zu den Anforderungen an die Leistungserbringer für Soziotherapie" (Fassung vom 29. November 2001) sind als Fachkräfte Diplom-Sozialarbeiterlnnen/-Sozialpädagoglnnen und Fachkranken- schwester/-Pfleger für Psychiatrie vorgesehen. Sie müssen mindestens über eine dreijährige psychiatrische Berufspraxis verfügen, davon mindestens ein Jahr in einem allgemeinpsychiatrischen Krankenhaus mit regionaler Versorgungsverpflichtung sowie ein Jahr in einer Einrichtung der ambulanten sozialpsychiatrischen Versorgung. Ein unabdingbares Muss ist die Fortbildung. Nicht vorgesehen ist ein Gesundheitsberuf "Soziotherapeut" mit eigenem Ausbildungsprofil.

--> Informationen zur Soziotherapie, Richtlinien, Empfehlungen:

http://www.lichtblick-newsletter.de/thesozio.html

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 19.08.2002

Mutig: Mehr Männer zu Psychotherapie bereit

Köln (dpa) - Die Bereitschaft der Männer zu einer Psychotherapie wächst nach Angaben der Informations- und Beratungsstelle für Psychotherapie. Im Jahr 2001 hätten doppelt so viele Männer Therapieplätze nachgefragt wie noch im Vorjahr. Das berichtete der Förderverein Psychologie und Gesundheit NRW am Freitag zum zehnjährigen Bestehen der Kölner Beratungsstelle, ohne genaue Zahlen anzugeben. Existenzängste und massive Sorgen rund um den Arbeitsplatz stünden im Vordergrund der Rat suchenden Männer. Insgesamt sei die Zahl der Hilfesuchenden jährlich gewachsen. Sie belaufe sich auf mehrere Tausend seit Bestehen der Beratungsstelle. Diese helfe kostenlos etwa bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten oder bei Konflikten mit den Krankenkassen.

Quelle: Netdoktor.de vom 07.09.2002

Verband kritisiert: Psychisch Kranke oft falsch betreut

Stuttgart (dpa) - Chronisch psychisch Kranke werden nach Ansicht von Experten häufig in den falschen Einrichtungen betreut. Viele seien etwa in Heimen untergebracht, obwohl sie bereits selbstständiger in Wohngemeinschaften leben könnten, sagten Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) am Dienstag in Stuttgart im Vorfeld der Jahrestagung. Die Kranken sollten so viel wie möglich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, forderte der baden-württembergische DGSP-Landesvorsitzende Klaus Obert. Vom (kommenden) Donnerstag an treffen sich rund 350 Mitglieder der Gesellschaft zu einer dreitägigen Konferenz in Stuttgart. Vor allem eine getrennte Finanzierung von ambulanten und stationären Wohnangeboten sei problematisch, sagte Obert. Wenn zum Beispiel das Geld für die Unterbringung aus verschiedenen Töpfen stamme, werde ein Wechsel der Patienten von einer Wohnform in die andere häufig unnötig erschwert. Obert forderte Landeswohlfahrtsämter und sozialpsychiatrische Einrichtungen auf, die gesellschaftliche Einbindung der Patienten in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. Bundesweit leben nach Schätzungen von Wissenschaftlern bis zu 800 000 psychisch Kranke in rund 11 000 Heimen. Da aber keine genauen Zahlen vorliegen, soll auf der Jahrestagung eine Heim-Enquete- Kommission des Bundestages zur Erhebung wichtiger Daten gefordert werden. Wohnungsnot und mangelhafte Abstimmung gemeindepsychologischer Dienststellen sind Obert zufolge weitere Schwierigkeiten bei der Betreuung psychisch Kranker. Er schilderte den Fall einer Patientin, die in Stuttgart aus dem Krankenhaus direkt in die Obdachlosigkeit entlassen werden musste, weil keine Unterkunft für sie zu finden war. Die Frau lebe seit einer Woche auf der Straße, sagte Obert.

Quelle: Netdoktor.de vom 13.11.2002


Virtuelle Beratungsstelle bietet Hilfe bei psychosozialen Problemen

Berlin (ddp-bln). Die vor einem Jahr vom Berliner Paritätischen Wohlfahrtsverband und einer Internetagentur eröffnete virtuelle Beratungsstelle für psychosoziale Probleme erfreut sich wachsenden Zuspruchs. Die Homepage www.das-beratungsnetz.de habe sich "rasant" entwickelt, sagte Projektleiter Edgar van Eckert von der Berliner Internetagentur zone 35 new media der Nachrichtenagentur ddp. Ende 2001 seien 20 Organisationen an dem Projekt beteiligt gewesen, gegenwärtig bereits rund 40. Anfang 2003 soll ihre Zahl weiter steigen. Zudem suchten immer mehr Menschen auf diesem Weg Hilfe. 1200 Beratungen habe es seit November 2001 gegeben. Im Monat würden 100 000 page views registriert.
Die virtuelle Beratungsstelle bietet Hilfe bei vielen Problemen, darunter Mobbing, sexueller Missbrauch, Essstörungen, Stress mit den Eltern oder Depressionen. Der Wohlfahrtsverband greift dabei auf die Erfahrungen seiner Mitgliedsorganisationen zurück. An dem Projekt beteiligt sind beispielsweise Pro Familia, die Berliner Aidshilfe oder das Drogenhilfeprojekt Fixpunkt. Sie bieten nach Terminvergabe Chat- oder E-Mail-Beratung an. Die Nutzer können aber auch im "virtuellen Wartezimmer" miteinander reden. Regelmäßig moderierte Themenchats mit Experten ergänzen das Angebot.
Über das Internet werden vor allem jüngere Menschen angesprochen, aber auch Ratsuchende, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Van Eckert zufolge sind 64 Prozent der Nutzer jünger als 26 Jahre. 70 Prozent der Ratsuchenden sind Frauen. Finanziert wird das den Angaben zufolge in Deutschland einmalige Projekt aus Geldern der Soziallotterie Stiftung Deutsches Hilfswerk. Dafür werden unter anderem die Mitarbeiter für die Onlineberatung qualifiziert.
http://www.das-beratungsnetz.de

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 26.11.2002


Mit psychisch Kranken leben - selbstbewusst und solidarisch

Abstract von U. Brand (Konstanz)

Als Selbsthilfeverband der Familien in der Psychiatrie hat sich der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. in diesem Jahr ein neues Leitbild gegeben. Zentrales Anliegen dabei ist, noch offensiver und vor allem effektiver Sachwalter zu sein für die Interessen von Menschen mit seelischen Störungen und ihrer Familien, die dabei stets Mitbetroffene sind. Wesentliches Antriebsmoment zur Gründung des Bundesverbandes der Angehörigen psychisch Kranker schon 1985 war die Zielsetzung, als Selbsthilfeorganisation "der Diskriminierung von Angehörigen und Patienten auf allen Ebenen entgegen zu wirken". Aufgeklärte und selbstbewusste Familien - psychisch Kranke und ihre Angehörigen -, die ihre Rechte kennen und Hilfe einfordern, sind dabei selbst die wichtigsten "Träger" dieser Botschaft.Vorgestellt werden die unterschiedlichsten Aktivitäten von Seiten der Familien, die oft nur in Zusammenarbeit mit Weggefährten und Partnern möglich sind.

Öffentlichkeitsarbeit:
- Mitherausgeber der Psychosozialen Umschau; Herausgeber eines Leitfadens für Angehörige; Pressebüro in Berlin.
- Vergabe eines Journalistenpreises "Schizophrenie und Stigma".
- Beteiligung als Kooperationspartner an der ZDF-Aktion "anders gleich sein".
Aufzeigen von Defiziten im psychiatrischen Versorgungssystem:
- Sammeln von Unterschriften zugunsten einer von Leistungen der Sozialhilfe unabhängigen Existenzsicherung für chronisch psychisch kranke Menschen
- Abgabe von Stellungnahmen ("25 Jahre Psychiatrie-Enquete", Sozialgesetzbuch (SGB) Neuntes Buch, Gleichstellungsgesetz).
Interessenvertretung gegenüber Parlament und Regierung:
- Erarbeiten von Wahlprüfsteinen zur Bundestagswahl 2002: Ein wesentlicher Prüfstein für uns ist die Bereitschaft der Parteien, Entstigmatisierung psychischer Krankheit aktiv zu fördern und die Einbeziehung der Familien in Entstigmatisierungsprogramme zu unterstützen. Grund für die soziale Diskriminierung und Ablehnung psychisch Kranker und ihrer Familien sind häufig unzureichende Versorgungsstrukturen. Mit unseren Aktivitäten wollen wir diesen verhängnisvollen Kreislauf wo immer möglich durchbrechen.

Weiterführende Informationen:
http://www.bapk.de

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 20.12.2002


Interventionen zum Abbau von Stigma auf Grund psychischer Erkrankungen

Abstract von W. Rössler, C Lauber (Zürich, CH)
Die der WPA initiierte Kampagne gegen die Diskriminierung und Stigmatisierung Schizophreniekranker hat weltweit große Resonanz gefunden
und diesbezüglich Aktivitäten ausgelöst. Gleichwohl ist unverkennbar, dass inzwischen auch eine gewisse Ernüchterung eingetreten ist. Trotz des intuitiv ansprechenden Konzeptes besteht weiterer Klärungsbedarf, wie und wo Diskriminierung stattfindet, um differenzierter intervenieren zu können. Darüber hinaus ist unverkennbar, dass von den beteiligten Interessengruppen unterschiedliche Interventionsstrategien favorisiert werden.
Im Kern gibt es drei wesentliche Interventionsstrategien:
1. Informationsvermittlung
2. Kontaktherstellung
3. Protest.

Um auf eine breitere Öffentlichkeit oder auch bestimmte Zielgruppen einwirken zu können, bedarf es allerdings zukünftig auch genauerer Kenntnisse über Laienvorstellungen zu psychischen Störungen oder speziell zur Schizophrenie und ihrer Behandlungsmöglichkeiten. Die verschiedenen Interventionsansätze werden vor dem Hintergrund eigener Forschungsarbeiten dargestellt und diskutiert.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 20.12.2002


Früh-Erkennungs & Therapie-Zentrum

(naps). Hauptanliegen des Kölner Früh-Erkennungs- & Therapie-Zentrums für psychische Krisen (FETZ) ist, Menschen, die eine psychotische Störung entwickeln, frühzeitig ein adäquates Hilfsangebot zu unterbreiten, um ein Fortschreiten der Erkrankung und negative soziale Folgen zu vermeiden. Zusätzlich bietet FETZ im Internet unter http://www.fetz.org umfassende Aufklärungsinformationen. Die Rubrik "Öffentlichkeitsarbeit" stellt Materialien für Betroffene und Angehörige zur Verfügung.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 03.03.2003


Tagesklinik: Für psychisch Kranke oft besser

Münster (dpa) - Psychisch Kranke können oft effektiver und günstiger in Tageskliniken behandelt werden als stationär. Das sagte der Direktor der psychiatrischen Tagesklinik am Klinikum der Universität Münster, Volker Arolt, am Montag anlässlich ihres 25- jährigen Bestehens in Münster. Ein Tagesklinikplatz koste bis zu 40 Prozent weniger als ein Platz auf einer Psychiatrie-Station. Kranke könnten in Tageskliniken ihren Alltag realitätsnah gestalten. Das verhinderte beispielsweise, dass sie familäre Kontakte verlören.

Quelle: Netdoktor.de vom 25.03.2003



Neue Therapiekonzepte bei psychischen Erkrankungen

Besucherrekord - Hörsaal platzte aus allen Nähten

(naps). Der Hörsaal im Zentrum für Nervenheilkunde der Universität Rostock platzte mit nahezu 250 Interessenten fast aus allen Nähten, als die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Professorin Dr. med. Sabine Herpertz die Tagung "Neue Therapiekonzepte bei psychischen Erkrankungen" eröffnete.

"Diese rege Teilnahme bestätigt das Interesse an einer engen Zusammenarbeit zwischen den Trägern der psychiatrischen Versorgung, den Psychiatrieerfahrenen und ihren Angehörigen." Kein Wunder, initiierten doch erstmals Verbände aus Psychiatrie und Selbsthilfe und die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Rostocker Universitätsklinikum diese Jahrestagung. Professorin Herpertz erwähnte ausdrücklich, dass sie bereits bei der Übernahme der Klinik im Februar auch von Mitgliedern der Selbsthilfe herzlich begrüßt worden sei. Daher ist es nur konsequent, auch in dieser Form den Austausch fortzusetzen.

Wer sich mit Krankheit auseinandersetzt,
kann sein Leben beeinflussen

Aus Herpertz Sicht sei es wichtig, dass die Betroffenen so gut wie möglich über ihre Erkrankung informiert werden. "Denn wer selbst zum 'Spezialisten' wird, hat viel bessere Möglichkeiten, die eigene Krankheit zu bewältigen und sein Leben zu planen." Zugleich bezeichnete sie die vom Leipziger Verein Irrsinnig Menschlich ins Leben gerufene Antistigmaaktion in Schulen "als beispielhaft". Fest stand schon vor der Tagung: Nach den Vorstellungen der Selbsthilfeverbände sollen die Leipziger Erfahrungen auch in Mecklenburg-Vorpommern Schule machen. Immerhin, die Veranstalter konnten die Projektleiterin Dr. Manuela Richter-Werling für die nachmittägige Podiumsdiskussion gewinnen. Doch zuvor wandten sich die Referenten aus der Psychiatrie an die Teilnehmer im Auditorium.

Unter dem Motto: "Mehr Wissen über psychische Krankheiten, weniger Vorurteile, bessere Behandlungserfolge" haben wir hier auf diesen Seiten die erste gemeinsame Jahrestagung zusammengefasst.

Für Interesse sorgte am Rande der Tagung ein Basar mit Handarbeiten, Kunstwerken, Kalender, ein Büchertisch und Informationen zu Projekten verschiedener Trägervereine. Zum Besucherandrang sagte Ulrike Schob, Vorsitzende der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie, Landesverband M-V: "Mit einer solchen Resonanz haben wir nicht gerechnet. Doppelt so viele Besucher hätten es sein können. Leider mussten wir die 'Anmeldeflut' etwas eindämmen. Die Aufklärungsreihe wird 2004 fortgesetzt."

Fazit: Psychische Krankheiten sind kein Phantom! Unbehandelt beeinträchtigen sie die Befindlichkeit und Lebensqualität der Betroffenen in einem hohem Maße. Medikamente, Psychotherapie, sozialtherapeutische Maßnahmen und Entstigmatisierungsprogramme (in der Psychiatrie und Selbsthilfe) können die Situation verbessern und neue Lebensperspektiven eröffnen. Für die Krankheitsbewältigung besonders wichtig: Die moderne Psychiatrie arbeitet mit Selbsthilfe- und Angehörigengruppen zusammen. Beide Seiten "profitieren" davon. (Roland Hartig)

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 24.12.2003


Nehmen Zwangsunterbringungen zu?

Laut einer von der Europäischen Kommission geförderten Studie (H. Dreßing/H.J. Salize) unterscheiden sich die Zwangsunterbringungsraten (Zahl der Zwangseinweisungen psychisch Kranker pro 100 000 Einwohner) und die Zwangsunterbringungsquoten (Anteil der Zwangseinweisungen an allen stationärpsychiatrischen Aufnahmen) in den EU-Mitgliedsstaaten erheblich. Die Spanne der Zwangsunterbringungsraten reicht von 6 pro 100 000 Einwohner
(Portugal) bis 218 pro 100 000 Einwohner (Finnland) und die Zwangsunterbringungsquoten reichen von 3,2 Prozent (Portugal) bis 30 Prozent (Schweden).

In einigen Ländern findet sich ein deutlicher Anstieg der Zwangsunterbringungsraten in den letzten Jahren, wohingegen in keinem der Länder ein relevanter Anstieg der Zwangsunterbringungsquoten festgestellt werden konnte. Schlussfolgerung: Die relativ stabilen Zwangsunterbringungsquoten deuten darauf hin, dass es nicht zu einer tatsächlichen Zunahme von Zwangsmaßnahmen in der psychiatrischen Praxis gekommen ist. Zunehmende Zwangsunterbringungsraten scheinen vielmehr eine veränderte psychiatrische Behandlungspraxis mit kürzeren Verweildauern und häufigeren Wiederaufnahmen widerzuspiegeln. (Quelle: Das Gesundheitswesen
2004; 66: 240 - 245)

Weiterführende Literatur: Harald Dreßing, Hans-Joachim Salize, Zwangsunterbringung und Zwangsbehandlung psychisch Kranker, Gesetzgebung und Praxis in den Mitgliedsländern der EU, Forschung für die Praxis / Hochschulschriften, Bonn 2004, ISBN 3-88414-363-8, 260 Seiten.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 20.08.2004


Seelisches Tief: Keine Angst vor dem Psychiater

Frankfurt/Main (dpa) - Menschen mit seelischen Problemen sollten nach Ansicht von Verbraucherschützern keine Scheu vor einer Psychotherapie haben. Wenn Gefühle wie Niedergeschlagenheit, Unruhe oder Angst länger andauern, kann das ein Hinweis auf ernste Probleme sein, erläutert die Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt. Es könne dann sinnvoll sein, sich professionelle Hilfe zu suchen und gegebenenfalls in eine psychotherapeutische Behandlung zu begeben. Über den Therapieverlauf, die richtige Auswahl eines Therapeuten sowie über die Behandlungskosten informiert ein neuer Ratgeber der Verbraucherzentrale. Das Heft «Chance Psychotherapie» kostet 11,80 Euro. Erhältlich ist die Broschüre bei der Verbraucherzentrale Hessen, Große Friedberger Straße 13-17, 60313 Frankfurt (Tel.: 069/97 20 10 30, E-Mail: infodienst@verbraucher.de).

Quelle: Netdoktor.de vom 27.08.2004


Bestätigt: Psychoanalytisch orientierte Therapien wirksam

Göttingen (dpa) - Göttinger Forscher haben nach eigenen Angaben den Nachweis für den Erfolg der psychoanalytisch orientierten Therapie bei zahlreichen Krankheiten erbracht. Dazu haben sie mit einer so genannten Meta-Analyse eine Vielzahl von anerkannten Studien ausgewertet, teilte die Universität Göttingen am Montag mit. Danach hilft psychoanalytisch orientierte Therapie unter anderem bei Angststörungen, Suchterkrankungen, depressiven oder Ess-Störungen ähnlich gut wie die Verhaltenstherapie.

Quelle: Netdoktor.de vom 18.01.2005



Seelengesundheit: Mehr Verständnis für psychisch Kranke

Potsdam (ddp). Anlässlich des «Internationalen Tages der seelischen Gesundheit» am Montag werben Politiker um mehr Verständnis im Umgang mit psychisch kranken Menschen. «Psychische Erkrankungen unterliegen in unserer Gesellschaft immer noch einem Stigma», sagte Brandenburgs Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler am Sonntag in Potsdam. Die Abwertung seelischer Probleme gegenüber körperlichen Krankheitsbildern beruhe auf Vorurteilen. Zudem herrsche Unwissenheit darüber, wie psychische Störungen verlaufen, welche Chancen zur Behandlung bestehen und wie ein Leben mit dauerhaften psychischen Einschränkungen positiv bewältigt werden kann. Ziegler fügte hinzu, dass die meisten Menschen mit einer psychischen Erkrankung heute wirksam behandelt und ihre Leiden zumindest gemildert werden können. In der ambulanten psychiatrischen Versorgung besteht nach den Worten von Ziegler noch Verbesserungsbedarf. Die Versorgungssituation sei regional sehr unterschiedlich. Lange Anfahrtswege bis zur nächstgelegenen Nervenarztpraxis und Wartezeiten für Patienten und Angehörige seien leider keine Seltenheit. Vor allem in der ambulanten Kinder- und Jugendpsychiatrie sei die Situation in mehreren Regionen unbefriedigend. Ziegler betonte, die gesellschaftliche Eingliederung von psychisch Erkrankten gelinge nur, wenn vor Ort geeignete Hilfen und Angebote für die Betroffenen vorhanden seien. In diesem Zusammenhang verwies die Ministerin auf Wohn- und Tagesstätten, ambulant betreute Wohnformen und die Kontakt- und Beratungsstellen. Vor allem durch eine stärkere Vernetzung der sozialpsychiatrischen Angebote und Hilfen auf kommunaler Ebene könnten deren Wirksamkeit erhöht und gemeindepsychiatrische Verbünde geschaffen werden.

Quelle: Netdoktor.de vom 10.10.2005


Förderung unabhängiger Beschwerdemöglichkeiten in der Psychiatrie
Ein Projekt der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V.

(pm, dgsp). 30 Jahre nach der Psychiatrie-Enquète in Deutschland ist es für psychisch erkrankte Menschen immer noch schwierig, ihre Rechte als Patienten oder als Nutzer sozialpsychiatrischer Hilfen durchzusetzen.
Bundesweit gilt zum Beispiel für Psychiatrie-Patienten ein eingeschränktes Recht zur Einsicht in ihre Krankenakten, das sonst allen Patienten gewährt wird. Dabei geht es hier ausschließlich um objektive Feststellungen über den Gesundheitszustand sowie Aufzeichnungen über Umstände und Verlauf der Behandlung.
Schließen psychisch erkrankte Menschen eine Patientenverfügung für den Fall einer Einweisung in eine psychiatrische Klinik ab, in dem sie selbst nicht zu einer Willens-Äußerung fähig sind, ist diese für die behandelnden Ärzte nicht bindend. Psychisch kranke Menschen können im Gegensatz zu somatisch erkrankten Patienten nur in wenigen Kliniken in Deutschland eine medikamentöse Behandlung ablehnen. Ein Verweis auf mangelnde momentane Einsichtsfähigkeit oder gar der Hinweis darauf, dass eine Ablehnung von Medikamenten die besondere Schwere der Erkrankung charakterisiert, ist typisch für die Verfahrensweise von Psychiatern, wenn es darum geht, eine Zwangsmedikation zu rechtfertigen.

Auch die Angehörigen werden oft eher als lästige Anhängsel denn als wichtige Partner im Gesundheitsprozess angesehen. Beschwerden von Angehörigen werden von Psychiatrie-Mitarbeitern als Zeichen von Überbehütung oder gar als krankheitsverursachend eingeschätzt, weshalb eine konstruktive Auseinandersetzung mit Beschwerden häufig vermieden wird. Für Mitarbeiter in psychiatrischen Einrichtungen ist es aufgrund des ökonomischen Drucks immer schwerer, Kritik an der Behandlung intern anzubringen. Sie benötigen unabhängige Unterstützung, um Missstände aufzudecken.

Zusätzlich zu einer bundesweiten Ungleichbehandlung kommen 17 unterschiedliche Landesgesetze zur Unterbringung psychisch Kranker und Landespsychiatriepläne. Diese differieren zum Teil erheblich in der behördlichen Zuständigkeit für eine Unterbringung oder in der Einschränkung der Persönlichkeitsrechte im Falle einer Unterbringung wie auch für die Möglichkeit der Beschwerde.

Psychiatrie-Erfahrene mischen sich ein

Im Laufe der letzten Jahre wurden Psychiatrie-Erfahrene und Angehörige immer aktiver und mischten sich in die Entwicklung der psychiatrischen Behandlung ein. Mittlerweile ist der Gedanke des Trialogs, also des Austauschs zu psychiatrischen Themen von Betroffenen, Angehörigen und Profis auf gleicher Augenhöhe, aus der Sozialpsychiatrie nicht mehr wegzudenken. In der psychiatrischen Öffentlichkeit ist es selbstverständlich, vom psychisch Erkrankten als Experten in eigener Sache zu sprechen. Menschen mit einer psychischen Erkrankung erleben häufig gesunde und kranke Zustände in sich abwechselnden Phasen. So gelingt es ihnen, die Krankheitsphasen im Nachgang durchaus objektiv zu beurteilen.

Besonders ärgerlich ist es für Betroffene, wenn sie in der Kritik an ihrer Behandlung nicht ernst genommen werden. Dabei sind es in der Regel nicht die großen Rechtsverletzungen über die sie klagen, sondern eher das Zwischenmenschliche, an dem es hapert. Psychisch Kranke werden nicht "für voll genommen". Sie sind verrückt, nicht in der Lage, Situationen objektiv einzuschätzen, eingeschränkt in ihrer Wahrnehmung. Demgegenüber steht medizinisches oder auch sozialpsychiatrisches Fachpersonal, das per se die "richtige", dem Fall angemessene, Behandlungsweise kennt. Oder die Handlungsweise durch den Hinweis auf finanzielle Einschränkungen und dadurch bedingte Personalknappheit als alternativlos hinstellt. Und sie deshalb auch im Nachhinein nicht kritisch hinterfragt oder rechtfertigt. Nur sehr selten wird den Betroffenen im Nachgang erklärt, warum die ergriffene Zwangsmaßnahme in der Situation angemessen erschien und um Verständnis gebeten. Genau das aber wäre ein Schritt in Richtung Akzeptanz der Persönlichkeit des Betroffenen.

Empowerment durch die Unterstützung bei Beschwerden

Eine aktive Beteiligung der Patienten an ihrer Gesundung z. B. durch Selbsthilfegruppen wird sowohl vom Bundesgesundheitsministerium als auch von den Krankenkassen gefordert. Als Folge einer sozialpsychiatrischen Sichtweise auf den Umgang mit psychisch erkrankten Menschen und im Zuge der Einführung von Qualitätskriterien für Einrichtungen der (Sozial-)Psychiatrie wurde es unabdingbar, Beschwerdemöglichkeiten speziell für Anliegen aus der Psychiatrie einzurichten. Hier ist zu unterscheiden zwischen institutionellen und unabhängigen Beschwerdemöglichkeiten. In jeder Einrichtung gibt es ein hierarchisch geordnetes System, sich mit Beschwerden zu befassen und auseinanderzusetzen. Dabei wird mit den eingereichten Beschwerden unterschiedlich intensiv umgegangen.

Jedes Heim sollte nach § 10 Absatz 1 Heimgesetz einen Heimbeirat beherbergen, in dem sich Heim-Bewohner um die Anliegen der Mitbewohner kümmern.
Nach den Landeskrankenhausgesetzen wirken Patientenfürsprecher (manchmal auch Ombudsleute genannt) für jedes Krankenhaus oder gemeinsam für mehrere Krankenhäuser in ehrenamtlicher Arbeit. Sie sind dabei mehr oder weniger unabhängig. Sie prüfen Anregungen und Beschwerden der Patienten und vertreten auf Wunsch deren Anliegen gegenüber dem Krankenhaus. Sie halten Sprechstunden in vom Krankenhaus zur Verfügung gestellten oder auch außerhalb der Klinik gelegenen geeigneten Räumlichkeiten ab, auf die die Patienten aufmerksam gemacht werden. Patientenfürsprecher können sich im Auftrag des Patienten jederzeit unmittelbar an die Krankenhausleitung, den Krankenhausträger und die zuständigen Behörden wenden. Da Patientenfürsprecher oft keine Erfahrung mit der Psychiatrie haben, wird ihnen mitunter ein Beschwerdebeirat zur Seite gestellt, der aus mehreren Fachleuten besteht, die sie bei Bedarf zu Rate ziehen können. PatientInnenstellen existieren in 14 Städten der Republik. Sie dienen als Beschwerde- und Beratungsstelle für Patienten aller Fachrichtungen und erstellen Informationsmaterialien über Patientenrechte und Dokumentationen zu eklatanten Fehlbehandlungen.

In manchen Bundesländern haben sich Ombudsstellen gebildet, die sich als Beschwerdeannahme- und Vermittlungsstelle für Psychiatrie-Erfahrene und ihre Angehörigen verstehen und in der Regel mindestens trialogisch besetzt sind. Die Mitglieder der Ombudsstellen arbeiten ehrenamtlich.

Unabhängige Beschwerdestellen für Psychiatrie gibt es noch nicht flächendeckend. Sie kommen auf sehr unterschiedliche Weise zustande.
Zum einen werden sie von staatlicher Seite eingerichtet, zum anderen werden sie auf private Initiative von Betroffenen, Angehörigen, Mitarbeitern in der Psychiatrie oder sonstigen Berufsgruppen gegründet. Die zweite Alternative arbeitet in der Regel im Rahmen eines gemeinnützigen Vereins. Mitarbeiter der Beschwerdestellen hören sich die Beschwerden an, vermitteln zwischen den Parteien und leiten Beschwerden an Stellen weiter, die sich quasi von Amts wegen darum kümmern müssen. Sie nehmen die Anliegen der Betroffenen ernst, haben aber in der Regel so viel Erfahrung, dass sie zwischen berechtigten und unberechtigten Beschwerden unterscheiden können.
Idealerweise sind sie trialogisch besetzt und diskutieren die Beschwerden auch aus dieser Perspektive.

Mit Beschwerden befasst sich auch die Besuchskommission

In den jeweiligen Landespsychiatrieplänen ist ihre Zusammensetzung sowie der Zuständigkeitsbereich geregelt. Meistens wird eine Besuchskommission von einem Facharzt geleitet. Weitere Mitglieder kommen aus dem Betroffenen-, Angehörigen- oder Mitarbeiterkreis. Die Besuchskommission kontrolliert selbstständig psychiatrische Kliniken oder andere psychiatrische Einrichtungen und befragt Patienten, Mitarbeiter oder Bewohner eigenständig. Sie ist in ihrem Auftreten unabhängig, durch die Regelung im Landespsychiatrieplan aber doch wiederum von der Landesregierung abhängig. Die Besuchskommissionen erstellen öffentlich zugängliche Berichte über ihre Tätigkeit.

Beschwerdekommissionen für Beschwerden aus der Psychiatrie gibt es nur wenige in Deutschland, so z.B. im Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Diese ist zusammengesetzt aus Mitgliedern des
Gesundheits- und Krankenhausausschusses des Landschaftsverbandes und beschäftigt sich mit Beschwerden über Kliniken des Landschaftsverbandes und die Westfälischen Wohnverbünde und Pflegezentren.

Wichtig ist die Unterstützung von psychisch kranken Menschen in der Wahrung und Durchsetzung ihrer Rechte vor allem im Hinblick darauf, dass sie aufgrund ihrer Erkrankung und einer daraus resultierenden Verletzlichkeit häufiger als somatisch erkrankte Menschen nicht in der Lage sind, ihre Interessen selbst angemessen zu vertreten. Sie benötigen deshalb eine stellvertretende Unterstützung, die vermittelnd in ihrem Sinne tätig wird. Gefragt sind hier insbesondere Personen, die sehr durchsetzungsfähig sind und gute Kenntnisse über das spezifische Psychiatrie-Recht und (sozial-)psychiatrische Einrichtungen haben. Sie sollten aber auch so viel Einfühlungsvermögen besitzen, dass die Betroffenen nicht in der Übernahme von Selbstverantwortung behindert werden.

Das DGSP-Projekt "Förderstelle für unabhängige Beschwerdestellen in der BRD"

Die DGSP beschäftigte sich in der Vergangenheit intensiv mit diesem Thema. Verbandsmitglieder versuchten die eingehenden Beschwerden Betroffener zufriedenstellend zu bearbeiten. Da die Zahl der Anfragen aber stetig zunahm, wurde klar, dass eine andere Herangehensweise gefunden werden musste. Nach längeren Vorüberlegungen und Diskussionen gemeinsam mit dem BPE und dem BApK über das Thema fand am 3. 12. 2001 ein erstes Treffen dazu in Kassel statt. Am 14./15.6. 2002 folgte im Nachgang die Tagung "Missstände abschaffen - weg mit der Angst. Patientenfürsprecher und Beschwerdesteller in der Diskussion" in Hannover statt. Veranstalter waren DGSP, BPE und BApK. Teilnehmer kamen überwiegend aus dem Kreis der Betroffenen. Hierbei wurde festgestellt, dass es wichtig wäre, wenn den Betroffenen der Zugang zu Informationen über Beschwerdemöglichkeiten (rechtliche Bedingungen, Art und Funktion,
Adressen) erleichtert werden würde. Um diese Erkenntnis in die Praxis umzusetzen, stellte die DGSP 2004 einen Projektantrag bei der Aktion Mensch, der im Juni 2005 dann auch bewilligt wurde.

Im Rahmen des Projekts soll eine Bestandsaufnahme der zur Zeit bestehenden Beschwerdemöglichkeiten erarbeitet, eine Vernetzung dieser Beschwerdemöglichkeiten organisiert und befördert, ein Überblick über die Rechte von psychisch behinderten Menschen in Deutschland erstellt und Möglichkeiten der Informationshilfen für psychisch behinderte Menschen bewertet und gegebenenfalls weiterentwickelt werden. Die Gesamtlaufzeit des Projekts ist auf drei Jahre ausgelegt.

Um dieses Projekt im Sinne des trialogischen Gedankens ordentlich zu machen, wird er von einem Projektbeirat begleitet. DGSP, BPE und BApK haben Mitglieder berufen, die das Projekt sachkundig unterstützen.

Weitere Informationen, insbesondere die Dokumentation des ersten Workshops zum Projekt, eine Adressenliste von Beschwerdestellen und ein Internet-Forum, das von jedem genutzt werden kann, sind unter http://www.beschwerde-psychiatrie.de zu erhalten.

Kontaktadresse
Gudrun Uebele, DGSP e.V., Zeltinger Str. 9, 50969 Köln
Tel: 0221/511002, Fax: 0221/529903
E-Mail: gudrun.uebele@dgsp-ev.de
Internet: http://www.psychiatrie.de/DGSP/


Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr. 190 vom 26.09.2006


Psychopharmaka - Chancen und Gefahren

(naps). Zur dieser Thematik referierte kürzlich Professor Dr.
Andreas Broocks, Ärztlicher Direktor der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik, im Rahmen des Schweriner Bündnisses gegen Depression im Rittersaal. In seiner Einführung wies Professor Broocks darauf hin, dass Psychopharmaka in unserer Gesellschaft nach wie vor einen eher schlechten Ruf haben. So glauben viele Menschen, dass diese Medikamente süchtig machen, dass es zu Veränderungen der Persönlichkeit kommt oder dass die wahren Ursachen der Erkrankung verschleiert werden. Prof. Broocks sprach ausführlich darüber, dass diese Vorurteile nicht mehr zutreffend sind. Die Medikamente selbst lösen zwar keine Lebensprobleme, oft ist aber die Besserung der Symptomatik die Voraussetzung dafür, dass der Betroffene seine Probleme wieder erfolgreich lösen kann.

Nur eine bestimmte Gruppe der Psychopharmaka haben ein Abhängigkeitspotential, in erster Linie bestimmte Beruhigungsmittel und Schlafmittel (z.B. Benzodiazepine). Solche Medikamente sollten nur für einen bestimmten Zeitraum verordnet werden. Die wichtigsten Psychopharmaka aber, die Gruppe der Antidepressiva und der so genannten Neuroleptika (d. h. Medikamente gegen Psychosen) haben dagegen kein Suchtpotential und sind für viele der Betroffenen geradezu lebensrettend.

Viele psychische Erkrankungen sind auch mit meist vorübergehenden Veränderungen der Persönlichkeit verbunden, z.B. schwere Depressionen oder Psychosen. Hier führen die Psychopharmaka nicht zur Persönlichkeitsveränderung, sondern es kommt im Gegenteil im Rahmen der Besserung zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Zu warnen ist allerdings vor Drogen und dem ständigen Gebrauch von Beruhigungsmitteln, da sich dies sehr nachteilig auf die Persönlichkeitsentwicklung auswirken kann.

Nach Ansicht von Prof. Broocks hätten manche der Betroffenen auch die Befürchtung, sie müssten jetzt lebenslänglich Psychopharmaka einnehmen. Auch dieses Vorurteil ist falsch, da es bei vielen psychischen Störungen zu einer Ausheilung kommt, so dass die Medikamente nach einem ausreichend langen Behandlungszeitraum, den nur ein Facharzt richtig beurteilen kann, wieder ausgeschlichen werden können. Natürlich gibt es auch Erkrankungen, ähnlich wie beim Bluthochdruck oder bei der Zuckerkrankheit, bei denen der Betroffene langfristig auf Medikamente angewiesen ist.

Abschließend wies Prof. Broocks auf entsprechende Fragen aus dem Publikum darauf hin, dass auch Naturheilmittel Nebenwirkungen haben können, bekanntlich gibt es in der Natur auch extrem giftige Stoffe.
Klassisches Beispiel: der Knollenblätterpilz. Problematisch sei, dass es im Bereich der Naturheilmittel im Vergleich zur Schulmedizin viel weniger Kontrollen und Überprüfungen gäbe. Zum Thema Nebenwirkungen sollte zudem nicht vergessen werden, dass auch die psychotherapeutische Behandlung bei fehlerhafter Anwendung zu massiven Nebenwirkungen führen kann, zumal sich auf dem so genannten "Psychomarkt" viele dubiose unqualifizierte Anbieter tummeln würden.
Für die Zukunft wurde von den Zuhörern ähnliche Veranstaltungen gewünscht, in denen man auch seine eigenen Fragen stellen kann.


Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr. 192 vom 01.11.2006

 


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Zuletzt geändert am: 09.12.2009