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Schizoph./Psycho.

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Schizophrenie • Psychosen

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Schizophrenie: Erste Anzeichen schon in der Jugend Schizophrenie: Überaktives Immunsystem im Gehirn
Schizophrenie:
Weltweit ähnliche Lebenssituation
Schizophrenie: Gehirndurchblutung als Indikator
Schizophrenie-Kongress: Verbesserte Behandlung Borderline-Störung: Unkontrollierte Emotionen
Das Rätsel Schizophrenie Schizophrenie: Höheres Risiko durch Hungersnöte
Doppelpack: Psychosen und Sucht treten oft zusammen auf Schizophrenie: Mangelnde Kommunikation der Gehirnzellen
Schizophrenie: Wenige sind gewalttätig Schizophrenie: Trotzdem ein normales Leben führen
Unzureichend gelöst: Negativsymptomatik bei Schizophrenie Unzureichendes Wissen über psychotische Erkrankungen
Neue Hilfen für schizophren Erkrankte Frühbehandlung von Psychosen im FETZ-München

Erstes atypisches Neuroleptikum als Depot-Präparat

Psychose: Früherkennung verhindert chronischen Krankheitsverlauf

Cannabis: Kann Schizophrenie früher auslösen

Kompetenznetz mit Informationsbörse Schizophrenie

Offener Dialog zum Thema Schizophrenie

"Freispruch" für Gen unter Schizophrenie-Verdacht

Schizophrenie: Früherkennungssystem geplant

Trauma und Schizophrenie: Ärzte sehen Zu- sammenhang

Schizophrenie: Meist schon im Jugendalter erkennbar

Schizophrenie: Möglich bei Herpes in der Schwangerschaft

Schizophrenie: Weltkongress verurteilt Stigmatisierung

Viren können Depressionen und Schizo- phrenien auslösen

Kongress: Schizophrenie immer noch schlecht behandelbar

Hirnforschung: Region für das "Ich" entdeckt

Menschliches Gehirn: Chaosforschung schafft Durchblick

Virologe: Toxoplasmose als Auslöser von Schizophrenie?

Borderline-Syndrom: Wie sich Selbstverletzung besser kontrollieren lässt

Forscher: Schizophrenie-Gen entdeckt

Schizophrenie: Weltkongress verurteilt Stigmatisierung

Leipzig (dpa) - Auf dem ersten Weltkongress gegen die Diskriminierung von Schizophrenie-Kranken diskutieren in Leipzig ab heute (Sonntag) 500 internationale Experten. Die Teilnehmer der dreitägigen Konferenz unter dem Motto "Together Against Stigma - Gemeinsam gegen Stigmatisierung" suchen nach Wegen, Vorurteile gegenüber psychisch Kranken zu reduzieren. Jeder vierte Mensch braucht nach Angaben des Leipziger Psychiaters Prof. Dr. Matthias C. Angermeyer einmal im Leben psychiatrische Hilfe. Einige Symposien des Treffens beschäftigen sich speziell mit der Rolle der Massenmedien bei der Verbreitung von Informationen über psychische Erkrankungen

Quelle: Netdoktor.de vom 05.09..2001

Viren können Depressionen und Schizophrenien auslösen

Günzburg - Forscher vermuten, dass eine spezielle Virusinfektion zu psychischen Krank- heiten führen kann, berichtet die Tageszeitung "Die Welt". "Das Borna Disease Virus steht im Verdacht, bei Depressionen und Schizophrenien krankheitsauslösend wirken zu können", so Karl   Bechter, Psychotherapeut vom Bezirkskrankenhaus Günzburg. Bei  Tieren ruft die Borna`sche Krankheit eine sporadische Entzündung des Gehirns hervor. Die dabei auftretenden Verhaltensänderungen können auch bei depressiven oder an Schizophrenie erkrankten Patienten beobachtet werden. Nun erhielt Bechter für seine Arbeiten auf diesem wenig erforschten Gebiet einen mit 75.000 Dollar dotierten Preis der Stanley Foundation. (ack)

12.07.2001

Kongress: Schizophrenie immer noch schlecht behandelbar

Berlin (dpa) - Trotz guter Therapiemöglichkeiten vergehen im Durchschnitt sechs Jahre, ehe ein Schizophrenie-Erkrankter einen Facharzt aufsucht. Die Früherkennung lasse sich nur schwer verbessern, weil die ersten Symptome wie Antriebslosigkeit oder Denkstörungen auch auf andere Krankheiten hindeuten können, sagte Prof. Heinz Häfner vom Zentralinsti- tut für Seelische Gesundheit (Mannheim) am Mittwoch auf dem 7. Weltkongress für Biolo- gische Psychiatrie in Berlin. Obwohl es Fortschritte bei der Medikamentenentwicklung und den Einblicken ins arbeitende Gehirn mit Hilfe bildgebender Verfahren gebe, bleibe die Schizophrenie für Betroffene und Mediziner noch weitgehend ein Rätsel. Auch auf der  Ar- beitsmarkt ist laut Häfner für Schizophrene problematisch, denn er biete zu wenige "geschützte Arbeitsstellen". 90 Prozent der Schizophrenen würden dank Medikamente im Alltagsleben nicht auffallen, seien aber nicht so belastbar wie ein gesunder Arbeitnehmer. In Deutschland erkranken etwa ein Prozent der Bevölkerung in ihrem Leben mindestens ein- mal an Schizophrenie, die meisten zwischen 18 und 30 Jahren. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 05.07.2001

Hirnforschung: Region für das "Ich" entdeckt

Philadelphia (netdoktor.de) – US-Forscher haben im Gehirn des Menschen jene Stelle gefunden, die das Gefühl für das eigene "Ich" regelt. Das berichtet Bruce Miller von der University of California auf dem Jahrestreffen der American Academy of Neurology. Bei Forschungen zu einer seltenen Hirnkrankheit fand Miller in der vorderen rechten Gehirnhälfte einen Bereich, der offenbar das Selbstverständnis der eigenen Person, Überzeugungen, Vorlieben und Abneigungen steuert. Sein Team entdeckte die Stelle bei der Untersuchung von 72 Patienten, die an der so genannten Pick-Krankheit litten - einer seltenen Erkrankung, die der Alzheimerschen Krankheit ähnelt. Bei sieben Patienten habe sich die Persönlichkeit durch die Krankheit stark verändert, so der Neurologe. Sechs von ihnen hatten an der gleichen Stelle im rechten Vorderhirn massive Veränderungen. Die Ergebnisse zeigten, dass ein normal funktionierender rechter Gehirnlappen für das Selbst- verständnis nötig sei, folgerte Miller. Bei allen sieben Patienten stellten die Ärzte einen grundlegenden Wechsel ihrer religiösen und politischen Überzeugungen fest. Auch ihre Vorlieben in der Ernährung und für bestimmte Kleider änderten sich weitgehend. So trug eine Maklerin nach Ausbruch der Krankheit nur noch den Schlabber-Look und ernährte sich von Fast Food, obwohl sie zuvor ein Faible für französisches Essen und schicke Kleidung hatte. Die Pick-Krankheit betrifft nur einen von 100.000 Menschen und wird häufiger bei Frauen als bei Männern diagnostiziert. Sie bricht in der Regel im Alter zwischen 40 und 60 Jahren aus. Veränderungen in der Persönlichkeit gehören zu den ersten Anzeichen der Erkrankung. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 10.05.2001

Menschliches Gehirn: Chaosforschung schafft Durchblick

Potsdam (dpa/bb) - Sprachforscher und Physiker an der Universität Potsdam haben mit Hilfe der Chaosforschung neue Einblicke in das menschliche Gehirn gewonnen. Das Ver- fahren zeige, wie das Gehirn  richtige Sätze von falschen unterscheidet, teilte die Universität am Freitag mit. Der Sprachforscher Douglas Saddy und der Physiker Peter beim Graben (rpt Peter beim Graben) hatten der Uni zufolge bei 26 Versuchspersonen mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) die elektrische Aktivität des Gehirns bestimmte Versuchs- personen bekamen hintereinander verschiedene Sätze vorgelegt. Dem grammatikalisch korrekten Satz "Kein Mensch war jemals glücklich" folgte dabei beispielsweise der unver- ständliche Satz "Ein Mensch war jemals glücklich". Eigentlich könne man aus den Ergebnis- sen eines solchen EEG nur sehr grundlegende Informationen ablesen, wie den Hirntod oder epileptische Anfälle. Durch die Zusammenarbeit mit der Physik sei es jedoch gelungen, die Daten aufzuschlüsseln. Dazu habe man die Methode der nichtlinearen Dynamik und der Komplexitätstheorie verwendet, die auch als Chaosforschung bekannt sind. Dabei konnten   die Forscher den "grammatikalischen Juckreiz", der bei richtigen und falschen Sätzen unter- schiedlich ausfällt und sonst im EEG kaum sichtbar sei, erstmals deutlich herausarbeiten. Dieses "Staunen" des Gehirns ähnele Vorgängen, die aus einfacheren biologischen Prozes- sen schon länger bekannt seien, hieß es in der Mitteilung der Universität. (pd)

Quelle: Netdoktor.de vom 04. August 2001

Virologe: Toxoplasmose als Auslöser von Schizophrenie?

Maryland (netdoktor.de) – Der Katzenparasit Toxoplasma gondii ist für Menschen möglicherweise gefährlicher als bislang angenommen. Der US-Forscher Fuller Torrey vom Stanley Research Center in Maryland kam in einer Studie zu dem Schluss, dass eine Infektion mit dem Parasiten für die Schizophrenie verantwortlich sein könnte. Dies berichtet die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit". Der Virologe Torrey untersuchte gemeinsam mit seinem Kollegen Robert Yolken von der John Hopkins University of Medicine in Baltimore 53 000 Blutproben von schwangeren Frauen. Die Analyse ergab, dass Mütter von schizophrenen Kindern häufiger Antikörper gegen Herpes und Toxoplasmose in ihrem Blut trugen als Gesunde. Die Toxoplasmose, glaubt Torrey, schädige den Teil des Gehirns, das Gefühle und Verhalten steuere. Nach neuesten Erkenntnissen aktiviert eine erlittene Infektion die so genannten Retroviren, die im Genom des Menschen ruhen. Der Ausbruch der eigentlichen Krankheit erfolgt erst im jungen im Erwachsenenalter. Solche Retroviren konnten Forscher im Nervenwasser von Patienten nachweisen, die erst kürzlich an Schizophrenie erkrankten Das Virus könnte daher eine wichtige Rolle zu Beginn der Krankheit spielen, folgerten die Wissenschaftler. Noch in diesem Jahr sollen Schizophreniekranke mit Medikamente gegen Toxoplasmose behandelt   werden. Die Erfolgschancen bleiben jedoch ungewiss. Yolken sagte: "Wir wissen nicht, ob neuronale Schäden aus der Kindheit rückgängig zu machen sind." Schizophrenie ist eine psychiatrische Erkrankung (Nervenkrankheit, Psychose), die Veränderungen der Gedanken und des Verhaltens auslöst. Schizophreniekranke sind zeitweise nicht in der Lage, zwischen der Wirklichkeit und den eigenen Vorstellungen zu unterscheiden. Sie betrifft beide Geschlechter gleich häufig und tritt bei Frauen meist zwischen dem 25.und dem 35. Lebensjahr auf, bei Männern häufig im Alter zwischen 15 bis 30 Jahren. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind noch unbekannt. Als wahrscheinlich gilt aber, dass die Vererbung eine Rolle spielt. (im)

Quelle: Netdoktor.de vom 26.04.2001

Borderline-Syndrom: Wie sich Selbstverletzung besser kontrollieren lässt

Lübeck (netdoktor.de) – Eine amerikanische Therapie soll Borderline-Patienten helfen, ihr selbstschädigendes Verhalten besser unter Kontrolle zu bekommen. Die Medizinische Universität Lübeck (MUL) testet derzeit das US-Konzept an Menschen mit schweren        Persönlichkeitsstörungen. Mit Entspannungsübungen und Rollenspielen sollen die Patienten ihre Gefühlsausbrüche in den Griff bekommen. "Die Betroffenen lernen, mit ihren Spannungen umzugehen, sich nicht mehr selbst zu verletzen und exzessiv zu hungern", sagte Oberarzt Ulrich Schweiger. Therapeut und Patient schließen eine Art von Vertrag ab, indem die bestimmte Verhaltensregeln festgelegt sind. Das neue Therapieschema zeigt bereits erste Erfolge: Bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer traten die Symptome deutlich seltener auf. Auch der Umgang mit anderen Menschen verbesserte sich, bilanzierte Schweiger. Rund ein Prozent der Deutschen leidet am Borderline-Syndrom. Meist erkranken Mädchen und Frauen zwischen 15 und 25 Jahren, nur ein Viertel der Patienten ist männlich. Betroffene zerschneiden sich die Arme, drücken Zigaretten auf ihrem Körper aus und leiden unter Essstörungen. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 22.03.2001

Forscher: Schizophrenie-Gen entdeckt

London/Würzburg (dpa) - Wissenschaftler haben eigenen Angaben zufolge ein Gen identifiziert, das an der Entstehung einer besonderen Form von Schizophrenie beteiligt ist. Das berichtet die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Molecular Psychiatry" (Bd.6, S. 304). Das Gen liegt auf dem Chromosom 22 und liefert die Vorlage für ein WKL 1 genanntes Eiweiß. Dessen genaue Funktion ist noch unbekannt. Es weist aber den Forschern der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg zufolge einige Ähnlichkeiten mit Ionen-Kanälen auf, die an der Reizweiterleitung im Gehirn beteiligt sind. Ungefähr ein Prozent der deutschen Bevölkerung ist von Schizophrenie betroffen. Bei der jetzt näher erforschten Schizophrenie-Form fallen die Erkrankten in eine völlige Bewegungsstarre. Spontan kann diese Starre in einen Erregungszustand übergehen, bei dem der Kranke sich selbst oder andere verletzt. Die Ursachen sind noch weitestgehend unbekannt. "Die Schizophrenie ist      eine komplexe Erkrankung mit komplexen Ursachen", sagt Klaus-Peter Lesch, Leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Würzburg auf Nachfrage. An der Entstehung der Krankheit seien eine Reihe von Genen beteiligt, sagte Lesch, der zu den Autoren der Studie gehört. Und nur bei einem Teil der Schizophre- nie-Kranken spielten überhaupt genetische Veränderungen eine Rolle. Es gäbe eine Vielzahl weiterer Faktoren, die die Krankheit auslösen könnten. An die Ergebnisse dürften deshalb keine verfrühten Erwartungen auf eine rasche Therapie geknüpft werden. (im)

Quelle: Netdoktor.de vom 20.03.2001

Schizophrenie: Meist schon im Jugendalter erkennbar

Berlin – Je früher Schizophrenie erkannt und behandelt werde, um besser könne man die Patienten vor Spätschäden und drohender Arbeitsunfähigkeit schützen. Dies sagte Professor Hans-Jürgen Möller, Chefarzt an der Klinik für Psychiatrie der Universität in München bei einer Tagung in Berlin. Wie der Berliner Tagesspiegel berichtet, sind von der Erkrankung etwa ein Prozent der Bevölkerung betroffen, meistens Jugendliche im Alter zwischen 15 und 25 Jahren. So könnten ein plötzlich auftretender Leistungsknick in der Schule, Lustlosigkeit und schließlich das Unvermögen, den Alltag zu bewältigen, Symptome einer Schizophrenie sein, sagte Möller. Der Kranke habe Schwierigkeiten, Probleme zu lösen und zielgerichtet zu handeln. Eltern würden dies zunächst als "typisch jugendliches Verhalten" interpretieren. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, ist eine medikamentöse Therapie mit so genannten atypischen Neuroleptika erfolgversprechend. Durch die "breiter wirksame neue Generation" dieser Medikamente würden die Störungen seltener auftreten, auch die Rate an Rückfällen sei geringer, sagte Möller. Notwendig sei allerdings eine langfristige medikamentöse Therapie. (aa)

Quelle: Netdoktor.de vom 30.10.2001

Schizophrenie: Möglich bei Herpes in der Schwangerschaft

Berlin - Herpes-Infektionen während der Schwangerschaft können die Entwicklung des Babygehirns stören. Wie die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, ziehen Forscher der Harvard Universität diesen Schluss aus den Krankendaten von 3804 Schwangeren und deren Kindern. Sie fanden, dass Frauen, die in der Schwangerschaft unter Herpes litten, deutlich häufiger Kinder zur Welt brachten, die im Jugendalter an Schizophrenie erkrankten. (ths)

Quelle: Netdoktor.de vom 13.12.2001

Schizophrenie: Früherkennungssystem geplant

Neu-Isenburg (dpa) - Das bundesweite Kompetenznetzwerk Schizophrenie will jetzt ein Früherkennungssystem für die Krankheit entwickeln. Oft dauere es fünf bis sechs Jahre, bevor die Patienten nach ersten Verhaltensänderungen behandelt werden, berichtet die in Neu-Isenburg erscheinende "Ärzte Zeitung". Die Selbstmordrate liege bei 10 bis 15 Prozent. Das Früherkennungssystem solle das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, abschätzen und die Symptome aufdecken. Ein Anliegen des im Jahr 2001 gegründeten Kompetenznetzwerkes sei der Informationsaustausch zwischen Ärzten, Forschern und Patienten. Nach Angaben des Netzwerkes erkranken etwa 800 000 Bundesbürger mindestens einmal im Leben an einer Schizophrenie, erstmals in der Regel zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 24.01.2002

Trauma und Schizophrenie: Ärzte sehen Zusammenhang

Hamburg (dpa) - Schizophrenie geht nach Expertenansicht häufig auf extreme Lebensereignisse in der Kindheit zurück. Viele Patienten mit einer Psychose seien in ihrer Kindheit oder Jugend durch sexuellen Missbrauch, Folter oder andere katastrophale Erfahrungen traumatisiert worden, sagte der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Greifswald, Professor Harald Freyberger, am Mittwoch in Hamburg. Aus diesem Grund ist nach Angaben der Tagungsveranstalter vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sowohl für das Verstehen der Erkrankung als auch deren Behandlung die Biografie der Patienten von Bedeutung. Die Wissenschaftler betonten jedoch, dass sehr viele unterschiedliche Faktoren für eine Erkrankung verantwortlich seien. Auch eine genetische Veranlagung könne zur Schizophrenie beitragen. Fast 450 Teilnehmer aus Klinik und Forschung nehmen an der noch bis Freitag dauernden Konferenz teil, die sich als erste Tagung in Deutschland mit der subjektiven Seite der Schizophrenie beschäftigt. Schizophrenie ist eine psychiatrische Erkrankung, an der rund ein Prozent der Bundesbürger mindestens einmal im Leben erkranken. Die Hauptsymptome (Halluzinationen, Identitäts- und Realitätsverlust) können so schlimm werden, dass die Betroffenen nicht in der Lage sind, selbstständig zurecht zu kommen.

Quelle: Netdoktor.de vom 21.02.2002

Offener Dialog zum Thema Schizophrenie

Wie wichtig der offene Dialog zum Thema Schizophrenie ist, dokumentiert auch eine aktuelle Studie der Universität Leipzig. Hartnäckig halten sich Vorurteile gegenüber schizophren erkrankten Menschen in den Köpfen der Öffentlichkeit. Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts glauben viele Menschen in Deutschland, dass schizophren Erkrankte eine Gefahr für ihre Mitmenschen sind. Jeder Vierte will nicht mit einem Betroffenen am Arbeitsplatz zusammenarbeiten; die Hälfte der Befragten konnte sich nicht vorstellen, eine Wohnung an einen schizophren Erkrankten zu vermieten. "Diesen und zahlreichen weiteren Vorurteilen begegnen Menschen mit Schizophrenie in der Öffentlichkeit fast täglich" betonte Dr. Manuela Richter-Werling vom Verein Irrsinnig Menschlich e.V." - http://www.irrsinnig-menschlich.de - "Wie aus Gesprächen mit Betroffenen hervorgeht", so Richter-Werling, "leiden die Patienten unter dieser Ausgrenzung mehr als unter den Symptomen ihrer Krankheit selbst." Insbesondere das Bild vom unberechenbaren und aggressiven Irren ist noch weit verbreitet. Schizophrenie Erkrankte sind "nicht gefährlicher als der Durchschnitt der Bevölkerung", bekräftigte Dr. Marius Houchangnia, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie am St. Vinzenz Hospital, Haselünne. Auffällig aggressives Verhalten tritt bei schizophren Erkrankten nur dann auf, wenn die Betroffenen unbehandelt bleiben und sozial ausgegrenzt sind. Schizophrenie ist gut behandelbar: Immerhin gilt ein Viertel der Patienten nach intensiver Therapie als geheilt; vielen kann zumindest geholfen werden. Gute ärztliche Betreuung sowie spezifisch wirksame, verträgliche Medikamente - so genannte atypische Antipsychotika - ermöglichen den Erkrankten, ihr persönliches Potenzial auszuschöpfen. Bei der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass nicht allein Medikamente für eine erfolgreiche Therapie ausschlaggebend sind, sondern auch die Zuwendung und Unterstützung der Angehörigen. "Es hat sich viel Positives getan in der Behandlung", bestätigte Eva Straub, die sich als Mutter eines Patienten im Bayrischen Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. engagiert. Als deutlichen Fortschritt bewertet sie, dass - wo möglich - stationäre Ansätze durch ambulante Therapien ersetzt werden. Einer von 100 Menschen erkrankt einmal in seinem Leben an Schizophrenie, die damit fast so häufig auftritt wie Diabetes. Weltweit sind etwa 60 Millionen Menschen betroffen; in Deutschland sind dies rund 800.000 Menschen. Aufgrund der steigenden Anzahl psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung hat die Weltgesundheitsorganisation WHO sie zur Krise des 21. Jahrhunderts erhoben und zum Schwerpunktbereich ihrer Arbeit erklärt. Tipp: http://www.openthedoors.de

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 28.03.2002

"Freispruch" für Gen unter Schizophrenie-Verdacht

idw-online: Knapp ein Prozent aller Deutschen leidet unter Schizophrenie. Die Anlage, an dieser schweren psychischen Störung zu erkranken, wird vererbt; verschiedene Studien deuten darauf hin, dass eine Erbanlage auf Chromosom 1 für den Ausbruch der Krankheit mitverantwortlich ist. In der bisher größten Kontrollstudie, die in der Mai-Ausgabe der renommierten Wissenschafts- zeitschrift Science publiziert wird, kommen die Forscher jedoch zum Schluss, dass das Kandidatengen eine geringere Rolle spielt als erwartet. An der Studie sind Zentren aus Amerika, Australien und Europa beteiligt, darunter auch die Klinik für Psychiatrie der Universität Bonn.
http://idw-online.de/public/zeige_pm.html?pmid=47211

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 28.03.2002

Cannabis: Kann Schizophrenie früher auslösen

Mannheim (dpa) - Der Missbrauch von Cannabis kann einer Studie zufolge Schizophrenie vorzeitig auslösen und Psychosen verschlimmern. Dies ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim anhand von 232 erstmals an Schizophrenie erkrankten Patienten. Demnach brach die Krankheit bei regelmäßigen Cannabis-Konsumenten im Durchschnitt mit 17,7 Jahren aus, bei Abstinenten erst 8 Jahre später. Bei fast 35 Prozent der schizophrenen Cannabis-Konsumenten brach die Krankheit in demselben Monat aus, in dem auch der Drogenmissbrauch begann - 28 Prozent hatten zur Zeit des Krankheitsausbruchs schon länger als ein Jahr regelmäßig gekifft. "Der zeitliche Zusammenhang ist hoch signifikant", sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Schizophrenieforschung, Prof. Heinz Häfner. Dies lasse den Schluss zu, dass die Krankheit durch die Droge ausgelöst werde. Die Studie der Mannheimer Forscher ist in der Fachzeitschrift "Nervenheilkunde" (Nr. 4/2002) erschienen. Der Cannabis-Wirkstoff THC wirke auf bestimmte Rezeptoren im Gehirn, die auch beim Auftreten von Psychosen beteiligt seien. "Jemand, in dessen Familie schon eine Vorbelastung mit Schizophrenie besteht, sollte es auf jeden Fall lassen." Sei die Krankheit erst ausgebrochen, habe der Cannabis-Konsum weitere negative Folgen: "Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Denkstörungen werden signifikant verstärkt", sagte Häfner, "Gleichgültigkeit und Abstumpfung, worunter manche Patienten ausgesprochen leiden, werden hingegen vermindert". Das bringe manche Kranke in die Versuchung, mit Cannabis eine Selbsttherapie zu betreiben - mit oft negativen Folgen: Längerer Cannabismissbrauch führe zu schlechterer Therapierbarkeit, so Häfner. (ee)

Quelle: Netdoktor.de vom 12.07.2002


Kompetenznetz mit Informationsbörse Schizophrenie

(naps). Im Rahmen einer Informationsbörse unter der Rubrik "Laien und Betroffene" präsentiert das Kompetenznetz Schizophrenie aktuelle Antworten, u.a zu den Themen: Was ist Schizophrenie? Wie entsteht Schizophrenie? Ist Schizophrenie eine Erkrankung des Gehirns? Ist Schizophrenie heilbar? Welche Psychopharmaka helfen? Welche Nebenwirkungen können auftreten? Ist eine vorbeugende Behandlung möglich? Welchen Einfluss haben Psycho- und Soziotherapie? Wer bietet Hilfe bei akuten Krankheitsepisoden? Welche Rolle spielt der Hausarzt? Welche psychiatrisch-fachärztlichen Möglichkeiten bestehen?
http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 18.11.2002


Erstes atypisches Neuroleptikum als Depot-Präparat

(naps/rh). Zur Behandlung bei schizophrenen Psychosen gibt es jetzt auch ein atypisches Neuroleptikum als Depot-Präparat. "Risperdal Consta" mit dem Wirkstoff Risperidon wird alle 14 Tage intramuskulär injiziert. Die in dem Depot-Präparat enthaltenen Mikrokapseln zerfallen im Körper und setzen das Neuroleptikum kontinuierlich frei. Nach etwa drei Wochen der Erstinjektion wird der für die Therapie notwendige Wirkspiegel erreicht. Aus diesem Grund müssen Patienten in dieser Zeit den Wirkstoff zusätzlich als Tablette einnehmen. Danach reicht eine Injektion alle zwei Wochen für eine effektive Langzeittherapie aus. Der Vergleich von Risperidon oral mit der Depotform ergab eine ähnliche Wirksamkeit beider Darreichungen. In der kontrollierten Studie wurden keine Unterschiede bei der Ansprechrate, Sicherheit und Verträglichkeit gefunden.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 26.11.2002


Psychose: Früherkennung verhindert chronischen Krankheitsverlauf

Münster (dpa) - Das rechtzeitige Erkennen einer Psychose kann nach Ansicht von Experten einen chronischen Verlauf der Krankheit verhindern. Derzeit litten rund zwei Drittel aller betroffenen Menschen dauerhaft oder wiederkehrend an solchen seelischen Störungen, sagte am Freitag der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Münster, Prof. Volker Arolt. Psychosen seien erkennbar an sozialem Rückzug, Leistungsabfall, Unruhe und Angst. Rund ein Prozent der Bevölkerung - Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen - haben den Angaben zufolge Psychosen. Die Tendenz ist seit Jahren gleich bleibend. Dabei verlieren die Patienten laut Arolt den Realitätsbezug, was sich in Wahnvorstellungen, schweren Depressionen oder Schizophrenie äußern kann. Auslöser einer Psychose könne neben seelischen Problemen auch eine körperliche Erkrankung sein, wie etwa ein Schlaganfall. Nach den Worten des Klinikdirektors wird die Krankheit meist zu spät erkannt. «Die meisten Neuerkrankten sind zwischen 20 und 30 Jahren alt, deshalb fällt die Diagnose Psychose oder eben 'nur' Ausbildungs- oder Lebenskrise besonders schwer.» Vielfach würden erste Symptome nur «anbehandelt», aber nicht weiterverfolgt.

Quelle: Netdoktor.de vom 24.05.2003


Frühbehandlung von Psychosen im FETZ-München

naps/rh: Nie war es für Betroffene, Angehörige und Freunde leichter, psychiatrische Aufklärungsinformationen zu erhalten. Dazu erweist sich beispielsweise das Fetz-München im Internet
(http://psywifo.klinikum.uni-muenchen.de/fetz) als sehr hilfreich. Das
Früherkennungs- und Therapie-Zentrum für Psychotische Krisen (Fetz) ist eine neugeschaffene Ambulanz an der Psychiatrischen Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Größter Pluspunkt des Online-Wegweisers ist sein Praxisbezug. Dass es Menschen mit einem erhöhten Risiko für Psychosen gibt, vermittelt das Fetz-Team überzeugend. Es sei wichtig, "auf mögliche Frühsymptome einer Psychose zu achten, damit möglichst frühzeitig eine Behandlung eingeleitet werden kann", so die Webautoren. Die Kapitel sind zweckmäßig untergliedert: "Was sind Psychosen", "Wer ist betroffen?", "Symptome von Psychosen", "Frühwarnzeichen für Psychosen", "Checkliste für den Selbsttest", "Ursachen von Psychosen", "Wie kann man gegen Psychosen vorbeugen?" und "Links". Fetz-München ist Teil eines Modellprogramms, bei dem bundesweit Universitätskliniken aus Bonn, Düsseldorf, Köln und München zusammenwirken. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Früherkennungszentren im Rahmen des Forschungsschwerpunktes "Kompetenznetzwerke in der Medizin". Adresse: FETZ-München, Psychiatrische Universitätsklinik der LMU, Nussbaumstr. 7, 80336 München, Tel 089 - 5160 5866 oder 089 - 5160 5780, E-Mail: fetz@psy.med.uni-muenchen.de oder FETZ-Muenchen@web.de http://psywifo.klinikum.uni-muenchen.de/fetz

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 03.05.2003


Neue Hilfen für schizophren Erkrankte

Berlin (ddp-lbg). Neue Hilfen erhalten schizophren Erkrankte in Berlin und Brandenburg. Dazu gehört vor allem die Schaffung eines lokalen Netzwerkes zur Entdeckung und Betreuung von Patienten im Vor- beziehungsweise Frühstadium dieser Krankheit, sagte eine Sprecherin der Berliner Charité am Donnerstag. Durch frühzeitiges Erkennen der Vorstufen der Schizophrenie und sofortige Behandlung soll verhindert werden, dass sich die Erkrankung zum Vollbild entwickelt.

Mindestens jeder hundertste Einwohner in Berlin und Brandenburg leidet nach Angaben der Charité an Schizophrenie. Jährlich erkranken in der Region etwa 800 Menschen neu. In der Regel beginnt die Erkrankung bereits im jungen Erwachsenenalter. Sie verläuft oft chronisch. Den Betroffenen drohen erhebliche Folgen wie Frühverrentung, keine Partnerschaft, keine Kinder, ein Leben am Rand der Gesellschaft. Bei frühzeitiger Behandlung sei eine solche Entwicklung aber nicht zwingend.

Das "Früherkennungs- und Therapiezentrum Berlin-Brandenburg für beginnende Psychosen" (FETZ) hat sich die Aufgabe gestellt, solche Patienten bereits vor Ausbruch der eigentlichen Erkrankung anhand von Vorboten zu erkennen und angemessen zu behandeln. Das FETZ ist in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité sowie in der brandenburgischen Landesklinik Teupitz angesiedelt. Dank einer großzügigen Spende des Unternehmens Janssen Cilag kann FETZ jetzt neue Formen der Prävention einführen.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 18.07.2003


Unzureichend gelöst: Negativsymptomatik bei Schizophrenie

(naps/rh). "Es entspricht internationalem Standard, atypische Neuroleptika als Mittel der ersten Wahl bei Patienten mit schizophrenen Erkrankungen zu bevorzugen", erklärte Professorin Dr. Nina R. Schooler (New York) auf einer Weiterbildungsveranstaltung im Medizinischen Zentrum der Landeshauptstadt Schwerin. Für den Einsatz spreche vor allem ein günstiges Nebenwirkungsprofil.

Haldol beeinträchtigt kognitive Leistungsfähigkeit

"Viel Haldol und Akineton" dagegen, so Professor Dr. Bernd Gallhofer, Leiter der psychiatrischen Klinik am Universitätsklinikum Gießen, "beeinträchtigen die Kognition". Zudem verursachen die älteren Neuroleptika oftmals extrapyramidale Symptome (Bewegungsstörungen). Diese treten bei Atypika nur sehr selten auf.

Trotz der weiterentwickelten Neuroleptikatherapie stehen weiterhin Unwägbarkeiten im Raum: "Unzureichend gelöst ist das Problem der Negativsymptomatik bei Patienten mit schizophrenen Erkrankungen", so Professorin Schooler. Fehlender Antrieb, geringe Belastbarkeit und sozialer Rückzug sind besonders bei chronischen Verläufen nicht selten.

Nach Gallhofers Ansicht gewinnt dieser Aspekt vor allem Bedeutung in der Einschätzung neuer psychopharmakologischer und psychosozialer Behandlungsstrategien. Dazu erklärte er: "Forschung tut Not auch in Richtung kognitiver Leistungsfähigkeit unbehandelter Patienten mit Schizophrenie." Ganz wichtig ist: Welche Behandlungsmöglichkeiten helfen wie? Dafür steht in seiner Klinik ein "Kognikationslabor" zur Verfügung.

Professor Gallhofer plädiert für eine integrative Psychiatrie. So werden in Gießen im Rahmen eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes u.a. Psychotherapie, Alltagsaktivierung, Gestaltungs-, Bewegungs- und Entspannungstherapie eingesetzt. Wichtige Therapieziele sind, so Gallhofer, das Wiederbewältigen des Alltags und das Erreichen größtmöglicher Selbständigkeit und Lebensqualität. Wichtig ist ihm dabei die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Patienten, den Angehörigen und den Mitarbeitern des Behandlungsteams.

Veranstaltungsleiter Prof. Dr. Andreas Broocks, seit Juni neuer Ärztlicher Direktor der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik des Medizinischen Zentrums in Schwerin, machte mit dieser Konferenz deutlich, dass die Schweriner
Weiterbildungs- und Aufklärungsveranstaltungen auch landesweit auf große Resonanz stoßen.

--> Die nächste Veranstaltung findet am 15. Oktober 2003, 18.00 Uhr, im
Marmorsaal der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik in Schwerin statt. Thema: "Bewegungstherapeutische Ansätze bei psychischen Erkrankungen". Referent: Prof. Dr. med. Andreas Broocks.

Weiterführende Informationen: http://www.lichtblick-newsletter.de/blickpsy8.html
http://www.klinikum-sn.de http://www.med.uni-giessen.de/psychiat
http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de


Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 08.10.2003


Unzureichendes Wissen über psychotische Erkrankungen

(22.10.03, ddp/naps). Auf der 2. Informationsbörse Schizophrenie kamen Mediziner, Betroffene und Angehörige in Düsseldorf zusammen, um über Krankheitserleben und Therapiemöglichkeiten zu diskutieren. Der Sprecher des Kompetenznetzwerks Schizophrenie, der Düsseldorfer Universitätsklinik-Professor Wolfgang Gaebel, bemängelte eine häufige soziale Diskriminierung von Menschen mit schizophrener Krankengeschichte. Grund sei in erster Linie unzureichendes Wissen in der Bevölkerung über Ursachen, Verlauf und Symptomatik von psychotischen Erkrankungen.

Jährlich erkranken rund 800 000 Menschen an Schizophrenie. Die meisten Patienten erkranken erstmals im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Schizophrenie nimmt einen schleichenden Anfang: Konzentrationsstörungen, sozialer Rückzug, Verlust der schulischen und beruflichen Leistungsfähigkeit oder depressive Verstimmungen können erste unspezifische Anzeichen sein. Zwei Drittel aller Patienten werden nach Expertenangaben mehrmals von der Krankheit heimgesucht. Durchschnittlich drei bis fünf Jahre dauert es, bis eine adäquate Behandlung stattfindet. Bis zu 15 Prozent der Betroffenen nehmen sich während der Krankheit das Leben.

Das Kompetenznetzwerk Schizophrenie ist eines von 17 Kompetenznetzen in der Medizin, die vom Bundesforschungsministerium unterstützt werden. Durch eine enge Kooperation zwischen den Einrichtungen der Forschung und Versorgung im Kompetenznetz Schizophrenie sollen Voraussetzungen geschaffen werden, die eine optimale Behandlung der Patienten ermöglichen und die Chancen für einen günstigen Krankheitsverlauf erhöhen. In Früherkennungszentren in Köln, Bonn, Düsseldorf und München arbeitet das Kompetenznetz Schizophrenie eng mit Schulen, Beratungsstellen, niedergelassenen Ärzten und Gesundheitsämtern zusammen, um eine diagnostische Abklärung von möglichen Frühsymptomen einer Schizophrenie zu ermöglichen. Durch den frühzeitigen Beginn einer Therapie können Chronifizierung und Spätfolgen oftmals vermieden werden. Ebenso wichtig wie die Früherkennung sind Prävention, Therapie und Rehabilitation. Vor dem Hintergrund, dass unbehandelt 80 Prozent der Patienten in einem Zeitraum von zwei Jahren Rückfälle erleiden, werden neue Behandlungsstrategien, vor allem im Bereich der Langzeitbehandlung und Rückfallprophylaxe, erforscht. Dazu gehört auch die Grundlagenforschung zu Krankheitsursachen, Erkrankungsverlauf und Behandlungsmöglichkeiten. Wichtige Aufgaben sind zudem die Schulung von niedergelassenen Ärzten und die Aufklärung der Bevölkerung.

Durch den Aufbau einer Informationsbasis im Internet können sich sowohl interessierte Laien sowie Patienten und deren Angehörige als auch behandelnde Ärzte über aktuelle Forschungserkenntnisse bzw. vorhandene Behandlungsmöglichkeiten und Versorgungsangebote informieren. Kontinuierliche Informationen über das Kompetenznetz liefert auch der neu aufgelegte Newsletter, der vier mal jährlich erscheint und kostenlos per Internet oder postalisch bezogen werden kann. http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de


WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

Telefon-Hotline
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Wie erkennt man Schizophrenie? Wie lässt sich die Krankheit behandeln? Welche Nebenwirkungen haben Medikamente? Wie können Angehörige helfen? Seit Januar 2001 bietet das Kompetenznetz Schizophrenie Betroffenen, Angehörigen, aber auch Therapeuten und interessierten Laien einen bisher einmaligen Informations-Service an: Psychiater und Psychologen beantworten Fragen zum Thema Schizophrenie am Telefon. Jeweils mittwochs von 12.00 bis 14.00 Uhr ist die Hotline zum Ortstarif unter der Nummer 01801 - 72 44 96 zu erreichen.


PsychoseNetz e.V.
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Zur Unterstützung der Ziele im Kompetenznetz Schizophrenie ist der Verein PsychoseNetz e.V. gegründet worden. Er soll die Fortführung bewährter Netzwerkstrukturen auch nach Ablauf der öffentlichen Förderung gewährleisten und bietet für Interessenten Möglichkeiten wie (Förder-)Mitgliedschaft, Spenden und Sponsoringvereinbarungen. http://www.PsychoseNetz.de


Quelle: Lichtblick-newsletter.de vom 03.11.2003


Schizophrenie: Wenige sind gewalttätig

Neu-Isenburg (dpa) - Schizophreniekranke sind laut einer Studie weniger gefährlich für ihre Umgebung als vermutet. Die Patienten haben lediglich ein dreifach höheres Risiko, gewalttätig zu werden als gesunde Menschen, berichtet die in Neu-Isenburg erscheinende «Ärzte Zeitung». Bislang war angenommen worden, dass sie ein bis zu 18-fach erhöhtes Risiko für Gewalttaten haben. Die neuen Erkenntnisse gehen aus einer Studie der Universität München hervor, die Daten von 451 Schizophrenie-Patienten untersucht hatten. Bei einem Vergleich mit dem Bundeszentralregister, das Verurteilungen mit strafrechtlicher Bedeutung erfasst, wurden dort 44 Patienten mit insgesamt 174 Einträgen gefunden. Lediglich 14 davon waren Körperverletzungen. Der Zeitung zufolge sind meist Angehörige, Pfleger und Ärzte von der Gewalt betroffen, selten Fremde.

Quelle: Netdoktor.de vom 29.05.2004


Schizophrenie: Trotzdem ein normales Leben führen

München (dpa) - Auch Schizophrenie-Patienten können trotz ihrer Krankheit ein normales Leben führen und regulär arbeiten gehen. Wichtig dafür ist allerdings eine entsprechende Behandlung mit Medikamenten. Schizophrenie sei in diesem Zusammenhang eine Krankheit wie Diabetes, berichteten Ärzte der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität München am Donnerstag zu deren 100-jährigem Bestehen. Wie auch bei Depression oder Alzheimer sei es für den weiteren Verlauf entscheidend, dass die Schizophrenie früh diagnostiziert und behandelt wird. Dies ist umso wichtiger, weil den Experten zufolge etwa 10 bis 15 Prozent der Patienten innerhalb der ersten 10 Jahre nach dem Krankheitsausbruch Selbstmord begehen. Jeder 100. Deutsche erkrankt mindestens einmal in seinem Leben an Schizophrenie. Diese wird durch genetische, biochemische und psychologische Faktoren verursacht.

Quelle: Netdoktor.de vom 05.11.2004


Schizophrenie: Mangelnde Kommunikation der Gehirnzellen

Washington (ddp). Die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen ist bei Schizophreniekranken eingeschränkt. Amerikanische Forscher sind in einer Studie mit 40 Teilnehmern erstmals auf bestimmte Unregelmäßigkeiten der Gehirnströme gestoßen, die auf diese Annahme hindeuten. Die an Schizophrenie Erkrankten zeigten in einem bestimmten Frequenzbereich, dem sogenannten Gamma-Band, keine elektrische Aktivität der Nervenzellen im Gehirn. Genau dieser Frequenzbereich scheint aber eine Rolle zu spielen, um verschiedene Informationen zu einem einheitlichen Signal zu verarbeiten. Ihre Ergebnisse präsentieren die Forscher im Fachmagazin "PNAS"
(Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0406074101).

Die Forscher um Robert McCarley von der Harvard-Medical-School in Brockton hatten den Probanden mehrfach zwei Grafiken gezeigt. In einer bildeten vier Dreiviertelkreise ein imaginäres Quadrat. Innerhalb von zwei Sekunden mussten die Testpersonen durch Knopfdruck mitteilen, ob sie das Viereck sahen oder nicht. Sowohl die 20 Schizophrenen als auch die Vergleichsgruppe reagierten in einer Sekunde. Die Schizophrenen machten jedoch mehr Fehler und benötigten etwa 200 Millisekunden länger, um die Bilder zu verarbeiten.

Die Messungen ihrer Gehirnströme mit einem Elektro-Enzephalogramm (EEG) zeigten keine Gehirnströme im Bereich zwischen 30 und 100 Hertz, dem Gamma-Band. Diese Gamma-Wellen helfen vermutlich, dass Zellen miteinander kommunizieren und so verschiedene Wahrnehmungen verknüpfen. Bei einigen der Schizophrenen maßen die Forscher Wellen mit niedrigerer Frequenz. Dass kann laut McCarley auf eine weniger effektive Kommunikation zwischen den Gehirnzellen hinweisen. Wenn die effizienteste Verständigung zwischen Gruppen von Neuronen bei 40 Hertz liegt, und Schizophrene mit geringeren Frequenzen arbeiteten, sei es wahrscheinlich, dass bei ihnen die Kommunikation zwischen Zellverbänden und Hirnregionen gestört ist. Die geringste Aktivität im Gamma-Bereich fanden die Forscher bei den Patienten mit den heftigsten Symptomen der Krankheit.

Schizophrene Menschen haben häufig einen gestörten Realitätsbezug und können unter Halluzinationen und Wahnvorstellungen leiden. Die psychische Erkrankung betrifft 0,5 bis 1 Prozent der deutschen Bevölkerung. Sie wird meist mit einem mehrdimensionalen Therapieansatz behandelt, bei dem Mediziner psychopharmakologische, psycho- und sozialtherapeutische Maßnahmen kombinieren.

Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr. 147 vom 12.11.2004



Doppelpack: Psychosen und Sucht treten oft zusammen auf

Ravensruh (dpa) - Psychische Störungen treten immer häufiger zusammen mit Suchterkrankungen auf. Darauf hat Landessozialministerin Marianne Linke (PDS) am Donnerstag unter Berufung auf Fachleute bei einem Besuch des Therapiedorfs Ravensruh bei Wismar hingewiesen. So habe sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Cannabiskonsum, die psychiatrisch behandelt werden mussten, zwischen 1991 und 2001 bundesweit verdoppelt. Die Einrichtung in Ravensruh mit 96 Plätzen halte 40 Plätze für die so genannten Doppeldiagnose-Patienten bereit.

Quelle: Netdoktor.de vom 14.01.2005


Das Rätsel Schizophrenie

Eine Krankheit wird entschlüsselt

Das Buch "Das Rätsel Schizophrenie: Eine Krankheit wird entschlüsselt" von Heinz Häfner zählt sicher zu den besten Publikationen auf diesem Gebiet. Es ist jetzt in einer vollständig überarbeiteten, dritten Auflage erschienen.
Häfner vermittelt den aktuellen Wissenstand über die Krankheit, ihre Ursachen, ihre Therapie und Prävention. Neu aufgenommene wurden Forschungsergebnisse aus den Bereichen Epidemiologie, Molekulargenetik, funktionelle Bildgebung des Gehirns, psychologische und pharmakologische Therapie, Früherkennung und Frühintervention.

Das Buch spricht Menschen an, die an einer schizophrenen Erkrankung leiden und die ein erhöhtes Kranheitsrisiko in sich tragen. Ebenso enthält es nützliche Informationen für Psychiater und Psychologen, Ärzte und Therapeuten, Angehörige und Helfer. Ein Lichtblick für alle, die sich verständliches Wissen zum Thema Schizophrenie aneignen möchten.


Stimmen (Verlagsinformation)

"Häfner ist ein eindrucksvoller, sehr empfehlenswerter Band gelungen."
(Rheinischer Merkur)

"Heinz Häfner ... hat eine bedeutende Monografie vorgelegt, die dem Rätsel Schizophrenie in wohltuend sachlich-wissenschaftlicher Art begegnet und zudem von klinischer Erfahrung und Empathie geprägt ist ... Dieses Werk ist ein Muss für jeden, der sich professionell mit der Schizophrenie beschäftigt." (Henrik Walter, Psychologie heute)

Die Schizophrenie gilt in der Öffentlichkeit als Inbegriff der psychischen Erkrankung, obwohl Depressionen und Angst viel häufiger auftreten. Gespeist aus einer Mischung von Vorurteilen, Furcht und Unkenntnis zieht sie besonderes Interesse auf sich, vielleicht weil sie in ihren unbehandelten Symptomen so fremdartig, unverständlich und unberechenbar wirkt. Dieses Buch erläutert die neuesten Forschungsergebnisse über die Schizophrenie und versucht so, einer der geheimnisvollsten seelischen Erkrankungen den Ruf des Unheimlichen und der Ausweglosigkeit zu nehmen.

Zum Autor: Heinz Häfner, em. Professor für Psychiatrie der Universität Heidelberg, ehem. Direktor des Mannheimer Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI), leitet die Arbeitsgruppe Schizophrenieforschung am ZI. Für seine Forschungsergebnisse über Schizophrenie wurde er mehrfach ausgezeichnet, so mit der "Erik-Strömgren-Medaille" (1988), dem "Joseph-Zubin-Preis" der "American Psychopathological Association" (1997) sowie mit dem "Leader of Psychiatry Award" der World Psychiatric Association (1999). Er ist Mitglied verschiedener Expertenkommissionen, darunter der WHO und des wissenschaftlichen Beirats der Psychiatriestiftung Luxemburg.

"Das Rätsel Schizophrenie: Eine Krankheit wird entschlüsselt", Heinz Häfner, 3. vollständig überarbeitete Auflage. (2005) C.H.Beck., 440 Seiten mit 54 Abbildungen und 49 Tabellen, broschiert.
--> http://www.lichtblick-newsletter.de/buchrez30.html

Quelle: Lichtblick-newsletter.de Nr. 160 vom 08.04.2005


Schizophrenie: Höheres Risiko durch Hungersnöte

Chicago (ddp). Eine mangelhafte Nährstoffversorgung im Mutterleib könnte das Risiko für Schizophrenie erhöhen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Untersuchung von Kindern hin, die während einer extremen Hungersnot Mitte des 20. Jahrhunderts in China geboren wurden. Ihr Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, hatte sich im Vergleich zu Kindern anderer Jahrgänge verdoppelt, berichten David Clair und seine Kollegen von der Jiao Tong Universität in Shanghai in der Fachzeitschrift «JAMA» (Bd. 294, S. 557). Bei Schizophrenie handelt es sich um eine schwere Form einer Persönlichkeitsstörung, bei der es zu einschneidenden Veränderungen im Denken und Handeln kommt. Typische Symptome sind Wahnvorstellungen, Denkstörungen und Halluzinationen wie das Hören von nicht vorhandenen Stimmen. Weltweit liegt das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, bei etwa einem Prozent. Die Auslöser der Erkrankung sind bislang unbekannt, Mediziner vermuten jedoch, dass Einflüsse in der frühen Hirnentwicklung eine Rolle spielen. Bereits in den 90er Jahren hatten niederländische Forscher nachgewiesen, dass Kinder, die im Hungerwinter 1944/45 in Holland geboren worden waren, ein deutlich erhöhtes Risiko hatten, an Schizophrenie zu erkranken. Die Zahl der untersuchten Patienten war jedoch sehr gering. Clair und sein Team untersuchten nun Schizophrenie-Fälle aus der Wuhu-Region in der chinesischen Provinz Anhui, die 1959 bis 1961 besonders von Hungersnöten betroffen war. Die Wissenschaftler verglichen dabei klinische Daten aus den Jahren 1971 bis 2001 von Patienten, die vor, während und nach der Hungerperiode geboren worden waren. Generell hatte die Geburtsrate während der Hungerjahre um rund 80 Prozent abgenommen. Unter denen, deren Geburtstag in die Zeit des Hungerns fällt, gab es mehr als doppelt so viele Schizophrenie-Erkrankungen wie in den Jahrgängen davor und danach, zeigte die Auswertung. Trotz der Übereinstimmung beider Studien sei es weiter unklar, ob ein genereller Nährstoffmangel oder das Fehlen eines spezifischen Stoffes das Problem sei, betont Richard Neugebauer von der Columbia-Universität in New York. Im Verdacht steht dabei vielfach die Folsäure. Forscher untersuchen daher momentan, ob es zwischen dem Folsäure-Stoffwechsel und psychischen Erkrankungen einen Zusammenhang gibt.

Quelle: Netdoktor.de vom 04.08.2005



Borderline-Störung: Unkontrollierte Emotionen

Rostock (ddp). Manche Menschen können ganz schön launisch sein. Vor allem Jugendliche haben in der Pubertät zeitweise mit unangenehmen Stimmungsschwankungen zu kämpfen. Wer seine Emotionen über längere Zeit nicht mehr unter Kontrolle hat, sollte einen Arzt aufsuchen. «Hinter den Gefühlsschwankungen könnte eine Borderline-Persönlichkeitsstörung stecken», sagt Professorin Sabine Herpertz von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde. Schätzungsweise sind rund 1,5 Prozent der Deutschen betroffen, am häufigsten junge Erwachsene zwischen 16 und 35 Jahren. Borderline-Patienten sind massiv in ihrer Emotionalität gestört. Häufig reicht schon der geringste Anlass aus, um sie in Rage zu bringen oder in tiefe Trauer zu stürzen. Kontrollieren lassen sich die Gefühlsausbrüche nicht, die Patienten stehen völlig neben sich: »Sie können kaum in Worte fassen, welches Gefühl sie gerade erleben«, erläutert Herpertz. Spürbar ist nur ein diffuser, quälender Spannungszustand. Erleichterung bringt oft bewusst selbstschädigendes Verhalten: Borderline-Patienten verletzen sich mit Rasierklingen oder drücken Zigaretten auf ihren Armen aus. Auch für Alkohol- und Drogenmissbrauch und Essstörungen sind sie anfällig. Schwierige familiäre Verhältnisse oder seelische Traumata in der Kindheit können die Erkrankung begünstigen. Auch die genetische Veranlagung spielt Herpertz zufolge eine Rolle. Zudem ergaben Gehirnforschungen, dass Betroffene zu einer Überempfindlichkeit in bestimmten Hirnregionen neigen, die für emotionale Vorgänge zuständig sind. In der sogenannten Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) lernen die Erkrankten, ihre Gefühle auf andere Weise zu verarbeiten. DBT ist eine relativ neue Behandlungsform, die verschiedene therapeutische Ansätze miteinander kombiniert, darunter Aspekte der Verhaltenstherapie, der Zen-Meditation und der Kognitiven Therapie. »Durch DBT sind die Heilungschancen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen", sagt Herpertz. Je besser die Persönlichkeitsstörung erkannt und behandelt wird, desto besser seien die Heilungschancen.

Quelle: Netdoktor.de vom 20.08.2007

Schizophrenie-Kongress: Verbesserte Behandlung

Düsseldorf (ddp). Die Behandlung der Schizophrenie wird immer besser. Durch neue Forschungsergebnisse seien in den vergangenen fünf Jahren die Möglichkeiten dafür verbessert worden, sagte Professor Wolfgang Gaebel, Sprecher des Kompetenznetzwerkes Schizophrenie (KNS), am Mittwoch in Düsseldorf. Er äußerte sich anlässlich der 1. Europäischen Schizophrenie Konferenz, die noch bis Freitag in Düsseldorf stattfindet. In Deutschland entwickle etwa ein Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens eine Schizophrenie, hieß es weiter. Jedes Jahr komme es zu etwa 13.000 Neuerkrankungen. In den meisten Fällen träten die ersten Krankheitszeichen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren auf. «Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, kann ihr Verlauf günstig beeinflusst und in einigen Fällen sogar verhindert werden», sagte Professor Joachim Klosterkötter, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Köln. Bereits bei ersten psychotischen Symptomen wie Verhaltensauffälligkeiten und Nervosität sei es wichtig, psychotherapeutisch und durch eine medikamentöse Behandlung gegenzusteuern. Ähnlich wie das KNS in Deutschland haben sich den Angaben zufolge in anderen europäischen Staaten nationale Netzwerke der Erforschung der Schizophrenie verschrieben. Zur Verbesserung der Schizophrenie-Forschung müsse es eine stärkere Zusammenarbeit der europäischen Netzwerke geben, forderte Gaebel.

Quelle: Netdoktor.de vom 27.09.2007
Schizophrenie: Gehirndurchblutung als Indikator

München (netdoktor.de) - Bei Menschen mit Schizophrenie ist eine umschriebene Region des Gehirns stärker durchblutet. Ärzte von der Columbia Universität in New York/USA konnten diese gesteigerte Aktivität nun erstmals bei Patienten nachweisen, deren Psychose noch gar nicht ausgebrochen war. "Unsere Studie könnte die Diagnose früher Krankheitsstadien erleichtern und damit die Therapiemöglichkeiten der Schizophrenie verbessern", hofft Dr. Scott Small. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin "Archives of General Psychiatry" (2009; 66: 938-946) erschienen.

Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass der Hippocampus, das "Lern- und Gedächtniszentrum" im Schläfenlappen des Gehirns, bei Menschen mit Schizophrenie vermehrt aktiv ist. Scott Small und Kollegen haben nun die Durchblutung dieser Gehirnregion bei 54 Personen genauer analysiert. 18 Studienteilnehmer waren an Schizophrenie erkrankt, 18 Gesunde dienten als Kontrollgruppe und weitere 18 litten unter unsicheren Frühzeichen (Prodromalsymptomen) einer Psychose - beispielsweise der fixen Idee, man würde hinter ihrem Rücken über sie reden. Die letzte Gruppe wurden über zwei Jahre nachbeobachtet.

Mit einem leistungsstarken Kernspintomografie-Gerät fanden die Ärzte auffällige Unterschiede in den Gehirnen ihrer Versuchspersonen: Bei den Schizophreniekranken floss in der etwa 5 mm großen Region CA1 des Hippocampus mehr Blut als bei der Kontrollgruppe. Auch bei sieben Teilnehmern mit Prodromalsymptomen fanden die Forscher eine gesteigerte Durchblutung - und zwar bei denjenigen, die später eine Schizophrenie entwickelten.

Eine klinische Anwendung dieser Beobachtung ist momentan nicht in Sicht. Vorher müssen weitere Studien klären, was die gesteigerte Durchblutung im Hippocampus zu bedeuten hat. (nb

Quelle: Netdoktor.de vom 10.09.2009



Schizophrenie:
Weltweit ähnliche Lebenssituation


München (netdoktor.de)
Die Lebensverhältnisse von Schizophrenie-Patienten unterscheiden sich kaum, egal in welchem Land und mit welchem Gesundheitssystem sie leben. Sowohl die finanzielle Situation als auch der Beziehungsstatus, die Häufigkeit sexueller Probleme und die eingesetzten Medikamente ähneln sich. Die Ergebnisse der Studie, die mehr als 17.000 Patienten in 37 Ländern miteinander verglich, erschienen in der November-Ausgabe der Fachzeitschrift "International Journal of Clinical Practice" (2009; 63: 1578-1588).Die untersuchten Patienten stammten aus West- und Osteuropa, Lateinamerika, Ostasien, Nordafrika und dem Mittleren Osten. Im Durchschnitt waren die Männer und Frauen 38 Jahre alt und die Schizophrenie war sieben Jahre zuvor festgestellt worden. Ein Zehntel der Teilnehmer bekamen mit Beginn der Studie zum erstmalig Antipsychotika verschrieben, die restlichen Patienten wurden gerade von ihrem Arzt auf andere Medikamente umgestellt.Ein Drittel der Patienten (34 Prozent) befand sich in den vorherigen sechs Monaten stationär in Behandlung - nur in Lateinamerika wich der Anteil statistisch signifikant nach oben ab (41 Prozent). Unabhängig vom Heimatland ging etwa jeder Fünfte einer bezahlten Arbeit nach (16 bis 23 Prozent). Ein knappes Drittel (32 Prozent) lebte in einer Beziehung, wobei Betroffene in Korea, Malaysia und Taiwan besonders häufiger einen Partner hatten (47 Prozent). Patienten aus Ostasien berichteten auch seltener (34 Prozent) über Probleme beim Sex als alle anderen Teilnehmer (62 Prozent). Ein Viertel wurde mit mehr als einem Medikament gegen Schizophrenie behandelt, und drei Viertel nahmen noch weitere verschreibungspflichtige Arzneimittel gegen andere Krankheiten ein.Es habe heftige Debatten darüber gegeben, ob die Situation von Schizophrenie-Kranken zwischen Entwicklungs- und Industrieländern vergleichbar sei, erläutert Studienleiter Dr. Jamie Karagianis den Grund für die Untersuchung. "Obwohl es einige regionale und länderspezifische Abweichungen gab, zeichnet die Studie insgesamt ein verblüffend einheitliches Bild bei den Schlüsselfaktoren in Gesundheit, Medikation und Sozio-Ökonomie."Die Studie entstand im Auftrag der Pharmafirma Eli Lilly. Alle beteiligten Ärzte seien jedoch völlig frei in der Wahl von Therapien und in der Ermittlung der Daten gewesen, erklären die Studienautoren. (fs)

Quelle: Netdoktor.de vom 17.11.2009



Schizophrenie: Überaktives Immunsystem im Gehirn

Stockholm (ddp). Schizophrenie könnte zumindest zum Teil auf eine Immunreaktion im Gehirn zurückgehen. Darauf deutet jetzt eine Studie schwedischer Forscher hin, die die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit von Patienten kurz nach dem Ausbruch der Krankheit untersuchten. Ergebnis: Im Vergleich zu Gesunden fand sich im Liquor der Schizophrenie-Patienten ein deutlich erhöhter Spiegel eines wichtigen Signalstoffs des Immunsystems. Sollte sich ein Zusammenhang zwischen einem überaktiven Immunsystem und dem Ausbruch der Krankheit auch in weiteren Studien bestätigen, könnte sich ein völlig neuer Behandlungsansatz für die Krankheit eröffnen, von der bis heute unbekannt ist, wie sie eigentlich entsteht. Über ihre Entdeckung berichten Johan Söderlund vom Karolinska-Institut in Stockholm und seine Kollegen im Fachmagazin «Molecular Psychiatry» (Bd. 14, S. 1069, doi: 10.1038/mp.2009.52).

Schizophrenie bricht meistens im jungen Erwachsenenalter zum ersten Mal mit einem heftigen psychotischen Schub aus. Die Betroffenen verändern dann nicht selten ihre gesamte Persönlichkeit, leiden unter Wahnvorstellungen und können nicht mehr zwischen Realität und Halluzination unterscheiden. Obwohl Schizophrenie relativ häufig ist und zumindest in den westlichen Ländern als eine der schwersten psychischen Erkrankungen überhaupt gilt, ist nach wie vor nicht klar, wie die Krankheit entsteht. Aktuell gilt die Theorie eines Zusammenspiels mehrerer Faktoren als vielversprechendster Erklärungsansatz. Demnach sind die Betroffenen zwar genetisch vorbelastet und zeigen anatomische Auffälligkeiten, erkranken aber nur, wenn bestimmte äußere Umstände dazukommen wie etwa ein traumatisches Erlebnis oder Drogenkonsum.

Es gibt allerdings auch Hinweise darauf, dass eine Infektion im Kindesalter den Ausbruch der Krankheit fördern kann. Söderlund und sein Team suchten daher in ihrer Studie nach Anzeichen für eine Beteiligung des Immunsystems. Im Gegensatz zu den meisten früheren Studien analysierten sie jedoch nicht das Blut, sondern direkt die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit von 26 Patienten kurz nach Beginn ihres ersten Schubes und verglichen die Zusammensetzung mit der einer gesunden Kontrollgruppe. Das Ergebnis: Bei den Schizophrenikern fand sich tatsächlich ein um das Fünffache erhöhter Spiegel eines Immunsignalmoleküls namens Interleukin-1-beta in der Hirnflüssigkeit.

Ob die erhöhte IL-1-beta-Menge allerdings Ursache oder Folge der Erkrankung sei, lasse sich bisher nicht sagen, betonen die Forscher. Der Fund passe jedoch bestens ins Bild einer Beteiligung des Immunsystems. So gehört IL-1-beta zu den sogenannten Cytokinen, Botenstoffen der Körperabwehr, denen bei verschiedenen Krankheiten Symptome wie Lethargie, Lustlosigkeit, kognitive Einschränkungen und sozialer Rückzug zugeschrieben werden - alles Kennzeichen, die auch bei einer Schizophrenie auftreten. Zudem können Cytokine im Tierversuch den Dopaminhaushalt im Gehirn durcheinanderbringen und Schizophrenie scheint ebenfalls mit einer Überempfindlichkeit für Dopamin einherzugehen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wären Wirkstoffe, die das Immunsystem regulieren, eine vielversprechende Alternative für eine echte ursächliche Behandlung der Krankheit.

Quelle: Netdoktor.de vom 19.11.2009


Schizophrenie: Erste Anzeichen schon in der Jugend

München (netdoktor.de) - Schizophrenie tritt meist erst im Erwachsenenalter zutage. Doch bereits im Alter zwischen 7 und 13 Jahren fallen Kinder auf, die später an der psychiatrischen Störung erkranken: Sie schneiden schlechter in verschiedenen Sprach- und Gedächtnistests ab und zeigen lange Zeit eine verzögerte Entwicklung. Dieses Ergebnis einer 30 Jahre laufenden Studie präsentierten Forscher der Duke University, North Carolina, im Fachmagazin "American Journal of Psychiatry" (2010; doi: 10.1176/appi.ajp.2009.09040574).

Das Team unter Leitung von Terrie E. Moffitt hatte mehr als 1.000 Neuseeländer von deren Geburt bis zum 32. Lebensjahr begleitet. Im Alter von 3, 5, 7, 9, 11 und 13 Jahren absolvierten die Mädchen und Jungen verschiedene Tests auf ihre geistige Entwicklung. Rund ein Prozent der Teilnehmer erkrankte im Laufe der Studie an Schizophrenie und musste medikamentös behandelt werden. Bei weiteren 2,5 Prozent diagnostizierten die Ärzte ebenfalls eine Schizophrenie, eine Therapie wurde jedoch nicht eingeleitet.

Die Studienautoren stellten rückblickend fest, dass sich bereits ab einem Alter von sieben Jahren ein erhöhtes Risiko für die psychiatrische Störung abzeichnete. Die später Betroffenen schnitten in den Tests zu sprachlicher Argumentationsfähigkeit, Arbeitsgedächtnis, Konzentrations- und Beobachtungsfähigkeit schlechter ab als Gleichaltrige. Darüber hinaus zeigten sie über die Jahre gesehen geringere Fortschritte auf diesen Gebieten, während die Fähigkeiten der anderen Kinder schnell zunahmen.

"Der Anteil der Kinder, der bei diesen Tests schlecht abschneidet, ist groß; die Zahl der Kinder, die Schizophrenie entwickeln winzig", gibt Moffitt zu. Dennoch hätte die Studie interessante neue Aspekte über die Störung aufgedeckt. Zum einen sei nun widerlegt, dass die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen abnehmen. Vielmehr sei es eine längere Entwicklung: Die Kinder verbessern sich zwar, jedoch weniger stark als ihre Altersgenossen. Zum anderen könne man aus diesen frühen Defiziten eine mögliche Ursache für Schizophrenie ableiten: Das zunächst nur etwas weniger weit entwickelte Gehirn könne womöglich nicht mit den neuen Eindrücken und Veränderungen während der Pubertät Schritt halten - die Kinder könnten sich daraufhin zunehmend von ihrer Umwelt zurückziehen und in eine Traumwelt flüchten.

Es sei verführerisch, so Koautor Richard Keefe, beim Auftreten der frühen Warnsignale mit Medikamenten gegensteuern zu wollen. Das sei jedoch gefährlich. Von den rund 20 Prozent der Kinder, die solche Auffälligkeiten zeigen, entwickelt nur etwa ein Prozent die Krankheit - die anderen 19 Prozent müssten unnötig unter den Nebenwirkungen der Antipsychotika leiden. Erwachsene, die an Schizophrenie erkranken, können mit einer konsequenten Therapie in der Regel einen Aufenthalt im Krankenhaus vermeiden. Viele von ihnen können zumindest zeitweise einen normalen Beruf ausüben. (fs)

Quelle: Netdoktor.de vom 25.01.2010

 

 

 

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Zuletzt geändert am: 25.01.2010