Cannabis:
Kann Schizophrenie früher auslösen
Mannheim
(dpa) - Der Missbrauch von Cannabis kann einer Studie zufolge Schizophrenie
vorzeitig auslösen und Psychosen verschlimmern. Dies ist das Ergebnis
einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung des Zentralinstituts
für Seelische Gesundheit in Mannheim anhand von 232 erstmals an
Schizophrenie erkrankten Patienten. Demnach brach die Krankheit
bei regelmäßigen Cannabis-Konsumenten im Durchschnitt mit 17,7 Jahren
aus, bei Abstinenten erst 8 Jahre später. Bei fast 35 Prozent der
schizophrenen Cannabis-Konsumenten brach die Krankheit in demselben
Monat aus, in dem auch der Drogenmissbrauch begann - 28 Prozent
hatten zur Zeit des Krankheitsausbruchs schon länger als ein Jahr
regelmäßig gekifft. "Der zeitliche Zusammenhang ist hoch signifikant",
sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Schizophrenieforschung, Prof.
Heinz Häfner. Dies lasse den Schluss zu, dass die Krankheit durch
die Droge ausgelöst werde. Die Studie der Mannheimer Forscher ist
in der Fachzeitschrift "Nervenheilkunde" (Nr. 4/2002)
erschienen. Der Cannabis-Wirkstoff THC wirke auf bestimmte Rezeptoren
im Gehirn, die auch beim Auftreten von Psychosen beteiligt seien.
"Jemand, in dessen Familie schon eine Vorbelastung mit Schizophrenie
besteht, sollte es auf jeden Fall lassen." Sei die Krankheit
erst ausgebrochen, habe der Cannabis-Konsum weitere negative Folgen:
"Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Denkstörungen werden
signifikant verstärkt", sagte Häfner, "Gleichgültigkeit
und Abstumpfung, worunter manche Patienten ausgesprochen leiden,
werden hingegen vermindert". Das bringe manche Kranke in die
Versuchung, mit Cannabis eine Selbsttherapie zu betreiben - mit
oft negativen Folgen: Längerer Cannabismissbrauch führe zu schlechterer
Therapierbarkeit, so Häfner. (ee)
Quelle:
Netdoktor.de
vom 12.07.2002
Kompetenznetz
mit Informationsbörse Schizophrenie
(naps).
Im Rahmen einer Informationsbörse unter der Rubrik "Laien
und Betroffene" präsentiert das Kompetenznetz Schizophrenie
aktuelle Antworten, u.a zu den Themen: Was ist Schizophrenie? Wie
entsteht Schizophrenie? Ist Schizophrenie eine Erkrankung des Gehirns?
Ist Schizophrenie heilbar? Welche Psychopharmaka
helfen? Welche Nebenwirkungen können auftreten? Ist eine vorbeugende
Behandlung möglich? Welchen Einfluss haben Psycho- und Soziotherapie?
Wer bietet Hilfe bei akuten Krankheitsepisoden? Welche Rolle spielt
der Hausarzt? Welche psychiatrisch-fachärztlichen Möglichkeiten
bestehen?
http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de
Quelle: Lichtblick-newsletter.de
vom 18.11.2002
Erstes
atypisches Neuroleptikum als Depot-Präparat
(naps/rh).
Zur Behandlung bei schizophrenen Psychosen gibt es jetzt auch ein
atypisches Neuroleptikum als Depot-Präparat. "Risperdal
Consta" mit dem Wirkstoff Risperidon wird alle 14 Tage intramuskulär
injiziert. Die in dem Depot-Präparat enthaltenen Mikrokapseln
zerfallen im Körper und setzen das Neuroleptikum kontinuierlich
frei. Nach etwa drei Wochen der Erstinjektion wird der für
die Therapie notwendige Wirkspiegel erreicht. Aus diesem Grund müssen
Patienten in dieser Zeit den Wirkstoff zusätzlich als Tablette
einnehmen. Danach reicht eine Injektion alle zwei Wochen für
eine effektive Langzeittherapie aus. Der Vergleich von Risperidon
oral mit der Depotform ergab eine ähnliche Wirksamkeit beider
Darreichungen. In der kontrollierten Studie wurden keine Unterschiede
bei der Ansprechrate, Sicherheit und Verträglichkeit gefunden.
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 26.11.2002
Psychose:
Früherkennung verhindert chronischen Krankheitsverlauf
Münster
(dpa) - Das rechtzeitige Erkennen einer Psychose kann nach Ansicht
von Experten einen chronischen Verlauf der Krankheit verhindern.
Derzeit litten rund zwei Drittel aller betroffenen Menschen dauerhaft
oder wiederkehrend an solchen seelischen Störungen, sagte am
Freitag der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
der Universität Münster, Prof. Volker Arolt. Psychosen
seien erkennbar an sozialem Rückzug, Leistungsabfall, Unruhe
und Angst. Rund ein Prozent der Bevölkerung - Frauen und Männer
sind gleichermaßen betroffen - haben den Angaben zufolge Psychosen.
Die Tendenz ist seit Jahren gleich bleibend. Dabei verlieren die
Patienten laut Arolt den Realitätsbezug, was sich in Wahnvorstellungen,
schweren Depressionen oder Schizophrenie äußern kann.
Auslöser einer Psychose könne neben seelischen Problemen
auch eine körperliche Erkrankung sein, wie etwa ein Schlaganfall.
Nach den Worten des Klinikdirektors wird die Krankheit meist zu
spät erkannt. «Die meisten Neuerkrankten sind zwischen
20 und 30 Jahren alt, deshalb fällt die Diagnose Psychose oder
eben 'nur' Ausbildungs- oder Lebenskrise besonders schwer.»
Vielfach würden erste Symptome nur «anbehandelt»,
aber nicht weiterverfolgt.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 24.05.2003
Frühbehandlung
von Psychosen im FETZ-München
naps/rh:
Nie war es für Betroffene, Angehörige und Freunde leichter,
psychiatrische Aufklärungsinformationen zu erhalten. Dazu erweist
sich beispielsweise das Fetz-München im Internet
(http://psywifo.klinikum.uni-muenchen.de/fetz) als sehr hilfreich.
Das
Früherkennungs- und Therapie-Zentrum für Psychotische
Krisen (Fetz) ist eine neugeschaffene Ambulanz an der Psychiatrischen
Klinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Größter
Pluspunkt des Online-Wegweisers ist sein Praxisbezug. Dass es Menschen
mit einem erhöhten Risiko für Psychosen gibt, vermittelt
das Fetz-Team überzeugend. Es sei wichtig, "auf mögliche
Frühsymptome einer Psychose zu achten, damit möglichst
frühzeitig eine Behandlung eingeleitet werden kann", so
die Webautoren. Die Kapitel sind zweckmäßig untergliedert:
"Was sind Psychosen", "Wer ist betroffen?",
"Symptome von Psychosen", "Frühwarnzeichen für
Psychosen", "Checkliste für den Selbsttest",
"Ursachen von Psychosen", "Wie kann man gegen Psychosen
vorbeugen?" und "Links". Fetz-München ist Teil
eines Modellprogramms, bei dem bundesweit Universitätskliniken
aus Bonn, Düsseldorf, Köln und München zusammenwirken. Das
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert
die Früherkennungszentren im Rahmen des Forschungsschwerpunktes
"Kompetenznetzwerke in der Medizin". Adresse: FETZ-München,
Psychiatrische Universitätsklinik der LMU, Nussbaumstr. 7,
80336 München, Tel 089 - 5160 5866 oder 089 - 5160 5780, E-Mail:
fetz@psy.med.uni-muenchen.de oder FETZ-Muenchen@web.de http://psywifo.klinikum.uni-muenchen.de/fetz
Quelle: Lichtblick-newsletter.de
vom 03.05.2003
Neue
Hilfen für schizophren Erkrankte
Berlin (ddp-lbg). Neue Hilfen erhalten schizophren Erkrankte in
Berlin und Brandenburg. Dazu gehört vor allem die Schaffung
eines lokalen Netzwerkes zur Entdeckung und Betreuung von Patienten
im Vor- beziehungsweise Frühstadium dieser Krankheit, sagte
eine Sprecherin der Berliner Charité am Donnerstag. Durch
frühzeitiges Erkennen der Vorstufen der Schizophrenie und sofortige
Behandlung soll verhindert werden, dass sich die Erkrankung zum
Vollbild entwickelt.
Mindestens
jeder hundertste Einwohner in Berlin und Brandenburg leidet nach
Angaben der Charité an Schizophrenie. Jährlich erkranken
in der Region etwa 800 Menschen neu. In der Regel beginnt die Erkrankung
bereits im jungen Erwachsenenalter. Sie verläuft oft chronisch.
Den Betroffenen drohen erhebliche Folgen wie Frühverrentung,
keine Partnerschaft, keine Kinder, ein Leben am Rand der Gesellschaft.
Bei frühzeitiger Behandlung sei eine solche Entwicklung aber
nicht zwingend.
Das
"Früherkennungs- und Therapiezentrum Berlin-Brandenburg
für beginnende Psychosen" (FETZ) hat sich die Aufgabe
gestellt, solche Patienten bereits vor Ausbruch der eigentlichen
Erkrankung anhand von Vorboten zu erkennen und angemessen zu behandeln.
Das FETZ ist in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
der Charité sowie in der brandenburgischen Landesklinik Teupitz
angesiedelt. Dank einer großzügigen Spende des Unternehmens
Janssen Cilag kann FETZ jetzt neue Formen der Prävention einführen.
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 18.07.2003
Unzureichend
gelöst: Negativsymptomatik bei Schizophrenie
(naps/rh). "Es entspricht internationalem Standard, atypische
Neuroleptika als Mittel der ersten Wahl bei Patienten mit schizophrenen
Erkrankungen zu bevorzugen", erklärte Professorin Dr.
Nina R. Schooler (New York) auf einer Weiterbildungsveranstaltung
im Medizinischen Zentrum der Landeshauptstadt Schwerin. Für
den Einsatz spreche vor allem ein günstiges Nebenwirkungsprofil.
Haldol
beeinträchtigt kognitive Leistungsfähigkeit
"Viel
Haldol und Akineton" dagegen, so Professor Dr. Bernd Gallhofer,
Leiter der psychiatrischen Klinik am Universitätsklinikum Gießen,
"beeinträchtigen die Kognition". Zudem verursachen
die älteren Neuroleptika oftmals extrapyramidale Symptome (Bewegungsstörungen).
Diese treten bei Atypika nur sehr selten auf.
Trotz
der weiterentwickelten Neuroleptikatherapie stehen weiterhin Unwägbarkeiten
im Raum: "Unzureichend gelöst ist das Problem der Negativsymptomatik
bei Patienten mit schizophrenen Erkrankungen", so Professorin
Schooler. Fehlender Antrieb, geringe Belastbarkeit und sozialer
Rückzug sind besonders bei chronischen Verläufen nicht
selten.
Nach
Gallhofers Ansicht gewinnt dieser Aspekt vor allem Bedeutung in
der Einschätzung neuer psychopharmakologischer und psychosozialer
Behandlungsstrategien. Dazu erklärte er: "Forschung tut
Not auch in Richtung kognitiver Leistungsfähigkeit unbehandelter
Patienten mit Schizophrenie." Ganz wichtig ist: Welche Behandlungsmöglichkeiten
helfen wie? Dafür steht in seiner Klinik ein "Kognikationslabor"
zur Verfügung.
Professor
Gallhofer plädiert für eine integrative Psychiatrie. So
werden in Gießen im Rahmen eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes
u.a. Psychotherapie, Alltagsaktivierung, Gestaltungs-, Bewegungs-
und Entspannungstherapie eingesetzt. Wichtige Therapieziele sind,
so Gallhofer, das Wiederbewältigen des Alltags und das Erreichen
größtmöglicher Selbständigkeit und Lebensqualität.
Wichtig ist ihm dabei die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Patienten,
den Angehörigen und den Mitarbeitern des Behandlungsteams.
Veranstaltungsleiter
Prof. Dr. Andreas Broocks, seit Juni neuer Ärztlicher Direktor
der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik des Medizinischen Zentrums in
Schwerin, machte mit dieser Konferenz deutlich, dass die Schweriner
Weiterbildungs- und Aufklärungsveranstaltungen auch landesweit
auf große Resonanz stoßen.
-->
Die nächste Veranstaltung findet am 15. Oktober 2003, 18.00
Uhr, im
Marmorsaal der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik in Schwerin statt.
Thema: "Bewegungstherapeutische Ansätze bei psychischen
Erkrankungen". Referent: Prof. Dr. med. Andreas Broocks.
Weiterführende
Informationen: http://www.lichtblick-newsletter.de/blickpsy8.html
http://www.klinikum-sn.de http://www.med.uni-giessen.de/psychiat
http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 08.10.2003
Unzureichendes
Wissen über psychotische Erkrankungen
(22.10.03, ddp/naps). Auf der 2. Informationsbörse Schizophrenie
kamen Mediziner, Betroffene und Angehörige in Düsseldorf
zusammen, um über Krankheitserleben und Therapiemöglichkeiten
zu diskutieren. Der Sprecher des Kompetenznetzwerks Schizophrenie,
der Düsseldorfer Universitätsklinik-Professor Wolfgang
Gaebel, bemängelte eine häufige soziale Diskriminierung
von Menschen mit schizophrener Krankengeschichte. Grund sei in erster
Linie unzureichendes Wissen in der Bevölkerung über Ursachen,
Verlauf und Symptomatik von psychotischen Erkrankungen.
Jährlich
erkranken rund 800 000 Menschen an Schizophrenie. Die meisten Patienten
erkranken erstmals im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Schizophrenie
nimmt einen schleichenden Anfang: Konzentrationsstörungen,
sozialer Rückzug, Verlust der schulischen und beruflichen Leistungsfähigkeit
oder depressive Verstimmungen können erste unspezifische Anzeichen
sein. Zwei Drittel aller Patienten werden nach Expertenangaben mehrmals
von der Krankheit heimgesucht. Durchschnittlich drei bis fünf
Jahre dauert es, bis eine adäquate Behandlung stattfindet.
Bis zu 15 Prozent der Betroffenen nehmen sich während der Krankheit
das Leben.
Das
Kompetenznetzwerk Schizophrenie ist eines von 17 Kompetenznetzen
in der Medizin, die vom Bundesforschungsministerium unterstützt
werden. Durch eine enge Kooperation zwischen den Einrichtungen der
Forschung und Versorgung im Kompetenznetz Schizophrenie sollen Voraussetzungen
geschaffen werden, die eine optimale Behandlung der Patienten ermöglichen
und die Chancen für einen günstigen Krankheitsverlauf
erhöhen. In Früherkennungszentren in Köln, Bonn,
Düsseldorf und München arbeitet das Kompetenznetz Schizophrenie
eng mit Schulen, Beratungsstellen, niedergelassenen Ärzten
und Gesundheitsämtern zusammen, um eine diagnostische Abklärung
von möglichen Frühsymptomen einer Schizophrenie zu ermöglichen.
Durch den frühzeitigen Beginn einer Therapie können Chronifizierung
und Spätfolgen oftmals vermieden werden. Ebenso wichtig wie
die Früherkennung sind Prävention, Therapie und Rehabilitation.
Vor dem Hintergrund, dass unbehandelt 80 Prozent der Patienten in
einem Zeitraum von zwei Jahren Rückfälle erleiden, werden
neue Behandlungsstrategien, vor allem im Bereich der Langzeitbehandlung
und Rückfallprophylaxe, erforscht. Dazu gehört auch die
Grundlagenforschung zu Krankheitsursachen, Erkrankungsverlauf und
Behandlungsmöglichkeiten. Wichtige Aufgaben sind zudem die
Schulung von niedergelassenen Ärzten und die Aufklärung
der Bevölkerung.
Durch
den Aufbau einer Informationsbasis im Internet können sich
sowohl interessierte Laien sowie Patienten und deren Angehörige
als auch behandelnde Ärzte über aktuelle Forschungserkenntnisse
bzw. vorhandene Behandlungsmöglichkeiten und Versorgungsangebote
informieren. Kontinuierliche Informationen über das Kompetenznetz
liefert auch der neu aufgelegte Newsletter, der vier mal jährlich
erscheint und kostenlos per Internet oder postalisch bezogen werden
kann. http://www.kompetenznetz-schizophrenie.de
WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
Telefon-Hotline
***************
Wie erkennt man Schizophrenie? Wie lässt sich die Krankheit
behandeln? Welche Nebenwirkungen haben Medikamente? Wie können
Angehörige helfen? Seit Januar 2001 bietet das Kompetenznetz
Schizophrenie Betroffenen, Angehörigen, aber auch Therapeuten
und interessierten Laien einen bisher einmaligen Informations-Service
an: Psychiater und Psychologen beantworten Fragen zum Thema Schizophrenie
am Telefon. Jeweils mittwochs von 12.00 bis 14.00 Uhr ist die Hotline
zum Ortstarif unter der Nummer 01801 - 72 44 96 zu erreichen.
PsychoseNetz e.V.
*****************
Zur Unterstützung der Ziele im Kompetenznetz Schizophrenie
ist der Verein PsychoseNetz e.V. gegründet worden. Er soll
die Fortführung bewährter Netzwerkstrukturen auch nach
Ablauf der öffentlichen Förderung gewährleisten und
bietet für Interessenten Möglichkeiten wie (Förder-)Mitgliedschaft,
Spenden und Sponsoringvereinbarungen. http://www.PsychoseNetz.de
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 03.11.2003
Schizophrenie:
Wenige sind gewalttätig
Neu-Isenburg
(dpa) - Schizophreniekranke sind laut einer Studie weniger gefährlich
für ihre Umgebung als vermutet. Die Patienten haben lediglich
ein dreifach höheres Risiko, gewalttätig zu werden als
gesunde Menschen, berichtet die in Neu-Isenburg erscheinende «Ärzte
Zeitung». Bislang war angenommen worden, dass sie ein bis
zu 18-fach erhöhtes Risiko für Gewalttaten haben. Die
neuen Erkenntnisse gehen aus einer Studie der Universität München
hervor, die Daten von 451 Schizophrenie-Patienten untersucht hatten.
Bei einem Vergleich mit dem Bundeszentralregister, das Verurteilungen
mit strafrechtlicher Bedeutung erfasst, wurden dort 44 Patienten
mit insgesamt 174 Einträgen gefunden. Lediglich 14 davon waren
Körperverletzungen. Der Zeitung zufolge sind meist Angehörige,
Pfleger und Ärzte von der Gewalt betroffen, selten Fremde.
Quelle: Netdoktor.de
vom 29.05.2004
Schizophrenie:
Trotzdem ein normales Leben führen
München
(dpa) - Auch Schizophrenie-Patienten können trotz ihrer Krankheit
ein normales Leben führen und regulär arbeiten gehen.
Wichtig dafür ist allerdings eine entsprechende Behandlung
mit Medikamenten. Schizophrenie sei in diesem Zusammenhang eine
Krankheit wie Diabetes, berichteten Ärzte der Klinik für
Psychiatrie und Psychotherapie der Universität München
am Donnerstag zu deren 100-jährigem Bestehen. Wie auch bei
Depression oder Alzheimer sei es für den weiteren Verlauf entscheidend,
dass die Schizophrenie früh diagnostiziert und behandelt wird.
Dies ist umso wichtiger, weil den Experten zufolge etwa 10 bis 15
Prozent der Patienten innerhalb der ersten 10 Jahre nach dem Krankheitsausbruch
Selbstmord begehen. Jeder 100. Deutsche erkrankt mindestens einmal
in seinem Leben an Schizophrenie. Diese wird durch genetische, biochemische
und psychologische Faktoren verursacht.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 05.11.2004
Schizophrenie:
Mangelnde Kommunikation der Gehirnzellen
Washington
(ddp). Die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen ist bei Schizophreniekranken
eingeschränkt. Amerikanische Forscher sind in einer Studie
mit 40 Teilnehmern erstmals auf bestimmte Unregelmäßigkeiten
der Gehirnströme gestoßen, die auf diese Annahme hindeuten.
Die an Schizophrenie Erkrankten zeigten in einem bestimmten Frequenzbereich,
dem sogenannten Gamma-Band, keine elektrische Aktivität der
Nervenzellen im Gehirn. Genau dieser Frequenzbereich scheint aber
eine Rolle zu spielen, um verschiedene Informationen zu einem einheitlichen
Signal zu verarbeiten. Ihre Ergebnisse präsentieren die Forscher
im Fachmagazin "PNAS"
(Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0406074101).
Die
Forscher um Robert McCarley von der Harvard-Medical-School in Brockton
hatten den Probanden mehrfach zwei Grafiken gezeigt. In einer bildeten
vier Dreiviertelkreise ein imaginäres Quadrat. Innerhalb von
zwei Sekunden mussten die Testpersonen durch Knopfdruck mitteilen,
ob sie das Viereck sahen oder nicht. Sowohl die 20 Schizophrenen
als auch die Vergleichsgruppe reagierten in einer Sekunde. Die Schizophrenen
machten jedoch mehr Fehler und benötigten etwa 200 Millisekunden
länger, um die Bilder zu verarbeiten.
Die
Messungen ihrer Gehirnströme mit einem Elektro-Enzephalogramm
(EEG) zeigten keine Gehirnströme im Bereich zwischen 30 und
100 Hertz, dem Gamma-Band. Diese Gamma-Wellen helfen vermutlich,
dass Zellen miteinander kommunizieren und so verschiedene Wahrnehmungen
verknüpfen. Bei einigen der Schizophrenen maßen die Forscher
Wellen mit niedrigerer Frequenz. Dass kann laut McCarley auf eine
weniger effektive Kommunikation zwischen den Gehirnzellen hinweisen.
Wenn die effizienteste Verständigung zwischen Gruppen von Neuronen
bei 40 Hertz liegt, und Schizophrene mit geringeren Frequenzen arbeiteten,
sei es wahrscheinlich, dass bei ihnen die Kommunikation zwischen
Zellverbänden und Hirnregionen gestört ist. Die geringste
Aktivität im Gamma-Bereich fanden die Forscher bei den Patienten
mit den heftigsten Symptomen der Krankheit.
Schizophrene
Menschen haben häufig einen gestörten Realitätsbezug
und können unter Halluzinationen und Wahnvorstellungen leiden.
Die psychische Erkrankung betrifft 0,5 bis 1 Prozent der deutschen
Bevölkerung. Sie wird meist mit einem mehrdimensionalen Therapieansatz
behandelt, bei dem Mediziner psychopharmakologische, psycho- und
sozialtherapeutische Maßnahmen kombinieren.
Quelle: Lichtblick-newsletter.de
Nr. 147 vom 12.11.2004
Doppelpack:
Psychosen und Sucht treten oft zusammen auf
Ravensruh
(dpa) - Psychische Störungen treten immer häufiger zusammen
mit Suchterkrankungen auf. Darauf hat Landessozialministerin Marianne
Linke (PDS) am Donnerstag unter Berufung auf Fachleute bei einem
Besuch des Therapiedorfs Ravensruh bei Wismar hingewiesen. So habe
sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Cannabiskonsum, die
psychiatrisch behandelt werden mussten, zwischen 1991 und 2001 bundesweit
verdoppelt. Die Einrichtung in Ravensruh mit 96 Plätzen halte
40 Plätze für die so genannten Doppeldiagnose-Patienten
bereit.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 14.01.2005
Das
Rätsel Schizophrenie
Eine
Krankheit wird entschlüsselt
Das Buch
"Das Rätsel Schizophrenie: Eine Krankheit wird entschlüsselt"
von Heinz Häfner zählt sicher zu den besten Publikationen
auf diesem Gebiet. Es ist jetzt in einer vollständig überarbeiteten,
dritten Auflage erschienen.
Häfner vermittelt den aktuellen Wissenstand über die Krankheit,
ihre Ursachen, ihre Therapie und Prävention. Neu aufgenommene
wurden Forschungsergebnisse aus den Bereichen Epidemiologie, Molekulargenetik,
funktionelle Bildgebung des Gehirns, psychologische und pharmakologische
Therapie, Früherkennung und Frühintervention.
Das Buch
spricht Menschen an, die an einer schizophrenen Erkrankung leiden
und die ein erhöhtes Kranheitsrisiko in sich tragen. Ebenso
enthält es nützliche Informationen für Psychiater
und Psychologen, Ärzte und Therapeuten, Angehörige und
Helfer. Ein Lichtblick für alle, die sich verständliches
Wissen zum Thema Schizophrenie aneignen möchten.
Stimmen (Verlagsinformation)
"Häfner
ist ein eindrucksvoller, sehr empfehlenswerter Band gelungen."
(Rheinischer Merkur)
"Heinz
Häfner ... hat eine bedeutende Monografie vorgelegt, die dem
Rätsel Schizophrenie in wohltuend sachlich-wissenschaftlicher
Art begegnet und zudem von klinischer Erfahrung und Empathie geprägt
ist ... Dieses Werk ist ein Muss für jeden, der sich professionell
mit der Schizophrenie beschäftigt." (Henrik Walter, Psychologie
heute)
Die Schizophrenie
gilt in der Öffentlichkeit als Inbegriff der psychischen Erkrankung,
obwohl Depressionen und Angst viel häufiger auftreten. Gespeist
aus einer Mischung von Vorurteilen, Furcht und Unkenntnis zieht
sie besonderes Interesse auf sich, vielleicht weil sie in ihren
unbehandelten Symptomen so fremdartig, unverständlich und unberechenbar
wirkt. Dieses Buch erläutert die neuesten Forschungsergebnisse
über die Schizophrenie und versucht so, einer der geheimnisvollsten
seelischen Erkrankungen den Ruf des Unheimlichen und der Ausweglosigkeit
zu nehmen.
Zum Autor:
Heinz Häfner, em. Professor für Psychiatrie der Universität
Heidelberg, ehem. Direktor des Mannheimer Zentralinstituts für
Seelische Gesundheit (ZI), leitet die Arbeitsgruppe Schizophrenieforschung
am ZI. Für seine Forschungsergebnisse über Schizophrenie
wurde er mehrfach ausgezeichnet, so mit der "Erik-Strömgren-Medaille"
(1988), dem "Joseph-Zubin-Preis" der "American Psychopathological
Association" (1997) sowie mit dem "Leader of Psychiatry
Award" der World Psychiatric Association (1999). Er ist Mitglied
verschiedener Expertenkommissionen, darunter der WHO und des wissenschaftlichen
Beirats der Psychiatriestiftung Luxemburg.
"Das
Rätsel Schizophrenie: Eine Krankheit wird entschlüsselt",
Heinz Häfner, 3. vollständig überarbeitete Auflage.
(2005) C.H.Beck., 440 Seiten mit 54 Abbildungen und 49 Tabellen,
broschiert.
--> http://www.lichtblick-newsletter.de/buchrez30.html
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
Nr. 160 vom 08.04.2005
Schizophrenie:
Höheres Risiko durch Hungersnöte
Chicago
(ddp). Eine mangelhafte Nährstoffversorgung im Mutterleib könnte
das Risiko für Schizophrenie erhöhen. Darauf deuten die
Ergebnisse einer Untersuchung von Kindern hin, die während
einer extremen Hungersnot Mitte des 20. Jahrhunderts in China geboren
wurden. Ihr Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, hatte sich im
Vergleich zu Kindern anderer Jahrgänge verdoppelt, berichten
David Clair und seine Kollegen von der Jiao Tong Universität
in Shanghai in der Fachzeitschrift «JAMA» (Bd. 294,
S. 557). Bei Schizophrenie handelt es sich um eine schwere Form
einer Persönlichkeitsstörung, bei der es zu einschneidenden
Veränderungen im Denken und Handeln kommt. Typische Symptome
sind Wahnvorstellungen, Denkstörungen und Halluzinationen wie
das Hören von nicht vorhandenen Stimmen. Weltweit liegt das
Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, bei etwa einem Prozent. Die
Auslöser der Erkrankung sind bislang unbekannt, Mediziner vermuten
jedoch, dass Einflüsse in der frühen Hirnentwicklung eine
Rolle spielen. Bereits in den 90er Jahren hatten niederländische
Forscher nachgewiesen, dass Kinder, die im Hungerwinter 1944/45
in Holland geboren worden waren, ein deutlich erhöhtes Risiko
hatten, an Schizophrenie zu erkranken. Die Zahl der untersuchten
Patienten war jedoch sehr gering. Clair und sein Team untersuchten
nun Schizophrenie-Fälle aus der Wuhu-Region in der chinesischen
Provinz Anhui, die 1959 bis 1961 besonders von Hungersnöten
betroffen war. Die Wissenschaftler verglichen dabei klinische Daten
aus den Jahren 1971 bis 2001 von Patienten, die vor, während
und nach der Hungerperiode geboren worden waren. Generell hatte
die Geburtsrate während der Hungerjahre um rund 80 Prozent
abgenommen. Unter denen, deren Geburtstag in die Zeit des Hungerns
fällt, gab es mehr als doppelt so viele Schizophrenie-Erkrankungen
wie in den Jahrgängen davor und danach, zeigte die Auswertung.
Trotz der Übereinstimmung beider Studien sei es weiter unklar,
ob ein genereller Nährstoffmangel oder das Fehlen eines spezifischen
Stoffes das Problem sei, betont Richard Neugebauer von der Columbia-Universität
in New York. Im Verdacht steht dabei vielfach die Folsäure.
Forscher untersuchen daher momentan, ob es zwischen dem Folsäure-Stoffwechsel
und psychischen Erkrankungen einen Zusammenhang gibt.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 04.08.2005
Borderline-Störung: Unkontrollierte Emotionen
Rostock (ddp). Manche Menschen können ganz schön launisch sein. Vor allem Jugendliche haben in der Pubertät zeitweise mit unangenehmen Stimmungsschwankungen zu kämpfen. Wer seine Emotionen über längere Zeit nicht mehr unter Kontrolle hat, sollte einen Arzt aufsuchen. «Hinter den Gefühlsschwankungen könnte eine Borderline-Persönlichkeitsstörung stecken», sagt Professorin Sabine Herpertz von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde. Schätzungsweise sind rund 1,5 Prozent der Deutschen betroffen, am häufigsten junge Erwachsene zwischen 16 und 35 Jahren. Borderline-Patienten sind massiv in ihrer Emotionalität gestört. Häufig reicht schon der geringste Anlass aus, um sie in Rage zu bringen oder in tiefe Trauer zu stürzen. Kontrollieren lassen sich die Gefühlsausbrüche nicht, die Patienten stehen völlig neben sich: »Sie können kaum in Worte fassen, welches Gefühl sie gerade erleben«, erläutert Herpertz. Spürbar ist nur ein diffuser, quälender Spannungszustand. Erleichterung bringt oft bewusst selbstschädigendes Verhalten: Borderline-Patienten verletzen sich mit Rasierklingen oder drücken Zigaretten auf ihren Armen aus. Auch für Alkohol- und Drogenmissbrauch und Essstörungen sind sie anfällig. Schwierige familiäre Verhältnisse oder seelische Traumata in der Kindheit können die Erkrankung begünstigen. Auch die genetische Veranlagung spielt Herpertz zufolge eine Rolle. Zudem ergaben Gehirnforschungen, dass Betroffene zu einer Überempfindlichkeit in bestimmten Hirnregionen neigen, die für emotionale Vorgänge zuständig sind. In der sogenannten Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) lernen die Erkrankten, ihre Gefühle auf andere Weise zu verarbeiten. DBT ist eine relativ neue Behandlungsform, die verschiedene therapeutische Ansätze miteinander kombiniert, darunter Aspekte der Verhaltenstherapie, der Zen-Meditation und der Kognitiven Therapie. »Durch DBT sind die Heilungschancen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen", sagt Herpertz. Je besser die Persönlichkeitsstörung erkannt und behandelt wird, desto besser seien die Heilungschancen.
Quelle: Netdoktor.de vom 20.08.2007
Schizophrenie-Kongress: Verbesserte Behandlung
Düsseldorf (ddp). Die Behandlung der Schizophrenie wird immer besser. Durch neue Forschungsergebnisse seien in den vergangenen fünf Jahren die Möglichkeiten dafür verbessert worden, sagte Professor Wolfgang Gaebel, Sprecher des Kompetenznetzwerkes Schizophrenie (KNS), am Mittwoch in Düsseldorf. Er äußerte sich anlässlich der 1. Europäischen Schizophrenie Konferenz, die noch bis Freitag in Düsseldorf stattfindet. In Deutschland entwickle etwa ein Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens eine Schizophrenie, hieß es weiter. Jedes Jahr komme es zu etwa 13.000 Neuerkrankungen. In den meisten Fällen träten die ersten Krankheitszeichen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren auf. «Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, kann ihr Verlauf günstig beeinflusst und in einigen Fällen sogar verhindert werden», sagte Professor Joachim Klosterkötter, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Köln. Bereits bei ersten psychotischen Symptomen wie Verhaltensauffälligkeiten und Nervosität sei es wichtig, psychotherapeutisch und durch eine medikamentöse Behandlung gegenzusteuern. Ähnlich wie das KNS in Deutschland haben sich den Angaben zufolge in anderen europäischen Staaten nationale Netzwerke der Erforschung der Schizophrenie verschrieben. Zur Verbesserung der Schizophrenie-Forschung müsse es eine stärkere Zusammenarbeit der europäischen Netzwerke geben, forderte Gaebel.
Quelle: Netdoktor.de vom 27.09.2007
Schizophrenie: Gehirndurchblutung als Indikator
München (netdoktor.de) - Bei Menschen mit Schizophrenie ist eine umschriebene Region des Gehirns stärker durchblutet. Ärzte von der Columbia Universität in New York/USA konnten diese gesteigerte Aktivität nun erstmals bei Patienten nachweisen, deren Psychose noch gar nicht ausgebrochen war. "Unsere Studie könnte die Diagnose früher Krankheitsstadien erleichtern und damit die Therapiemöglichkeiten der Schizophrenie verbessern", hofft Dr. Scott Small. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin "Archives of General Psychiatry" (2009; 66: 938-946) erschienen.
Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass der Hippocampus, das "Lern- und Gedächtniszentrum" im Schläfenlappen des Gehirns, bei Menschen mit Schizophrenie vermehrt aktiv ist. Scott Small und Kollegen haben nun die Durchblutung dieser Gehirnregion bei 54 Personen genauer analysiert. 18 Studienteilnehmer waren an Schizophrenie erkrankt, 18 Gesunde dienten als Kontrollgruppe und weitere 18 litten unter unsicheren Frühzeichen (Prodromalsymptomen) einer Psychose - beispielsweise der fixen Idee, man würde hinter ihrem Rücken über sie reden. Die letzte Gruppe wurden über zwei Jahre nachbeobachtet.
Mit einem leistungsstarken Kernspintomografie-Gerät fanden die Ärzte auffällige Unterschiede in den Gehirnen ihrer Versuchspersonen: Bei den Schizophreniekranken floss in der etwa 5 mm großen Region CA1 des Hippocampus mehr Blut als bei der Kontrollgruppe. Auch bei sieben Teilnehmern mit Prodromalsymptomen fanden die Forscher eine gesteigerte Durchblutung - und zwar bei denjenigen, die später eine Schizophrenie entwickelten.
Eine klinische Anwendung dieser Beobachtung ist momentan nicht in Sicht. Vorher müssen weitere Studien klären, was die gesteigerte Durchblutung im Hippocampus zu bedeuten hat. (nb
Quelle: Netdoktor.de vom 10.09.2009
Schizophrenie:
Weltweit ähnliche Lebenssituation
München (netdoktor.de)
Die Lebensverhältnisse von Schizophrenie-Patienten unterscheiden sich kaum, egal in welchem Land und mit welchem Gesundheitssystem sie leben. Sowohl die finanzielle Situation als auch der Beziehungsstatus, die Häufigkeit sexueller Probleme und die eingesetzten Medikamente ähneln sich. Die Ergebnisse der Studie, die mehr als 17.000 Patienten in 37 Ländern miteinander verglich, erschienen in der November-Ausgabe der Fachzeitschrift "International Journal of Clinical Practice" (2009; 63: 1578-1588).Die untersuchten Patienten stammten aus West- und Osteuropa, Lateinamerika, Ostasien, Nordafrika und dem Mittleren Osten. Im Durchschnitt waren die Männer und Frauen 38 Jahre alt und die Schizophrenie war sieben Jahre zuvor festgestellt worden. Ein Zehntel der Teilnehmer bekamen mit Beginn der Studie zum erstmalig Antipsychotika verschrieben, die restlichen Patienten wurden gerade von ihrem Arzt auf andere Medikamente umgestellt.Ein Drittel der Patienten (34 Prozent) befand sich in den vorherigen sechs Monaten stationär in Behandlung - nur in Lateinamerika wich der Anteil statistisch signifikant nach oben ab (41 Prozent). Unabhängig vom Heimatland ging etwa jeder Fünfte einer bezahlten Arbeit nach (16 bis 23 Prozent). Ein knappes Drittel (32 Prozent) lebte in einer Beziehung, wobei Betroffene in Korea, Malaysia und Taiwan besonders häufiger einen Partner hatten (47 Prozent). Patienten aus Ostasien berichteten auch seltener (34 Prozent) über Probleme beim Sex als alle anderen Teilnehmer (62 Prozent). Ein Viertel wurde mit mehr als einem Medikament gegen Schizophrenie behandelt, und drei Viertel nahmen noch weitere verschreibungspflichtige Arzneimittel gegen andere Krankheiten ein.Es habe heftige Debatten darüber gegeben, ob die Situation von Schizophrenie-Kranken zwischen Entwicklungs- und Industrieländern vergleichbar sei, erläutert Studienleiter Dr. Jamie Karagianis den Grund für die Untersuchung. "Obwohl es einige regionale und länderspezifische Abweichungen gab, zeichnet die Studie insgesamt ein verblüffend einheitliches Bild bei den Schlüsselfaktoren in Gesundheit, Medikation und Sozio-Ökonomie."Die Studie entstand im Auftrag der Pharmafirma Eli Lilly. Alle beteiligten Ärzte seien jedoch völlig frei in der Wahl von Therapien und in der Ermittlung der Daten gewesen, erklären die Studienautoren. (fs)
Quelle: Netdoktor.de vom 17.11.2009
Schizophrenie: Überaktives Immunsystem im Gehirn
Stockholm (ddp). Schizophrenie könnte zumindest zum Teil auf eine Immunreaktion im Gehirn zurückgehen. Darauf deutet jetzt eine Studie schwedischer Forscher hin, die die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit von Patienten kurz nach dem Ausbruch der Krankheit untersuchten. Ergebnis: Im Vergleich zu Gesunden fand sich im Liquor der Schizophrenie-Patienten ein deutlich erhöhter Spiegel eines wichtigen Signalstoffs des Immunsystems. Sollte sich ein Zusammenhang zwischen einem überaktiven Immunsystem und dem Ausbruch der Krankheit auch in weiteren Studien bestätigen, könnte sich ein völlig neuer Behandlungsansatz für die Krankheit eröffnen, von der bis heute unbekannt ist, wie sie eigentlich entsteht. Über ihre Entdeckung berichten Johan Söderlund vom Karolinska-Institut in Stockholm und seine Kollegen im Fachmagazin «Molecular Psychiatry» (Bd. 14, S. 1069, doi: 10.1038/mp.2009.52).
Schizophrenie bricht meistens im jungen Erwachsenenalter zum ersten Mal mit einem heftigen psychotischen Schub aus. Die Betroffenen verändern dann nicht selten ihre gesamte Persönlichkeit, leiden unter Wahnvorstellungen und können nicht mehr zwischen Realität und Halluzination unterscheiden. Obwohl Schizophrenie relativ häufig ist und zumindest in den westlichen Ländern als eine der schwersten psychischen Erkrankungen überhaupt gilt, ist nach wie vor nicht klar, wie die Krankheit entsteht. Aktuell gilt die Theorie eines Zusammenspiels mehrerer Faktoren als vielversprechendster Erklärungsansatz. Demnach sind die Betroffenen zwar genetisch vorbelastet und zeigen anatomische Auffälligkeiten, erkranken aber nur, wenn bestimmte äußere Umstände dazukommen wie etwa ein traumatisches Erlebnis oder Drogenkonsum.
Es gibt allerdings auch Hinweise darauf, dass eine Infektion im Kindesalter den Ausbruch der Krankheit fördern kann. Söderlund und sein Team suchten daher in ihrer Studie nach Anzeichen für eine Beteiligung des Immunsystems. Im Gegensatz zu den meisten früheren Studien analysierten sie jedoch nicht das Blut, sondern direkt die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit von 26 Patienten kurz nach Beginn ihres ersten Schubes und verglichen die Zusammensetzung mit der einer gesunden Kontrollgruppe. Das Ergebnis: Bei den Schizophrenikern fand sich tatsächlich ein um das Fünffache erhöhter Spiegel eines Immunsignalmoleküls namens Interleukin-1-beta in der Hirnflüssigkeit.
Ob die erhöhte IL-1-beta-Menge allerdings Ursache oder Folge der Erkrankung sei, lasse sich bisher nicht sagen, betonen die Forscher. Der Fund passe jedoch bestens ins Bild einer Beteiligung des Immunsystems. So gehört IL-1-beta zu den sogenannten Cytokinen, Botenstoffen der Körperabwehr, denen bei verschiedenen Krankheiten Symptome wie Lethargie, Lustlosigkeit, kognitive Einschränkungen und sozialer Rückzug zugeschrieben werden - alles Kennzeichen, die auch bei einer Schizophrenie auftreten. Zudem können Cytokine im Tierversuch den Dopaminhaushalt im Gehirn durcheinanderbringen und Schizophrenie scheint ebenfalls mit einer Überempfindlichkeit für Dopamin einherzugehen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wären Wirkstoffe, die das Immunsystem regulieren, eine vielversprechende Alternative für eine echte ursächliche Behandlung der Krankheit.
Quelle: Netdoktor.de vom 19.11.2009
Schizophrenie: Erste Anzeichen schon in der Jugend
München (netdoktor.de) - Schizophrenie tritt meist erst im Erwachsenenalter zutage. Doch bereits im Alter zwischen 7 und 13 Jahren fallen Kinder auf, die später an der psychiatrischen Störung erkranken: Sie schneiden schlechter in verschiedenen Sprach- und Gedächtnistests ab und zeigen lange Zeit eine verzögerte Entwicklung. Dieses Ergebnis einer 30 Jahre laufenden Studie präsentierten Forscher der Duke University, North Carolina, im Fachmagazin "American Journal of Psychiatry" (2010; doi: 10.1176/appi.ajp.2009.09040574).
Das Team unter Leitung von Terrie E. Moffitt hatte mehr als 1.000 Neuseeländer von deren Geburt bis zum 32. Lebensjahr begleitet. Im Alter von 3, 5, 7, 9, 11 und 13 Jahren absolvierten die Mädchen und Jungen verschiedene Tests auf ihre geistige Entwicklung. Rund ein Prozent der Teilnehmer erkrankte im Laufe der Studie an Schizophrenie und musste medikamentös behandelt werden. Bei weiteren 2,5 Prozent diagnostizierten die Ärzte ebenfalls eine Schizophrenie, eine Therapie wurde jedoch nicht eingeleitet.
Die Studienautoren stellten rückblickend fest, dass sich bereits ab einem Alter von sieben Jahren ein erhöhtes Risiko für die psychiatrische Störung abzeichnete. Die später Betroffenen schnitten in den Tests zu sprachlicher Argumentationsfähigkeit, Arbeitsgedächtnis, Konzentrations- und Beobachtungsfähigkeit schlechter ab als Gleichaltrige. Darüber hinaus zeigten sie über die Jahre gesehen geringere Fortschritte auf diesen Gebieten, während die Fähigkeiten der anderen Kinder schnell zunahmen.
"Der Anteil der Kinder, der bei diesen Tests schlecht abschneidet, ist groß; die Zahl der Kinder, die Schizophrenie entwickeln winzig", gibt Moffitt zu. Dennoch hätte die Studie interessante neue Aspekte über die Störung aufgedeckt. Zum einen sei nun widerlegt, dass die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen abnehmen. Vielmehr sei es eine längere Entwicklung: Die Kinder verbessern sich zwar, jedoch weniger stark als ihre Altersgenossen. Zum anderen könne man aus diesen frühen Defiziten eine mögliche Ursache für Schizophrenie ableiten: Das zunächst nur etwas weniger weit entwickelte Gehirn könne womöglich nicht mit den neuen Eindrücken und Veränderungen während der Pubertät Schritt halten - die Kinder könnten sich daraufhin zunehmend von ihrer Umwelt zurückziehen und in eine Traumwelt flüchten.
Es sei verführerisch, so Koautor Richard Keefe, beim Auftreten der frühen Warnsignale mit Medikamenten gegensteuern zu wollen. Das sei jedoch gefährlich. Von den rund 20 Prozent der Kinder, die solche Auffälligkeiten zeigen, entwickelt nur etwa ein Prozent die Krankheit - die anderen 19 Prozent müssten unnötig unter den Nebenwirkungen der Antipsychotika leiden. Erwachsene, die an Schizophrenie erkranken, können mit einer konsequenten Therapie in der Regel einen Aufenthalt im Krankenhaus vermeiden. Viele von ihnen können zumindest zeitweise einen normalen Beruf ausüben. (fs)
Quelle: Netdoktor.de vom 25.01.2010
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