Epilepsie:
Freiburger Mediziner entwickeln neue Methode
Freiburg
(dpa) - Freiburger Mediziner haben ein neues Verfahren im Kampf
gegen Epilepsie entwickelt. Die Methode solle auch Epilepsie-Erkrankten
helfen, die nicht mit Medikamenten behandelt werden können, sagte
der Leiter der Neurochirurgischen Universitätsklinik, Josef Zentner,
am Freitag. Mit Hilfe eines Computers könnten Schäden an der Hirnrinde
schneller als bisher entdeckt werden. Solche Schäden können zu Epilepsie-Anfällen
führen. Ein Schwerpunkt soll die Behandlung von Kindern sein. "Wir
setzen dort an, wo die Medizin bisher versagt hat", sagte Zentner.
Kleinste Veränderungen der Hirnrinde, die Ursache für die Epilepsie-Erkrankung
sein könnten, seien mit Hilfe der in Freiburg entwickelten Technik
nachweisbar und könnten dadurch operativ entfernt werden. Mit einem
Kernspintomographen werden laut Zentner Daten der Hirnrinde eines
Epilepsie-Patienten ermittelt und mit den Daten Gesunder verglichen.
Bei einer Veränderung könne dem Patienten durch einen chirurgischen
Eingriff geholfen werden. Dies komme besonders Kindern zugute, sagte
Zentner. "Wenn ein Schaden an der Hirnrinde frühzeitig erkannt
und behoben wird, bleibt das Kind ein Leben lang anfallsfrei",
sagte der Mediziner. Eine Therapie mit Medikamenten werde durch
die Operation überflüssig. Epilepsie zählt zu den häufigsten neurologischen
Erkrankungen. Jeder 100. Deutsche ist davon betroffen. Die in Freiburg
entwickelte Methode kann nach Zentners Angaben bis zu 15 Prozent
aller Epilepsie- Erkrankten helfen. Bisher seien mehr als 40 Patienten
behandelt worden, die Heilungsquote liege bei 75 Prozent. Das Verfahren
wird bei einem Epileptologischen Symposium am Wochenende in Freiburg
vorgestellt. Dazu werden 150 Experten aus Deutschland erwartet.
Quelle: Netdoktor.de
vom 22.06.2002
Epilepsie:
Frühwarnsystem "EpiBloc" ausgezeichnet
Düsseldorf
- Neurologen der Philipps-Universität in Marburg wurden nach
einem Bericht von "pte.at" auf der Fachmesse MEDICA für
eine Entwicklung ausgezeichet, die vielen Epilepsie-Patienten helfen
soll. "EpiBloc" heißt das implantierbare Frühsystem,
das nicht nur einen beginnenden epileptischen Anfall rechtzeitig
erkennen sondern ihn mittels eines abgegebenen Impulses auch im
Keim ersticken kann. Dabei kann eine intelligente Software durch
mathematische Berechnungen der elektrischen Hirnaktivität (EEG)
typische Veränderungen eines nahenden Anfalls erkennen. Dabei
zeigen die betroffenen Hirnregionen ein ganz typisches Aktivitätsmuster.
Das System kann innerhalb von Sekunden reagieren und den drohenden
Anfall durch Stimulation einer bestimmten Hirnregion stoppen. In
fünf Jahren können nach Angaben der Forscher die ersten
Patienten mit EpiBloc behandelt werden. Das erhaltene Preisgeld
von 200.000 Euro soll in weitere Verbesserungen investiert werden.
Vor allem die mathematische Analyse der Hirstromkurve zur Anfallserkennung
müsse noch weiter verbessert werden, so Felix Rosenow von der
Klinik für Neurologie. Es müsse auf jeden Fall sichergestellt
werden, dass keine "Fehlalarme" ausgelöst werden
können. Zudem muss das System noch verkleinert werden, um es
besser implantierbar zu machen.
Quelle: Netdoktor.de
vom 21.11.2002
Epilepsie-Kinder:
Nicht immer Antileptika nötig
München
(dpa) - Kinder müssen nach dem ersten Epilepsie-Anfall nicht
immer mit Antileptika behandelt werden. Oft blieben weitere Attacken
auch ohne diese medikamentöse Behandlung aus. Das ergaben Studien
am National Institute of Neurological Disorders and Stroke in Bethesda
(Maryland), berichtet die in München erscheinende Fachzeitung
"Ärztlich Praxis" (Ausgabe 14/2003). Antileptika
würden oft auch nicht gut vertragen: Die Kinder litten unter
starken Nebenwirkungen wie Hautausschläge, Übelkeit oder
Gewichtsverlust. Auch geistige Fähigkeiten und die Konzentrationsfähigkeit
könnten beeinflusst werden.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 18.02.2003
Forscherteam
entdeckt Epilepsie-Gen
Bonn
(ddp). Ein internationales Forscherteam hat erstmals ein Gen identifiziert,
dass mit verschiedenen Formen von Epilepsien in Zusammenhang steht.
Das berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin «Nature Genetics».
Ein Defekt des Gens mit dem Namen CLCN2 führt zu fehlerhaften
chemischen Mechanismen im Gehirn, die eine Übererregbarkeit
der Nervenzellen nach sich ziehen.
Bei etwa
der Hälfte der Epileptiker haben Anfälle keine äußere
Ursache, sondern sind durch eine genetische Veranlagung bedingt.
Diese so genannten idiopathischen Epilepsien beginnen im Kindes-
oder Jugendalter und lassen sich in mehrere Unterformen unterteilen.
Die Forscher um Armin Heils von der Universitätsklinik für
Epileptologie in Bonn konnten erstmals ein Gen dingfest machen,
das vier relativ häufige Formen idiopathischer Epilepsien hervorrufen
kann. Bisher seien nur Gene gefunden worden, die mit eher seltenen
Formen erblicher Epilepsien in Zusammenhang stehen, sagte Heils
auf ddp-Anfrage.
Bei 3
von 46 untersuchten Familien mit epilepsiekranken Mitgliedern fanden
die Wissenschaftler Mutationen des Gens CLCN2. Dabei betraf der
Gendefekt jeweils die erkrankten, nicht jedoch die gesunden Familienmitglieder.
Auch bei gesunden Kontrollpersonen ließen sich die entsprechenden
Gendefekte nicht nachweisen. «Wir schätzen, dass das
von uns identifizierte Gen für etwa 15 Prozent der häufigsten
Epilepsieformen verantwortlich ist», sagt Heils. «Allerdings
gibt es bestimmt noch 10 oder 15 weitere Gene, die bei Epilepsie
eine Rolle spielen.»
Durch
Kenntnis der verantwortlichen Gene kann man Epilepsie zwar nicht
verhindern. Das Wissen um die biologischen Ursachen erlaube es aber,
gezielter wirkende Medikamente zu entwickeln, erläutert Heils.
Die bisherigen Medikamente sprechen nämlich bei bis zu 20 Prozent
der Patienten nicht an, und viele Betroffene leiden unter Nebenwirkungen
wie Gewichtszunahme, Schwindel oder Müdigkeit.
Quelle:
Lichtblick-newsletter.de
vom 03.03.2003
Ursache
Epilepsie: Forscher entdecken verantwortliches Gen
Bonn
(dpa) - Ein internationales Forscherteam hat die Ursache für
verschiedene Formen der Epilepsie entdeckt. Das gefundene Gen spiele
möglicherweise bei rund 15 Prozent aller erblich bedingten
Epilepsie- Kranken eine Rolle, schätzt die Gruppe um Armin
Heils von der Universität Bonn. Es sei für einen Chlorid-Kanal
in den Nervenzellen verantwortlich, der die Weiterleitung von Reizen
beeinflusse. Die Arbeit des Teams veröffentlicht das Journal
«Nature Genetics» am Montag in seiner Online-Ausgabe.
In Deutschland leiden 650 000 Menschen an Epilepsie. Etwa die Hälfte
der Fälle ist durch Hirntumoren oder Kopfverletzungen hervorgerufen,
die andere hat genetische Ursachen. Es gebe sieben Typen genetisch
bedingter Epilepsien, die alle familiär gehäuft auftreten,
teilten die Universität Bonn und die Volkswagenstiftung mit.
«Einige seltene Varianten werden dabei durch einen einzigen
Gendefekt ausgelöst», sagte der Mediziner Heils. Die
Forscher identifizierten eigenen Angaben zufolge weltweit erstmalig
eine Erbanlage, deren Störung verschiedene Typen dieser so
genannten idiopathischen Epilepsien hervorrufen kann. Welche Variante
der Patient bekomme, hänge wahrscheinlich von weiteren Genen
ab. Nicht jeder, der an diesem Gendefekt leide, erkranke an Epilepsie,
sagte Heils. «Das Gen allein ist nicht entscheidend für
die Krankheit.» Die Träger seien aber in höchster
Gefahr, die Krankheit zu bekommen. Dabei spielten Umweltfaktoren,
wie die Lebensführung, eine große Rolle. Wichtig sei,
auf Alkohol zu verzichten und auf einen regelmäßigen
Schlaf-Wach-Rhythmus zu achten. Das Projekt «Molekulare Analyse
genetisch komplexer Epilepsien» wurde von der Volkswagenstiftung
mit 1,16 Millionen Euro gefördert.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 04.03.2003
Flip und Flap
helfen: Ein Comic für Epilepsie-Kinder
Lübeck
(dpa) - Mit einem Comic wollen Kinderärzte der Universität
Lübeck epilepsiekranken Kindern helfen. Die Bildergeschichten
mit den Nervenzellen "Flip" und "Flap" sollen
den jungen Patienten erklären, was bei einem epileptischen
Anfall in ihrem Körper passiert. Nach Ansicht der Wissenschaftler
können Kinder auf diese Weise lernen, selbstständig mit
ihrer Krankheit zu leben. Für die Umsetzung des Projektes erhält
die Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin aus einem Sponsoringprogramm
150.000 Euro. Das Geld stammt aus einem Programm des amerikanischen
Chemiekonzerns Johnson & Johnson, mit dem Gesundheitsangebote
für Kinder und Jugendliche gefördert werden. Der Scheck
wird nach Angaben der Universität am 8. März bei einer
Fachtagung in der Kinderklinik Datteln der Universität Witten/Herdecke
überreicht werden. Etwa 60 von 100.000 Kindern unter 15 Jahren
leiden nach Angaben der Universität an Epilepsie. Bereits seit
drei Jahren arbeiten die Fachleute der Uni Lübeck an dem Comic,
der Teil eines umfangreichen Schulungsprogramms für Kinder
und Eltern ist. "Die betroffenen Kinder wissen oft gar nicht,
unter welcher Krankheit sie leiden", sagt die Leiterin der
Lübecker Universitätskinderklinik, Ute Thyen. "Sie
bekommen die Anfälle nicht bewusst mit und merken nur an den
fragenden Blicken der Mitschüler oder am besorgten Verhalten
der Eltern, dass mit ihnen irgendetwas nichts stimmt", erläutert
sie. Deshalb litten die Kinder häufig an Angst, Schuld- und
Schamgefühlen. Mit dem von Lübecker Wissenschaftlern entwickelten
Schulungssystem lernen Kinder im Alter zwischen 7 und 15 Jahren
in Wochenendseminaren, ihre Krankheit zu verstehen und mit ihr umzugehen.
Für die Eltern gibt es eigene Schulungen. "Sie müssen
lernen, ihre Kinder nicht zu stark zu behüten und ihnen aus
Angst vor einem neuen Anfall alles zu verbieten", sagt Thyen.
Erste Tests in Kinderkliniken unter anderem auch in Hamburg und
Hannover haben gezeigt, dass die Comicfiguren "Flip" und
"Flap" dabei eine große Hilfe sind. "Viele
Kinder haben die Comics mit in die Schule genommen und dadurch dort
erstmals offen über ihre Krankheit gesprochen", sagt die
Psychologin Esther Müller-Godeffroy, die die Seminare leitet.
Außerdem habe sich gezeigt, dass die Kinder die notwendigen
Medikamente gewissenhafter einnahmen, nachdem sie über ihre
Krankheit Bescheid wussten. Vom Sommer an soll das Lübecker
Schulungsprogramm in zehn Kinderkliniken bundesweit getestet und
die Ergebnisse wissenschaftlich ausgewertet werden.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 06.03.2003
Epilepsie:
Ausreichend Selen schützt
Berlin
(dpa/bb) - Eine ausreichende Zufuhr des Spurenelements Selen schützt
nach Angaben der Berliner Charité im Tierversuch vor Epilepsie
und Hirnzelltod. «Es wäre lohnenswert, Epileptiker und
Schlaganfall-Patienten auf ein zu niedriges Selen-Niveau im Blut
zu untersuchen», sagte am Mittwoch die Charité-Neurobiologin
Anja Bräuer zu den Konsequenzen der Untersuchung an Ratten.
Tiere mit selenarmer Nahrung hatten doppelt so starke Krampfanfälle
wie Tiere mit normaler Ernährung. Die Forscher um Robert Nitsch
aus dem Institut für Anatomie der Charité hatten einer
Rattengruppe extrem selenarme Nahrung gegeben und die Kontrollgruppe
normal ernährt. Anschließend lösten sie bei den
Tieren durch ein Medikament Krampfanfälle aus. «Es zeigte
sich, dass die selenarmen Ratten doppelt so starke und langandauernde
Krämpfe erlitten», sagte Bräuer. Auch die Menge
an abgestorbenen Hirnzellen belief sich auf das Doppelte. «Selen
in ausreichenden Mengen ist essenziell für das Gehirn»,
so Bräuer. Sie verwies auf ein Experiment Aachener Ärzte,
die 1994 zwei Kleinkindern zusätzliches Selen verabreichten,
worauf sich deren Krampfanfälle verringerten. Die Ergebnisse
der Bräuer/Nitsch- Versuche wurden im November 2002 in der
Fachzeitschrift der Federation of the American Societies for Experimental
Biology (FASEB Journal) veröffentlicht.
Quelle: Netdoktor.de
vom 03.04.2003
Premiere:
Hirn-Fotos von Epilepsie veröffentlicht
Bielefeld
(dpa) - Eine neue Foto-Dokumentation des Bielefelder Bethel-Verlages
ermöglicht erstmals einen Blick auf die Beschaffenheit des
Hirngewebes lebender Epilepsie-Patienten. Bislang habe es nur Abbildungen
von Gehirnen bereits verstorbener Epileptiker gegeben, teilten die
Bethel-Anstalten am Donnerstag mit. Das abgebildete Gewebe stamme
von rund 700 Patienten, die zwischen 1990 und 2001 im Epilepsie-Zentrum
Bethel operiert wurden. Epilepsie- Anfälle werden den Angaben
zufolge von verändertem Hirngewebe ausgelöst. Mit Hilfe
der Dokumentation könnten Chirurgen sich nun vor Operationen
ein besseres Bild von der Beschaffenheit dieses Gewebes und den
Ursachen der Anfälle machen. Vor derartigen Eingriffen würden
Gehirnbereiche, die die Anfälle auslösten und entfernt
werden müssten, genau festgelegt.
Quelle: Netdoktor.de
vom 05.09.2003
Epilepsie:
OP am Gehirn empfohlen
Freiburg
(dpa) - Immer mehr Epileptikern, die nicht auf Medikamente ansprechen,
kann laut Experten durch eine Operation am Gehirn geholfen werden.
Rund zwei Drittel der Patienten werde komplett anfallsfrei, sagte
der Ärztliche Direktor der Neurochirurgie des Freiburger Uniklinikums,
Prof. Josef Zentner, am Mittwoch in Freiburg. Fünf Prozent
der an einer Epilepsie erkrankten Patienten könne operativ
behandelt werden. Sie sollten möglichst im Kindesalter operiert
werden, um ihnen ein anfallsfreies Leben zu ermöglichen. Voraussetzung
für die Operation sei, dass den Patienten nicht mit Medikamenten
geholfen werden könne. Zudem müsse über eine so genannte
funktionelle Kernspintomographie der Krankheitsherd im Hirn genau
geortet werden. Dies könne beispielsweise ein Tumor an der
Hirnoberfläche sein, sagte Zentner. Die Uniklinik Freiburg
mit dem Epilepsiezentrum Freiburg-Kork sei die landesweit einzige
Klinik, an der diese Operationen erfolgten. Das Zentrum kooperiere
mit entsprechenden Einrichtungen in Heidelberg, Stuttgart und Mannheim.
Epilepsien gehören bundesweit zu den häufigsten neurologischen
Erkrankungen. In Deutschland sind 0,8 bis 1,0 Prozent der Bevölkerung
von dieser Funktionsstörung betroffen. Dabei geben Nervenzellen
unkontrolliert Impulse ab, so dass die Hirnstromtätigkeit aus
dem Takt gerät. Die Folge können Bewusstlosigkeit und
ein heftiges, krampfartiges Zucken der Glieder sein. Zwei Drittel
bis 70 Prozent der Betroffenen könne langfristig mit Medikamenten
geholfen werden, sagte Zentner. Die chirurgische Behandlung von
Epilepsien ist ein Schwerpunktthema der 44. Jahrestagung der Deutschen
Sektion der Internationalen Liga gegen Epilepsie. Sie wird am Donnerstag,
20. Mai, in Freiburg eröffnet und dauert bis zum 22. Mai. Die
Deutsche Liga gegen Epilepsie zählt rund 1500 Mitglieder.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 20.05.2004
Epilepsie:
Gen-Maus für die Fallsucht
Hamburg
(dpa) - Hamburger Forscher haben eine genmanipulierte Versuchsmaus
zur Erforschung von Epilepsie entwickelt. Das Team um Dirk Isbrandt
vom Zentrum für Molekulare Neurobiologie des Universitätsklinikums
Eppendorf nutzt die Gen-Mäuse, um zu erkennen, was sich bei
der Entstehung bestimmter Formen von Epilepsie im Gehirn abspielt.
Die Hamburger Mediziner hoffen, künftig schneller Medikamente
gegen die Krankheit entwickeln zu können, teilte die Universitätsklinik
am Mittwoch in Hamburg mit. Im Mittelpunkt der Arbeiten stehen defekte
Kaliumkanäle in Nervenzellen. Kaliumkanäle sind wichtig
für die Regelung der elektrischen Stromimpulse im Gehirn. Die
Forscher schleusten ein defektes Gen in das Erbgut der Mäuse
und setzen so die Kaliumkanäle außer Funktion. Das führt
zu unkontrollierbarer Ausbreitung elektrischer Ströme im Gehirn,
die auch für schwere epileptische Anfälle bei Menschen
charakteristisch sind, sagte Isbrandt. Bonner Forscher hatten defekte
Kaliumkanäle auch bei Menschen mit Epilepsie gefunden. Die
Krankheit kommt in mehreren Dutzend Formen vor und hat unterschiedliche
Auslöser. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation erkranken
in Europa etwa 0,6 Prozent der Bevölkerung an einer aktiven
Epilepsie.
Quelle:
Netdoktor.de
vom 06.01.2005
Epilepsie: Genvariante als Auslöser entdeckt
Bonn (ddp). Milliarden von Nervenzellen sind im Gehirn genau aufeinander abgestimmt. Bei Menschen mit Epilepsien ist dieses Zusammenspiel zeitweilig gestört. Die Nervenzellen werden zu stark erregt, so dass es zu einer gleichzeitigen elektrischen Entladung vieler Nervenzellen kommt. Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) haben jetzt eine Genvariante entdeckt, die eine bestimmte Form der Epilepsie auslöst, die besonders Kinder betrifft. Die Genvariante führe dazu, dass ein wichtiges Kontrollelement für den Erregungszustand der Nervenzellen im Gehirn, der so genannte GABA-Rezeptor, zerstört werde, teilt das NGFN mit. Gene, die Epilepsie hervorrufen, sind in Gehirn und Rückenmark weit verbreitet und kontrollieren unter anderem Bewegungsabläufe und den Schlaf. Der GABA-Rezeptor befindet sich in der Hülle von Nervenzellen und dient als Andockstation für bestimmte Botenstoffe. Bindet sich ein bestimmter Signalstoff an einen GABA-Rezeptor, so wird dadurch ein Mechanismus ausgelöst, der die elektrische Entladung von Nervenzellen hemmt. «Dieser Kontrollmechanismus wird durch die gefundene Genvariante außer Kraft gesetzt. Die Nervenzellen sind enthemmt beziehungsweise übererregt, und ein epileptischer Anfall kann entstehen», erläutert Armin Heils aus dem Forscherteam. Vieles spreche dafür, dass dies ein zentraler Mechanismus für die Entstehung von Epilepsien sein könnte, heißt es weiter. Allerdings besteht für die Wissenschaftler noch viel Forschungsbedarf: «Wir stehen erst am Anfang, die genetischen Ursachen zu entschlüsseln», sagt Professor Holger Lerche. So konnten die Wissenschaftler die Veränderung im Gen des GABA-Rezeptors bislang nur bei einem von 100 Patienten als Auslöser der Erkrankung finden. «Daher ist es wichtig, dass wir die noch unbekannten Varianten der Epilepsie-Krankheitsgene aufspüren», ergänzt Heils. «Nur wenn wir wissen, welche genetischen Defekte für eine bestimmte Epilepsie-Form verantwortlich sind, wird es eines Tages vielleicht möglich sein, den Patienten mit einer maßgeschneiderten Therapie zu helfen.»
Quelle: Netdoktor.de vom 12.08.2006
Epilepsie: Erdbebenvorhersage hilft bei Prognose
London (ddp). Epileptische Anfälle könnten in Zukunft mit Hilfe seismologischer Methoden vorausgesagt werden. Da die Muster epileptischer Anfälle dem typischen Verlauf von Erdbeben ähneln, könnte die Erdbebenvorhersage wichtige Erkenntnisse bei der Voraussage solcher Anfälle liefern. Das schließen Neurologen um Ivan Osorio von der Universität in Kansas City aus einem Datenvergleich der Gehirnaktivität von Menschen während eines epileptischen Anfalls mit dem Verlauf von 300 000 Erdbeben. Über die Ergebnisse berichtet das Wissenschaftsmagazin «New Scientist» (12. Januar, S. 9). Als Gemeinsamkeit zwischen beiden Phänomenen fanden die Wissenschaftler sieben verschiedene sogenannte statistische Potenzgesetze. Solche Gleichungen verknüpfen beispielsweise die Beziehung zwischen der Stärke eines Bebens und der Häufigkeit des Auftretens solcher Erschütterungen oder den Pausen zwischen den Ereignissen. Derartige Gesetzmäßigkeiten sind auch aus anderen Bereichen bekannt. Beispielsweise können sie Zeitspannen beschreiben, die zum Beantworten von E-Mails benötigt werden. Der Verlauf epileptischer Anfälle lässt sich mit solchen Potenzgesetzen ebenfalls darstellen, wiesen die Forscher nach. Auch die Pausen zwischen den Anfällen beziehungsweise den einzelnen Beben zeigten ein ähnliches Muster, fanden die Wissenschaftler heraus: Je länger das vorangegangene Ereignis zurücklag, desto später erfolgte auch das nächste Beben oder die nächste Attacke. Auf kürzere Pausen folgten gewöhnlich mehrere kleinere Erschütterungen. Die Wissenschaftler hoffen, mit den verbesserten Methoden Anfallspatienten die Vorhersage von Anfällen zu erleichtern. Dies könnte zu einer verbesserten Lebensqualität beitragen.
Quelle: Netdoktor.de vom 11.01.2008
Epilepsie: Flackerlicht in Blau-Rot kann Anfall auslösen
San Francisco (ddp). Flackernde Lichter in Rot und Blau sind für Epileptiker gefährlicher als andere Farbkombinationen: Der Wechsel zwischen diesen beiden Farben irritiert das Gehirn messbar mehr als der zwischen anderen Tönen, wie britische und indische Wissenschaftler gezeigt haben. Diese Irritation kann zwar im gesunden Gehirn kompensiert werden. Bei vielen Epileptikern fehlt dieser Schutzmechanismus jedoch und die pulsierenden Lichter lösen eine unerwünschte Synchronisierung der Hirnaktivität und damit nicht selten auch einen Anfall aus. Da flackernde Rot-Blau-Kombinationen in Fernsehsendungen sehr häufig seien, sollten Epileptiker sehr vorsichtig beim Anschauen von Animationen und Trickfilmen sein, empfehlen die Forscher um Joydeep Bhattacharya von der University of London und seine Kollegen im Fachmagazin «PLoS one» (Bd. 4, Nr. 9, Artikel e7173).
Bei Menschen, die zu sogenannten photosensitiven Anfällen neigen, kann schon der Wechsel aus Licht und Schatten unter Bäumen oder das Flackern eines Bildschirms zu einem Aussetzer des Bewusstseins, krampfartigen Muskelzuckungen oder sogar einem voll ausgeprägten epileptischen Krampfanfall führen. Entscheidend für die Reaktion des Gehirns sind dabei sowohl die Frequenz, mit der das Licht flackert, als auch der Kontrast und das Muster der Signale. Doch auch die Farbe des Lichts scheint eine wichtige Rolle zu spielen, denn besonders häufig werden Anfälle im Zusammenhang mit bunten Cartoon-Sendungen im Fernsehen beschrieben. So gab es im Jahr 1997 in Japan mehr als 700 Berichte über Anfälle, die während der Ausstrahlung eines Pokemon-Cartoons auftraten.
Bereits frühere Studien hatten Hinweise ergeben, dass vor allem die Farbkombination Rot-Blau problematisch für das Gehirn ist. Um das nun genauer zu testen, ließen Bhattacharya und seine Kollegen elf gesunde und zwei an Epilepsie erkrankte Freiwillige verschiedene Farbkombinationen auf einem Bildschirm ansehen und registrierten dabei die Hirnströme der Teilnehmer. Die Farben wechselten mit einer Frequenz von zehn Hertz für jeweils drei beziehungsweise - bei den Epileptikern - zwei Sekunden. Gezeigt wurden die Kombinationen Rot-Blau, Rot-Grün und Grün-Blau.
Man habe man einen deutlichen Unterschied zwischen der Reaktion der gesunden Gehirne und der der Epileptiker sehen können, erläutert Bhattacharya: Die Gehirne der gesunden Probanden reagierten auf die irritierenden Lichtsignale, indem sie die Komplexität ihrer Signale erhöhten. Am stärksten ausgeprägt war diese Reaktion bei der Blau-Rot-Kombination. Bei den Epileptikern dagegen nahm die Komplexität und damit die Unordnung der Signale ab, das heißt, einige Gehirnbereiche begannen, synchron mit anderen zu arbeiten - ein Merkmal, das als Beginn eines epileptischen Anfalls gilt.
Da der Grad der Unordnung in den Hirnströmen ein Maß dafür sei, wie heftig sich das Gehirn gegen den Einfluss der Lichtsignale wehre, sei damit klar, dass die Rot-Blau-Bestrahlung den stärksten Einfluss habe und damit auch potenziell die größte Gefährdung darstelle. Die Wirkung direkt nachweisen könne man allerdings nicht, da es zu gefährlich sei, bei den Epileptikern absichtlich einen Anfall auszulösen.
Quelle: Netdoktor.de vom 28.09.2009 |