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Patientenzeitschrift

Patientenzeitschrift: DATT IS IRRE!

DATT IS IRRE! ist eine Patientenzeitschrift, die von Psychiatrie-Erfahrenen, deren Angehörigen und Mitarbeitern aus der Psychiatrie gestaltet und herausgegeben wird. Unser Ziel ist es, ein kritisches Forum zu schaffen für die verschiedenen Anliegen und Probleme, die mit der Psychiatrie verbunden sind, Aufklärung zu betreiben, um Vorurteile abzubauen oder ganz einfach Erfahrungen weiterzutragen. Wir wollen helfen, Psychiatrie zu gestalten.
Initiiert von der Kontakt- und Beratungsstelle gemeinsame sache fanden sich Mitarbeiter verschiedener psychiatrischer Einrichtungen des Caritasverbandes und der Mülheimer Kontakte sowie interessierte Betroffene Anfang Juli 1993 zur Gründungs- sitzung einer Patientenzeitschrift zusammen. Es wurden regelmäßige Redaktionssitzungen vereinbart.
Nachdem ein Name gefunden war, ging es schnell ans "Machen". Über das "Konzept" und viele andere Probleme verständigten wir uns beim Erstellen der ersten Ausgabe. Spaß sollte es vor allem machen. Im Verlauf der Zeit haben sich dann Ziele und auch die verschiedenen Motivationen, an der Patientenzeitschrift mitzuwirken, klarer herauskristal- lisiert, ohne das sie einheitlich über die gesamte Redaktion gestreut wären. Ziele und Motivationen sind unter anderem:

• Angehörige, Betroffene und Fachleute sollen besser miteinander ins Gespräch kommen
  (Trialog)
• Kritisches Forum schaffen, für die verschiedenen Anliegen der Psychiatrie
• Aufklärung betreiben, um Vorurteile abzubauen
• Helfen, Psychiatrie zu gestalten
• Sprachrohr für Betroffene sein
• Über die Redaktionsarbeit neue Inhalte, Aufgaben und Fähigkeiten finden
• Verantwortungsbereiche auszufüllen
• Selbstwertsteigerung
• Betroffene und Angehörige nehmen ihre Anliegen wahr und vertreten sie in der Öffent-        
  lichkeit
• Auseinandersetzung mit sich und der Krankheit
• Eigene Situation mitteilen und verständlich machen
• Forum für eigene Geschichten, Gedichte, Berichte, Karikaturen etc.

DATT IS IRRE! erscheint 3mal im Jahr. Insgesamt sind 48 Ausgaben erschienen. Die Auflage von ursprünglich 500 Stück haben wir bis heute auf 2000 Exemplare gesteigert. Der Umfang hat sich von 24 auf 28 Seiten erhöht.
DATT IS IRRE! finden Sie in verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen in Mülheim, Oberhausen, Essen und Duisburg. Speziell in Mülheim liegt die Zeitschrift in Arztpraxen, Apotheken, Stadtbücherei, Volkshochschulen, Parteien etc. aus. Hinzu kommen einige Förderabonnements außerhalb Mülheims. Über verschiedene Presseartikel haben wir Resonanz auch aus entfernteren Regionen der Bundesrepublik bekommen.
Die Patientenzeitschrift hat drei Veranstaltungen durchgeführt:

• Öffentliche Diskussion mit dem Chefarzt der Psychiatrie am Marienhospital Dr. Rudolf  
  Groß
• Öffentliche Umfrage zum Begriff "Shizophrenie"
• Unterschriftenaktion und Aufklärung zur Bioethikresolution des Europarates in der  Fuss-
  gängerzone

DATT IS IRRE! finanziert sich über Anzeigen, Förderabonnements und Spenden. Offene Redaktionssitzungen finden Montags von 15:00 - 16:30 Uhr in den Räumen der Kontakt- und Beratungsstelle SPZ statt.
Wenn Ihnen unsere Zeitschrift gefällt, Sie Interesse haben mitzuarbeiten oder unsere Anliegen unterstützen möchten, gibt es folgende Möglichkeiten:

Teilnahme an den öffentlichen Redaktionssitzungen
Schreiben von Artikeln und Leserbriefen
Einrichten eines Förderabonnements
Spenden

Besuchen Sie "DATT IS IRRE!" im Internet!!!
www.dattisirre.de

März 2009

WAZ Aktion Jolanthe für psychisch kranke Menschen

Irrer Erfolg

06.03.2009, von Jörn Stender

Seit 15 Jahren gibt es „Dat Is Irre”. Die Zeitschrift „nicht nur für Verrückte” erscheint dreimal im Jahr und wird maßgeblich von Psychiatrieerfahren mit Inhalten gefüllt. Für die Mitwirkenden ist klar: Schreiben befreit.

Redaktionssitzung an der Althofstraße. Die wichtigsten Fragen gilt es gleich zu klären: „Wer räumt ab, wer übernimmt den Spüldienst?”, fragt Carmen. Schweigen in der Runde, dann erbarmt sich Wolf, übernimmt die Jobs. So, das wäre geklärt. Es geht an die Arbeit, mit Keksen und Kaffee. Am Tisch: Das Team, das „Dat Is Irre!” schafft. Früher trug das Heft den Untertitel „Patientenzeitschrift”. Davon hat man sich gelöst. Jetzt steht auf dem Deckblatt: „Zeitschrift nicht nur für Verrückte – Unabhängig – Kostenlos”. Nummer 46 ist in der Mache. Eine Erfolgsgeschichte.
Immer montags um 15 Uhr trifft sich die Redaktionsrunde von 'Dat is Irre!' an der Althofstraße im Katholischen Stadthaus. Über Inhalte und Texte wird basisdemokratisch entschieden. Fotos: Andreas Köhring/Stephan Glagla (Andreas Köhring - PR Fotografie)
Immer montags um 15 Uhr trifft sich die Redaktionsrunde von "Dat is Irre!" an der Althofstraße im Katholischen Stadthaus. Über Inhalte und Texte wird basisdemokratisch entschieden. Fotos: Andreas Köhring/Stephan Glagla
Im Juli 1993 fanden sich Mitarbeiter psychiatrischer Einrichtungen und Betroffene zur Gründungssitzung zusammen. Initiiert hatte das Treffen die Kontakt- und Beratungsstelle im sozialpsychiatrischen Zentrum der Caritas. „Das war anfangs eher eine fixe Idee. Wir haben nicht geglaubt, dass wir so lange durchhalten. Es ist erstaunlich gut gelaufen. Zumal wir keinen Cent kriegen und uns komplett selbst finanzieren”, sagt Sozialpädagoge Winfried Pasch. Von Anfang an begleitet er das Projekt. Mit 500 Stück fing „Dat Is Irre!” an. Der Heftumfang wurde von 24 auf 28 Seiten erhöht, die Auflage auf 2000 gesteigert. Spenden und Förderabos – auch aus 25 Städten außerhalb des Ruhrgebiets – sichern das Erscheinen. „Pro Ausgabe haben wir 800 € Druckkosten. Das muss man erst mal erwirtschaften”, sagt Heilpädagogin Birgitta Becker. Gleich geblieben ist das Grundprinzip: Basisdemokratie. Erscheint ein Text? Wird ein Gedicht veröffentlicht? Welche Karikatur soll ins Blatt? All diese Entscheidungen werden gemeinsam diskutiert und getroffen. Einen Chefredakteur hat die Zeitschrift nicht. Und die breite Basisarbeit trägt Früchte. Drei Hefte erscheinen pro Jahr. „Das ist für mich eine geistige Herausforderung und Auseinandersetzung. Ich finde das sehr belebend. Das sind Diskussionen, die Spaß machen”, sagt Axel. Zur Redaktionssitzung hat er einen eigenen Text mitgebracht. Später wird er ihn vorlesen und zur Abstimmung stellen. Ein durchaus mutiger Produktionsweg.

Selbsterfahrung im geschützten Bereich

„Nicht jeder im Redaktionskreis schreibt. Man darf auch einfach dabeisitzen, zuhören, mitreden”, sagt Pasch. Carmen, seit 1995 in der Redaktion, führt diesmal Protokoll. Carsten sitzt als Zuhörer am Tisch. Klaus hat vor zwei Jahren den Part übernommen, alle Texte in den PC einzugeben. Sandra gehört seit drei Jahren zum Kreis. Sie wollte „was Sinnvolles machen”, hat sich aber „anfangs nicht getraut, selbst was vorzutragen”. Hier, findet sie, „gibt es einen geschützten Rahmen. Man kann lernen. sich selber was zuzutrauen.” Ein Stück weit dem „integrativen Aspekt” soll „Dat Is Irre” dienen, auch Sozialpolitik kommentierend begleiten. „Die Erfahrung der Betroffenen, das Authentische ist wichtig. Daran sind wir immer stark interessiert”, sagt Pasch. „Zu entsprechenden Beiträgen rufen wir teilweise konkret auf”, erklärt Becker. „Thema im nächten Heft sind Gewalterfahrungen.” Und dann sind da noch die Fachbeiträge, die ins Blatt finden. Zum Beispiel von Ärzten. „Aber das ist nicht einfach, wir können ja nicht viel bieten außer unserem heißen Dank”, sagt Carmen. Beziehungen sind immer wieder ein Thema, Süchte auch. „Es ist schwierig, die Zeitung nicht so schwer werden zu lassen bei den Themen, die wir aufgreifen”, meint Becker. So vollzieht die Redaktion eine dauernde Gratwanderung angesichts der Erlebnisse Betroffener mit der Psychiatrie, mit ihrer Krankheit, mit den Menschen in ihrem Umfeld, mit Wahn und Vereinsamung, mit Drogen und Entzug. Für Winfried Pasch ist es „immer wieder erstaunlich, woher die Resonanz kommt, wo wir überall gelesen werden. Das zeigt, dass wir nicht isoliert sind”. Die Öffentlichkeitswirksamkeit ist ein Antrieb, bei „Dat Is Irre!” mitzumachen. „Frank sagt immer, der Hauptgrund ist, weil es hier Plätzchen und Kaffee gibt”, witzelt Axel. Mit zwei Worten erklärt Carmen ihr Engagement: „Schreiben befreit”.

Jubiläum in der Beratungsstelle

Die – für alle an der Arbeit Interessierten offenen – Redaktionssitzungen sind wöchentlich montags von 15 bis 16.30 Uhr in der Kontakt- und Beratungsstelle an der Althofstraße 8. Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige und Gäste feiern dort am Dienstag ab 15.30 Uhr auch 15 Jahre „Dat is Irre!”. Die eigentliche Jubiläumsausgabe (Nummer 45) lag bereits im Dezember 2008 vor. Die Zeitschrift versteht sich als kritisches Forum für Anliegen und Probleme der Psychiatrie.

 

Kontaktinformation: 

DATT IS IRRE!
• Redaktion •
Althofstr. 8
45468 Mülheim an der Ruhr
Tel.: 0208 - 30853-40
Fax: 0208 - 30853-35
Internet: www.dattisirre.de
Email: Datt is Irre!
Email:
spz-kobs@gmx.de

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Zuletzt geändert am: 17.12.2009

                                                                                                        

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